Samstag, 17. September 2016

The Blues Brothers (Extended Version) (1980)

http://www.imdb.com/title/tt0080455/

Gerade erst aus dem Gefängnis entlassen, gelobt der Ganove Jake (John Belushi) endlich Besserung und hat dafür auch schon eine Idee. Gemeinsam mit seinem Bruder Elwood Blues (Dan Aykroyd) will er ihre alte Band wieder zusammenbringen, um an die 5000 Dollar zu kommen, die dem Waisenhaus fehlen, in dem sie selber früher aufgewachsen sind. Die Brüder setzen alles daran, ihren Plan umzusetzen. Problematisch daran ist Zweierlei: Erstens wurde die ehemalige Band in alle Winde zerstreut, zweitens haben Jake und Elwood bald die Polizei am Hals. Aber davon lassen sich die beiden Musiker nicht beeindrucken, denn sie haben eine wichtige Mission zu erfüllen. Gegen zahlreiche Widerstände, zu denen Nazis, Countrymusikfans und andere verrückte Gestalten beitragen, verfolgen sie ihr Ziel. Dabei hinterlassen sie eine Spur des Chaos immer gigantischerer Ausmaße.

John Landis schuf 1980 - vor nunmehr über 35 Jahren - eine der Kultkomödien der Achtziger Jahre mit den "Blues Brothers". Eine Komödie, die eine aberwitzige Absurdität in jeglicher Form ist. Alles ist überzeichnet, grotesk und absurd. Ein Festival der Verschrobenheit. John Belushi und Dan Aykroyd, welcher sich zusammen mit Landis auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, spielen hier die beiden Hauptakteure Jake und Elwood Blues in beispielhafter Gleichgültigkeit. Es rummst, es kracht, es explodiert. Die beiden interessiert dies einen feuchten Kericht. Eine wunderbare und subtile Humorführung, die sicher nicht jedem zusagt, aber dem Film Leben einhaucht. Stellenweise natürlich übertrieben, aber immer passend. Die Dialoge sind ausgeklügelt banal geschrieben und die Situationskomik wie auch -mimik ist phänomenal.

"Wieviel wollen Sie für die Kleine da haben, und die Weiber? Wieviel für die abgenudelten Bräute? Na die Bräute hier. Ich will das ganze Gesummse kaufen! Die Kleine, die Trienen da... Na die werden Sie wohl verscheuern, oder? ... Die kacken Ihnen eh bloß die Hütte voll."

Der Plot ist herrlich simpel. Die Brüder Jake und Elwood Blues wollen die Steuerschulden für das Waisenhaus aufbringen in dem sie aufgewachsen sind. Ansonsten muß das schließen. Wie könnte man das Geld am besten beschaffen? "Die Band, Elwood, DIE BAND! - Die Band? Die Band!? DIE BAND!" So machen sich Jake und Elwood "im Auftrag des Herrn" auf, ihre ehemaligen Bandmitglieder zusammenzurufen. Dabei treffen sie auf allerlei Gestalten (Polizei, Bewährungshelfer, der Besitzer von "Bob's Country Bunker", die American White People Party und Jakes verflossene Verlobte) und so wird ihre Aufgabe zu einer wahren Odysee und ein Kontaktmarkt voller kurioser Spinner.

"Was hab ich verbrochen?" - "Sie sind bei rot über ne Ampel gefahren." - "Das war höchstens hellrot, Chef!"

Kurzum: was John Landis und Dan Aykroyd hier auf die Beine gestellt haben ist aber auch einfach grandios. Der Streifen setzt fast in allen Belangen Superlative. Die größte Verfolgungsjagd mit der wohl größten folgenden Car-Crash-Szene der Filmgeschichte oder ein bis dato nie dagewesenes Staraufgebot mit James Brown, Ray Charles, Aretha Franklin, John Lee Hocker, Cab Calloway... und - last but not least - der "Blues Brothers"-Band, die aus einigen der damals wohl besten Musikern bestand die in den USA zu finden waren. Das Auftauchen dieser musikalischen Größen wirken auch nie deplatziert oder seltsam. Eher wie ein Trip durch das musikalische Amerika der Achtziger. Überhaupt ist der Soundtrack grandios und einer der besten und passendsten Filmsoundtracks aller Zeiten.

"Es sind 106 Meilen bis nach Chicago. Wir haben einen vollen Tank, eine halbvolle Packung Zigaretten, es ist dunkel und wir tragen Sonnenbrillen - Tritt drauf!"

Der Film hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren. Er bietet immer noch die wahnsinnigsten Autoverfolgungsjagdt der Filmhistorie. Geniale Gags, unglaublich viele Musikweltstars in Nebenrollen. Einen der besten Soundtracks ever. Dazu Sprüche, die längst Kult sind. Der Film steckt so viel Power, liebe zur Musik und Humor, dass es einfach nur Spass macht, den Akteuren bei ihrem wilden Treiben zuzusehen und Enttäuschung macht sich eigentlich erst breit, wenn der Zauber nach viel zu kurzen 148 Minuten bereits ein Ende gefunden hat. Da macht sich die Langfassung bezahlt, die glatte 15 Minuten mehr Film bietet. Nie war eine längere Fassung willkommener. Für dieses überdrehte, musikalische, komische Action-Roadmovie ist die Betitelung "Kultfilm" mehr als berechtigt.

8/10

Das deutsche Label TURBINE hat weder Kosten noch Mühen gescheut und in liebevoller Arbeit die "Extended Fassung" von John Landis Kultkomödie wiederhergestellt und mehr noch, erstmal vollständig mit dem originalen deutschen Voicecast synchronisiert. Die Box ist ein Digipak und enthält neben dieser erweiterten Fassung den Kinocut und den Nachfolger "Blues Brothers 2000", dazu Dutzende Gimmicks zum Film, u.a. das Nummernschild des "Bluesmobiles", Ausweise, Poster, Postkarten und ist auf 5.555 Stück limitiert.