Donnerstag, 25. August 2016

The Ring - Ring (2002)

http://www.imdb.com/title/tt0298130/

Es gibt eine Schauergeschichte, die erzählt von einem mysteriösen Videoband, deren Betrachter unmittelbar nach Sichtung einen furchterregenden Telefonanruf erhalten und sieben Tage danach sterben. Etwas könnte dran sein an der Geschichte, denn die Teenagerin Becca (Rachael Bella) hat das Video gesehen und starb kurz darauf an einem Herzinfarkt. Ihre Familie bittet ihre Tante, die Reporterin Rachel (Naomi Watts), Nachforschungen anzustellen. Obwohl die alleinstehende Mutter des kleinen Aidan (David Dorfman) nicht an einen gewaltsamen Tod glaubt, recherchiert sie in der Angelegenheit und gelangt in den Besitz des rätselhaften Videobandes. Dessen bizarr-surrealistischer Inhalt - eine verstörende Bilder-Collage - zieht sie sofort in den Bann. Doch als auch bei ihr das Telefon klingelt und ihr Tod in sieben Tagen angekündigt wird, bekommt Rachel Angst. Sie versucht, das Rätsel des Films zu entschlüsseln. Die Zeit drängt, zumal ihr Sohn das Video ebenfalls geschaut hat...

Auch wenn man kein Horrorfilmfan ist, sollte man einen Blick in "The Ring" riskieren. Denn "The Ring" hat etwas, von dem viele Mystery-Horrorfilme nur träumen können: nämlich Atmosphäre. Eine durchweg und von der ersten Minuten an fesselnde Stimmung, die den Zuschauer nicht mehr loslässt. Und dabei beweist "The Ring" ebenso eindrucksvoll, dass ein Horrorfilm eben kein blutiges Splatter-Gemetzel braucht, um richtig gut zu funktionieren. Ja, "The Ring" ist ein Remake. Im Jahr 1998, also 4 Jahre vor Gore Verbinskis Streifen, erschein der japanische Streifen "Ring" (リング, Ringu) und erlangte als einer der ersten japanischen Filme überhaupt den Titel "International erfolgreichster japanischer Horrorfilm". Die Buchvorlage für beide Streifen basiert auf "The Ring" und stammt von dem japanischen Schriftsteller Kōji Suzuki. Erstaunlich ist, dass beide Filme auf ihre Art und Weise funktionieren, also defintiv ihre Daseinsberechtigung haben und der hier besprochene "The Ring" aufgrund von Stil und Effekt vielleicht sogar einen Tick besser ist.

Von Anfang an fällt die hohe visuelle Qualität von "The Ring" auf, die Verbinski zusammen mit Kameramann Bojan Bazelli hier abliefert. Sinnvoll eingesetzte Tiefenschärfe, eine ruhige aber dynamische Kameraführung und die stimmungsvolle, grünlich-triste Farbgebung tragen stark zur Atmosphäre des Filmes bei. Vor allem einige Zeitrafferaufnahmen und das Video selbst, das fast dadaistische Züge annimmt, zeugen von der Kreativität des Regisseurs, der hier offensichtlich nicht nur irgendeinen durchschnittlichen Horrorstreifen abliefern will. Die Spannung wird auf klassische Weise vor allem dadurch erzeugt, wenig zu zeigen und den Zuschauer oft im Ungewissen darüber zu lassen, was passiert, ganz im Gegensatz zu anderen modernen Vertretern des Genres, die durch extreme Gewaltdarstellungen zu schocken versuchen. Untermalt wird das ganze von dem erfrischend zurückhaltenden Score von Hans Zimmer, der subtil die Spannung befeuert, anstatt mit ohrwurmträchtigen Melodien zu protzen. Natürlich wurde in der Neuverfilmung einiger "modischer Schnickschnack" eingebaut, zum Beispiel ein parapsychologisch begabter Junge, wie er seit "The Sixth Sense" leider sehr beliebt ist. In der japanischen Version kommt dieser so nicht vor. Die Neuverfilmung ist demnach so amerikanisiert und angepasst, dass sich der Kultcharakter und die damit verbundende Stimmung des Originals kaum mehr nachvollziehen lässt - und dieser Verlust an "Charme" ist deutlich spürbar. Dennoch ist "The Ring" kein schlechter Film, im Gegenteil. Dank Naomi Watts Spiel und der gruseligen Grundstimmung ist "The Ring" perfekter Gruselhorror, aber für Paranoiker und Angsthasen defintiv auch kein Film für ganz allein und spät in der Nacht.

Lediglich das leicht erzwungene, offene Ende von "The Ring" führt dazu, dass der Großteil der Filmhandlung ad absurdum geführt wird. Ein weiteres Manko dieses Twists ist es, dass der Zuschauer nun zwar die ganze Hintergrundgeschichte über Samara erfahren hat, das Motiv für ihr Handeln aber weiterhin im Dunkeln bleibt, was den Gesamteindruck etwas schmälert. Dennoch: die beeindruckenden Bilder, der stimmungsvolle Score und die durchgehend hohe Spannung sorgen für einen durchweg unterhaltsamen Filmabend. Leider tauchen während das Abspanns dann doch zu viele Fragezeichen im Kopf des Zuschauers auf, als dass man von einem endgültigen Horror-Meisterwerk sprechen könnte.

8/10