Donnerstag, 3. November 2016

Når Dyrene Drømmer - When Animals Dream (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2818178/

Marie (Sonia Suhl) ist eine schüchterne Teenagerin. Sie lebt mit ihren Eltern in einem kleinen Fischerdorf auf einer Insel vor der abgelegenen Nordküste Dänemarks. Der einzige Mensch, dem sie vertraut, ist Daniel (Jakob Oftebro), er fühlt sich zu ihrer verborgenen stürmischen Natur hingezogen. Da Maries Mutter Mor (Sonja Richter) schwer krank ist und im Rollstuhl sitzt, kümmert sich hauptsächlich ihr Vater, Far (Lars Mikkelsen), um das Wohl der Familie. Um ihn zu entlasten, nimmt die 16-Jährige einen Job in der örtlichen Fischfabrik an. Doch plötzlich macht sie eine folgenreiche Entdeckung: Merkwürdige Dinge scheinen mit ihrem Körper zu passieren, Haare wachsen an Stellen, wo vorher keine waren – und Marie merkt, dass sie nach und nach die Kontrolle über sich zu verlieren droht. In ihr erwacht eine Macht, die nicht gebändigt werden kann. Dann ereignen sich mehrere mysteriöse Todesfälle auf der Insel. Langsam begreift Marie, dass Far ihr etwas über die Krankheit der Mutter und die Familiengeschichte verschweigt...

Die Bilder des Films sind grau und trist, die Atmosphäre trostlos und unterkühlt, die hart arbeitenden Bewohner des Fischerdorfes sind wortkarg, schroff und vorurteilsbeladen. Das Fischerdorf ist hervorragend eingefangen. Extrem unterkühlt und immerzu unheilvoll ist der Ort für Marie ein Monster, vor dem sie fliehen will. Sonja Suhl spielt die 16-jährige Marie - und das richtig gut. Wortkarg und weitgehend emotionslos schwingt sie sich zwar nicht zu einem Sympathieträger auf, spielt das pubertierende Mädchen, welches Lust an anderen Männern, Provokationen und an sich selbst entwickelt, durchaus gekonnt. Aber allgemein verläuft die erste Hälfte des Films trotz gewohnt schleppend-skandinavischer Erzählweise sehr interessant. Vieles wird nur angedeutet. Und darin ist "When Animals Dream" stark. Eine Vergewaltigung wird nur angedeutet, bewirkt aber eine immense emotionale Schändung. Auch das Tier in ihr, welches durch starke Gefühle, Erregung oder Gefahr hervorgerufen wird, kommt immer nur mal kurz und nie vollständig durch.

Neu aber ist das alles nicht. Es erinnert thematisch gewaltig an den kanadischen Werwolf-B-Movie Klassiker "Ginger Snaps", welcher aber eher ironisch konzipiert war. Optisch und inhaltlich orientiert er sich auch stark an dem ebenfalls aus Skandinavien stammenden und zurecht gefeierten "So finster die Nacht". "When Animals Dream" deutet an, dass er zu Großem fähig sein könnte, erreicht die genannten Klassiker aber letztendlich nicht. Denn eben auch im Andeuten liegt aber auch die große Schwäche des Films. Er formuliert wenig aus, was ungemein interessant sein kann, schwankt aber unentschlossen zwischen Horror, Kleinstadtkrimi und Coming-of-Age-Drama hin und her ohne eines der Genre richtig zu bedienen. Zumal er nach der sehr eigenwilligen ersten Hälfte gegen Ende immer mehr in einen konventionellen Horror-Thriller übergeht und in einem Finale mündet, welches man gefühlt schon tausendmal betrachten konnte und in seiner Aussagekraft fast schon zu eindeutig und in seiner Umsetzung gar überflüssig ist.

Hartgesottene Horrorfans werden "damit When Animals Dream" womöglich mit einem Achselzucken quittieren, auch wenn das Finale auf einem Fischtrawler nicht von schlechten Eltern ist. Wer jedoch dem dramatischen Moment im Genrefilm etwas abgewinnen kann, sollte dem Film eine Chance geben. Er hinterlässt dank seiner eigenständigen Bildsprache und bedächtigen Erzählstruktur als anmutiger und origineller Beitrag zum europäischen Genrekino einen bleibenden Eindruck. Ein wenig schade, dass die tolle Optik mit dem bedrückenden Setting, die gute Hauptdarstellerin, wohldosierte gute Effekte dann letztendlich doch durch eine im Grunde überholte und unentschlossen erzählte Geschichte ein wenig verschenkt wird.

7,5/10