Samstag, 19. November 2016

달콤한 인생 - Dalkomhan Insaeng - A Bittersweet Life (2005)

http://www.imdb.com/title/tt0456912/

Sun-woo (Byung-hun Lee) erledigt alle seine Aufträge zur vollsten Zufriedenheit von Gangsterboss Kang (Yeong-cheol Kim) - ob als Auftragskiller, Rausschmeißer oder bei der Führung eines Luxusrestaurants. Kein Wunder, dass der neueste Auftrag auch nur Routinearbeit zu sein scheint. Während des Urlaubs von Kang soll er dessen neue Freundin Hee-soo (Min-ah Shin) im Auge behalten, verdächtigt der Boss sie doch ihn zu betrügen. Sollte sich der Verdacht als wahr herausstellen, soll Sun-Woo die Untreue und ihren Liebhaber exekutieren. Doch der eiskalte Killer entwickelt Gefühle für die Freundin seines Bosses und so kann er nicht abdrücken, als er sie wirklich beim Seitensprung erwischt. Er schlägt ihr und ihrem Lover einen Deal vor: Der Liebhaber verschwindet und sie sehen sich nie wieder, dafür verschont er die beiden und schweigt. Doch sie haben die Rechnung ohne Kang gemacht. Denn der kommt auch so hinter das Verhältnis und schließt sich mit ein paar Gangstern zusammen, denen Sun-woo kürzlich sehr heftig auf die Füße getreten ist. Gemeinsam wird Sun-woo fast zu Tode gefoltert, nur durch ein Wunder überlebt er. Von nun an sinnt er auf Rache...

Kim Jee-woon, Koreas Fachmann wenns ums Heimzahlen geht, schickt seinen Lieblingsrächer Lee Byung-hun mit "A Bittersweet Life" auf einen Probelauf für das spätere Meisterwerk "I Saw The Devil". Mit leichten Film-Noir-Elementen versehen und von stimmungsvoller, emotionaler, leicht melancholischer Musik, die die Grundstimmung perfekt einfängt, begleitet, fährt das Werk zunächst in eher ruhigen Gewässern. In dieser Zeit wird sich Zeit genommen, die Figuren herauszuarbeiten und die Story langsam in Gang zu bringen bis es schließlich zur alles entscheidenden Auseinandersetzung kommt, die für entsprechende Genrebeiträge eher unkonventionell gelöst wird. Ein wortkarger Protagonist (Byung-hun Lee) im maßgeschneiderten Nadelstreifen-Anzug, kompromisslose Gangsterbosse, treudoofe Kleinganoven, viel Blut und jede Menge ausgestellte Coolness. Man könnte fast meinen, hier handele es sich um einen weiteren banalen Asia-Gangsterstreifen, wenn man sich auf jene stereotypen Zutaten beschränkt, die Kim Je-Woon mit seinem nächsten Genrebeitrag serviert.

Gleichzeitig aber steckt in diesem Klischeebrei betörend gefilmte Schönheit und weise Erkenntnis, indem er uns die tragisch-schöne Männerwelt vor Augen führt und daran erinnert, warum sich insbesondere das eine Geschlecht dem Gangsterfilm so verschrieben fühlt: die Faszination Gewalt, der ebenso der Held des Films ausgeliefert ist.

Zu gern würde er mit der Frau seines Bosses, seiner heimlichen Liebe, durchbrennen, ihr seine Zuneigung gestehen, ein normales Leben führen, die Augen schließen und sich voll und ganz seinem Herzen hingeben, aber beide sind Gefangene ihres Milieus und ihrer eigenen Rolle, die sie darin zu spielen haben. Bewusst oder unbewusst: Kim hinterfragt das Genre, indem er seinen Ursprung seziert, der wiederum bei den Herren der Schöpfung liegt. Die Hürden sind naive Ergebenheit, Ehrgefühl und das Bedürfnis die personifizierte Unschuld zu beschützen kontra knapp 2 dutzend Gangsterlakaien und einen Boss dem seine Libido und weniger seine Ehre über alles geht. Was dabei herauskommt ist ein spannender und recht brutaler Rachethrill mit leider zu geringem dramatischen Moment. Aber wenn schließlich alle aufgestauten Gefühle ein Ventil finden und in einem ekstatischen Finale voller Gewalt münden, dann fühlt man sich erleichtert und befreit, wenn die bittersüßeste aller Männer-Fantasien endlich wahr wird: die Geliebte scheinbar ohne jede Chance von einer Übermacht Gleichgesinnter zu befreien. Und danach heldenhaft zu sterben.

8/10