Sonntag, 18. Dezember 2016

10 Cloverfield Lane (2016)

http://www.imdb.com/title/tt1179933/

Michelle (Mary Elizabeth Winstead) verlässt nach einem Streit New Orleans und fährt davon. Doch dann kommt es auf der wenig befahrenen nächtlichen Straße zu einem schweren Unfall. Die junge Frau verliert das Bewusstsein. Als sie später wieder aufwacht, findet sie sich nicht in einem Krankenhaus wieder, sondern in einem Bunker tief unter der Erde. Howard (John Goodman) behauptet, dass er sie gerettet hat und die Umgebung angegriffen wird. Die meisten Menschen sollen demnach schon tot sein. Doch Michelle möchte nicht ewig auf engstem Raum mit fremden Personen zusammenleben. Mit Emmett (John Gallagher Jr.), dem Dritten im Bunker, schließt sie sich zusammen und plant den Ausbruch aus den Fängen des immer paranoider werdenden Howard. Noch wissen sie nicht, was sie an der Oberfläche erwartet...

"10 Cloverfield Lane" ist weniger eine direkte Fortsetzung des Überraschungshits aus dem Jahr 2008 als vielmehr die Darstellung einer parallelen Situation des New Yorker Angriffs, dies bezeugt auch die relativ späte Bezugnahme zum Titel des vorherigen Films, da Trachtenbergs Werk lange unter "The Cellar", respektive "Valencia" firmierte. Regiedebütant Dan Trachtenberg, dessen Portal-Kurzfilm die Aufmerksamkeit von Produzent J. J. Abrams auf sich lenkte, nimmt das "Cloverfield"-Szenario aus dem umstrittenden Found-Footage-Monster-Horror des Vorgängers und was man hier erlebt, ist schlussendlich ein Kammerspiel zwischen drei guten Schauspielern, unter denen Goodman, nicht nur körperlich, herausragt. Diese Mischung aus Fürsorge, Beschützerinstinkt, völligem Wahnsinn und eklatanter Aggression erinnert, absichtlich oder nicht, oft und recht deutlich an Kathy Bates als Anne Wilkes in "Misery".

Die Stimmung, die dabei erzeugt wird, ist zwischenzeitlich nervenzerreißend, unangenehm, teils gar gruselig, was durch den clever eingesetzten Score in den hochgradig spannenden Szenen noch verstärkt wird. Der eigentliche Verdienst aber ist es, im Verlauf beim Zuschauer dann doch Zweifel über die wahren Vorgänge außerhalb des Luftschutzkellers zu schüren. Großen Anteil daran hat das gleichmaßen väterliche wie unberechenbar-paranoide Spiel von John Goodman, der der Protagonistin im Grunde nur die Wahl, zwischen dem Monster drinnen und der Seuche draußen lässt; dadurch entsteht ein überraschendes Verwirrspiel, bei dem sich der Zuschauer immer fragt, wer nun die Oberhand über die Wahrheit gewinnt.
 
Dank einer fokussierten Regie, eines ideenreichen Drehbuchs, einer überzeugenden Mary Elizabeth Winstead und einem alles überragenden John Goodman gehört "10 Cloverfield Lane" sicherlich in den Club der besten Fortsetzungen und ist ganz nebenbei einer der besten Thriller des Kinojahres 2016. Einzig das recht konventionelle Ende, inklusive etwas übetrieben heroischer Charakterentwicklung schmälert den exzellenten Gesamteindruck ein wenig.

7,5/10

Auch im limitierten Steelbook erhältlich: