Mittwoch, 14. September 2016

Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann - Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2113681/

Nach einem langen und ereignisreichen Leben landet Allan Karlsson (Robert Gustafsson) im Altenheim – er glaubt, dass seine Tage gezählt sind und langweilt sich zu Tode. An seinem 100. Geburtstag beschließt der Senior, der sich immer noch bester Gesundheit erfreut, der Ödnis des Heims zu entfliehen und klettert kurzerhand aus dem Fenster. Es folgt eine Reihe unerwarteter Ereignisse, die ihn auf eine lange Reise führen. Auf dieser trifft er eine Gruppe Schwerkrimineller, findet einen Koffer voll Geld, begegnet einem Elefanten, macht Bekanntschaft mit einem inkompetenten Polizisten und findet neue Freunde. Für Allan ist all dies jedoch nichts wirklich Außergewöhnliches, denn es stellt sich heraus, dass er an einem Großteil der bedeutendsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts beteiligt war - mal mehr und mal weniger direkt...

"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" ist ein heiterer und witziger Film, der einerseits durch die skurrile Story und andererseits auch durch die symphatischen Charaktere überzeugt, die wunderbar gespielt sind. Fast kommt es einem so vor, als sähe man die schwedische Antwort auf "Forrest Gump", wobei man hier sagen muss, dass die dramatischen Elemente hier gegen eine wesentlich lustigere Handlung eingetauscht werden. Prunkstück des Films, um gleich mal mit der Tür ins Haus zu fallen, das sind die Rückblicke Allan Karlssons in seine Vergangenheit – und damit auch in hundert Jahre Weltgeschichte. Er trifft kleine, unbedeutende Menschen. Er baut in New York Hochhäuser. Er hat mit Diktatoren wie Franco oder Stalin zu tun und wirkt auch sonst quietschfidel in der großen Politik, stets unbedarft und ohne den blassesten Schimmer zu haben, was er denn hier genau tut. Dabei hat er immer einen naiven Spruch auf den Lippen, der dem Film seine schwarzhumorige Würze gibt, gleichzeitig aber trotzdem noch seine ernsten Momente behält. Man sieht hier keine reine Komödie, viel mehr einen Spielfilm mit hohem Comedy-Anteil, der trotzdem eine phantastische Geschichte erzählt.

Alte Menschen erzählen ja immer gerne und so erzählt Allan seine Geschichten hier gekonnt und zieht den Zuschauer mit seiner lustig-naiven Art einmal mehr auf seine Seite. Dieses Verweben der Vergangenheit und der Gegenwart klappt sehr gut, wenn da nur nicht das Erzähltempo wäre, dass ein Hundertjähriger nun mal so an sich hat. Anfangs noch von erfrischender Skurrilität zehrend, ist es möglich, dass man als spannungsaffiner Thrillergucker zum Einschlafen verdonnert wird, denn Regisseur Felix Herngren zieht hier seine Linie konsequent durch. Der Film bleibt seiner langsamen Erzählweise treu, hat aber auch wenige rasante Stellen zu bieten, die einen dann wieder wachrütteln können. Man hat es hier mit einem Hundertjährigen zu tun, der trotz seiner wahrscheinlich bis zum Tod anhaltenden, kindlichen Naivität schon immer einen leicht beschränkten Horizont hatte, trotzdem eine Menge erlebt und sich mit Glück schon aus so mancher brenzligen Situation gerettet hat. Eben jemand, der sein ganzes Leben schon hinter sich hat und den so schnell nichts mehr erstaunen kann.

Im Prinzip erlebt man so über Rückblenden die letzten hundert Jahre Geschichte noch einmal neu, in einer Art und Weise, die manchmal zum Lachen bringen kann und irgendwie einfach niedlich ist, auch wenn sie manch einen sicher nerven wird. Das beste daran sind ganz einfach die knackigen Kommentare von Allan selbst und die skurrile Note, die damit einhergeht und immer mal wieder durchschimmert. Das reißt einen Comedy-mäßig zwar nicht vom Hocker, kann einen aber dank seiner stellenweise interessanten Geschichte doch irgendwie bei der Stange halten. Müde sollte man hier nicht sein, ganz niedlich bleibt der Film trotzdem, er übernimmt sich ja auch nicht. Es macht schon Spaß diesem "Schelm" auf seiner Tour durch die große weite Welt und im schwedischen Nirgendwo zu begleiten. Auch wenn dabei der eine oder andere noch vor dem alten Mann ins Gras beißt...

7,5/10