Sonntag, 16. Oktober 2016

テラフォーマーズ - Tera Fōmāzu - Terra Formars (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4433646/

Im 21. Jahrhundert hat man damit begonnen, den Mars mithilfe von Algen und Kakerlaken bewohnbar zu machen. Über 500 Jahre später bricht schließlich eine Expedition auf, um den Roten Planeten auszukundschaften und von dem Ungeziefer zu befreien. Doch was die Mannschaft (u.a. Hideaki Ito und Emi Takei) dort erwartet, ist ein wahrer Albtraum: Die Kakerlaken sind in der Zwischenzeit zu humanoiden Monstern mutiert, die ihren Lebensraum nicht so einfach aufgeben wollen und die Crew sofort angreifen. Der Kampf gegen die zahlreichen Kreaturen scheint zunächst chancenlos, doch eine neu entwickelte Droge verschafft den Besatzungsmitgliedern schließlich außergewöhnliche Kräfte und ruft in ihnen selbst erstaunliche Mutationen hervor. Mit diesen neuen Fähigkeiten stürzen sich die letzten Überlebenden der Raumfahrer in eine alles entscheidende Schlacht.

Die seit 2011 veröffentlichte Manga-Reihe "Terra Formars" von Autor Yū Sasuga und Zeichner Ken’ichi Tachibana hat bereits etliche Kontroversen provoziert. Die Ausgaben der in schwarz-weiß gezeichneten Reihe sind zwar mehrfach preisgekrönt und gingen allein in Japan weit mehr als zehn Millionen Mal über die Ladentheke, der Inhalt jedoch löste heftigste Rassismusvorwürfe aus. Der Kampf von größtenteils weißen Helden gegen schwarze Hünen provoziert solche Gedanken schon allein durch die Bildsprache, dazu kommen Nebenfiguren wie "Adolf Reinhardt" und "Eva Frost" sowie ein gottgleicher blonder Held namens Joseph Gustav Newton, der auch direkt aus einem feuchten Nazi-Traum entsprungen sein könnte.

Bei der Kino-Realverfilmung von Kultregisseur Takashi Miike gab es einen solchen Aufschrei nun allerdings nicht. Seine Version der "Terra Formars" gleich einer seltsam anmutenden Mischung aus "Starship Troopers" und "Power Rangers", wobei dieses Machwerk von Miike beiden regelrecht spottet. Die ersten 10 Minuten beginnt der Film dabei sogar noch recht interessant und es werden ziemliche Erwartungen geweckt; im Endeffekt läuft das Ganze dann aber darauf hinaus, dass sich die Hauptdarsteller durch ein Mutagen in Insekten-"Power Ranger" verwandeln und sich die ganze Zeit mit schlecht gemachten CGI Mensch-Kakerlaken-Mutanten herumprügeln. Der eigentlich vor keiner Kontroverse zurückschreckende Regisseur adaptiert nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Manga, in dem die oben genannten Figuren gar nicht vorkommen. Aber selbst diesen hat er dann trotz angedeuteter Gore-Szenen noch zusätzlich glattgebügelt. Das Ergebnis ist so zwar deutlich unproblematischer als die Vorlage, aber leider auch ziemlich langweilig.

Aber es sind vorrangig die grauenhafte CGI-Effekte, die jeder Asylum-Streifen besser (oder zumindest gleichwertig) macht. Dazu gesellen sich größtenteils unglaublich schlechte Schauspieler. Obwohl in Rückblenden einzelne Mitglieder der Crew vorgestellt werden, taugt keines davon zur Identifikationsfigur – selbst wenn das Geschwisterpaar Shokichi (Hideaki Ito) und Nanao (Emi Takei) vehement in diese Richtung gedrückt wird. Wenn an einer Stelle Bösewicht Ko Honda (Shun Oguri) mit wirren Worten und überdrehter Körperakrobatik seinen wahren Plan offenbart, nimmt eine der Figuren mit einem wenig überzeugten "Was?" dem Zuschauer das Wort aus dem Mund. Auch das daran angeschlossene "Das ist absurd!" würde man sofort unterschreiben. Absurd ist ebenso der bunt zusammengewürfelte Soundtrack/Score, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob er entsprechende Szenarien Hard-Rock-lastig, oder eher elektronisch unterlegt. Wäre nicht der grenzdebile Humor, der den Film irgendwie dann gerade doch noch als Trash durchgehen lässt und den Zuschauer in der einen oder anderen Szene sogar ein Schmunzeln entlocken kann - der Streifen wäre rettungslos verloren. Es ist bezeichnend, dass einem der spöttische Kommentar des Off-Sprechers beim schnellen Tod zweier Kämpfer, dass man nun ja gar nicht erfahren werde, was ihnen denn ihre ungenutzten (und auch ziemlich unnützen) Käfer-Fähigkeiten wohl im Kampf gebracht hätten, positiver in Erinnerung bleibt als fast jede tatsächlich eingesetzte Spezialfähigkeit. Wer etwas in Sachen Entomologie dazulernen möchte, dem sei diese "Survival-Doku" wärmstens ans Herz gelegt, ansonsten ist "Terra Formars" ein trashiges Kurzfilmmaterial, das auf quälend lange 108 Minuten aufgepumpt wurde.

4/10

Von SPLENDID Film ist der Film auch als limitiertes Blu-ray/DVD-Mediabook im Hardcoverschuber mit übergroßen Postkarten zum Film erschienen: