Samstag, 29. Oktober 2016

Blood Father (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3647498/

John Link (Mel Gibson) will nach einer langen Karriere als Krimineller ein neues Leben beginnen und alle Straftaten hinter sich lassen. Er zieht in einen Wohnwagen und verdient sich sein Geld als Tätowierer. Seine Familie hat er seit Jahren nicht mehr gesehen - seine Jobs waren nie besonders kinderfreundlich. Eines Tages steht seine Tochter vor der Tür. Lydia (Erin Moriarty) ist 16 und steckt ziemlich in der Patsche. Ihr Freund Jonah (Diego Luna) ist Drogendealer und hat Lydia mit in den Sumpf der Kartelle gezogen. Jetzt haben beide Ärger und befinden sich auf der Flucht. Als Lydia nicht mehr weiter weiß, wendet sie sich an ihren Vater und bittet um Hilfe. Link will seine Tochter, obwohl er sie kaum kennt, beschützen und legt sich für sie erneut mit der Welt des Verbrechens an. Ob Lydia und ihr Vater lebend davon kommen?

Sehr ruhig ist es in den letzten 10 Jahren um Mel Gibson geworden und seine Filmauftritte in diesem Zeitraum lassen sich problemlos an einer Hand abzählen. Seine Entgleisungen in der Öffentlichkeit, seien es volltrunkene Ausfälle, antisemitische Äußerungen oder Prügeleien, haften ihm immer noch an, große Studios machen seitdem einen großen Bogen um ihn und jeder Versuch eines Comebacks scheint bereits im Voraus zum Scheitern verurteilt zu sein.

Regisseur Jean-François Richet hat mit Gibson als Hauptdarsteller trotzdem einen Treffer gelandet, denn in so starker Verfassung wie in "Blood Father" hat man den sichtlich gealterten Schauspieler schon lange nicht mehr gesehen. Eigentlich könnte man den Film, wenn man nach seiner Story geht, als weiteren Ableger der "Taken"-Reihe abschreiben, in dem ein schlagkräftiger Vater die eigene Tochter vor üblen Gangstern beschützen muss und dabei einen Gegenspieler nach dem anderen auf mürrische Art aus dem Weg räumt.

"Blood Father" hält sich mit Action-Szenen aber vergleichs- und überraschenderweise zurück und beschränkt die aber trotzdem durchaus blutig geratenen Gefechte auf ein Mindestmaß. Richet konzentriert sich viel lieber auf das Verhältnis zwischen Vater und Tochter, die einiges aufarbeiten müssen. Seit Jahren gilt John Links Tochter Lydia als vermisst, was sich der Ex-Häftling in gewisser Weise selbst zuschreibt. Zu oft ist der Alkoholiker rückfällig geworden, erneut auf die schiefe Bahn geraten und wieder im Knast gelandet, während die Tochter regelmäßig einem neuen Stiefvater ausgesetzt war, da die Mutter ihre Partner am laufenden Band wechselte. Nun hat Lydia nach einem Zwischenfall aber Probleme mit dem mexikanischen Kartell und ist auf die Hilfe ihres Vaters dringend angewiesen.

Natürlich macht es auf eine nostalgische Art irgendwo Spaß, wenn man Gibson dabei zusieht, wie er die Hand eines Angreifers per Messer und einem gestresst gebrüllten "Motherfucker" ans Fensterbrett nagelt, doch die wahre Stärke dieses Films liegt in den Momenten der Ruhepausen. Wenn Vater und Tochter versuchen, wieder Verständnis füreinander aufzubringen, sich langsam öffnen und beginnen, von jeweiligen Selbstmordversuchen zu erzählen, um gemeinsam neue Hoffnung zu schöpfen, ist "Blood Father" auf einmal viel mehr Drama als der unkomplizierte B-Movie-Actioner, den sich so manch einer im Vorfeld erwartet hatte.

Am Ende ist dann "Blood Father" vor allem so gelungen, da es kein verzweifelter Versuch Gibsons ist, nach lange ersehnter Aufmerksamkeit zu schreien, ein erneutes Comeback zu wagen und allen zu beweisen, wie sehr ihn die Filmwelt noch braucht. Es ist einfach ein Film, in dem er mitspielt, weil er es kann und es war lange nicht mehr so erfüllend, ihm dabei zuzusehen.

7/10

Von SPLENDID erschien der Film auch im limitierten Steelbook mit Metallic-Finnish, welches schon vor Veröffentlichung ausverkauft war.