Freitag, 19. August 2016

The Brood - Die Brut (1979)

http://www.imdb.com/title/tt0078908/

Die Ehe von Frank (Art Hindle) und Nola Carveth (Samantha Eggar) steht vor dem Scheitern. Nola befindet sich deswegen in psychiatrischer Behandlung bei Doktor Hal Raglan (Oliver Reed), mit dessen Hilfe vielleicht doch noch etwas zu retten ist. Seine experimentelle Therapie trägt jedoch merkwürdige Züge, aber das ist der verzweifelten Nola egal. Als Frank bei der gemeinsamen Tochter Candice (Cindy Hinds) Spuren körperlicher Misshandlung feststellt, nachdem sie bei Nola zu Besuch war, setzt Frank alles daran, dass das 5-jährige Mädchen nicht mehr zu seiner Frau gehen kann. Aber die bedrohliche Lage spitzt sich weiter zu. Denn die Großmutter (Nuala Fitzgerald) des kleinen Mädchens wird von einem bizarren Wesen erschlagen, als sie gerade auf Candice aufpassen soll. Frank und dem Ehemann (Henry Beckman) der getöteten Großmutter dämmert langsam, dass hinter den Mauern des Psychiatrie Doktor Raglans böse Dinge vor sich gehen, die gestoppt werden müssen.

"Die Brut" ist vielleicht David Cronenbergs autobiografischster Film. In vollster spürbarer Konsequenz von seinem eigenen damaligen Ehestreit mit Margaret Hindson um das Sorgerecht der gemeinsamen Tochter angetrieben, schuf David Cronenberg einen verstörenden Horror-Thriller, der, wie für den Regisseur mittlerweile gewohnt, so manche unvergessliche Bilder enthält. Zudem begann er hier psychologischen mit physischem Horror zu verbinden. "Die Brut" markierte auch die erste Zusammenarbeit mit dem Komponisten Howard Shore, der seitdem zu Cronenbergs festen Stamm von Mitarbeitern zählt, den der Regisseur im Laufe der Jahre um sich scharte, darunter Cutter Ronald Sanders und Kameramann Mark Irwin, der erst 1988 durch Peter Suschitzky ersetzt wurde.

"Die Brut" wirkt gleichermaßen selbstbewusst inszeniert wie raffiniert strukturiert. Cronenberg erzeugt von Beginn an eine unbehagliche Atmosphäre und trotz eines eher ruhiger gehaltenen Handlungsflusses sorgt der Regisseur durch gelegentlich schockierende Einschübe und zutiefst mysteriöse Elemente für durchgängige Spannung. Denn was hat es mit "Psychoplasmic" auf sich, einer psychotherapeutischen Methode, bei der sich das kranke Innere der Patienten in Form von Geschwüren oder Krankheiten nach Außen kehrt? Wer sind die deformierten, gruseligen Kinder, die Morde begehen? Und wer verbirgt sich hinter der ominösen "Bienenkönigin", die scheinbar für das größte Unheil verantwortlich ist? Cronenberg liefert nur in kleinen Dosen Hinweise und neue Entwicklungen, während er einen fürsorglichen Familienvater in einen regelrechten Krieg um seine Tochter schickt, was eine direkte Parallele der persönlichen Situation des Filmemachers darstellt.

Der Horror erwacht also schleichend langsam, während ein Mann seine Tochter nicht an seine eingewiesene Frau (beängstigend: Samantha Eggar) verlieren will, manifestiert sich in blutigen Ausbrüchen und findet in der finalen Szene zu einem schonungslos spannenden Höhepunkt, welcher perfekt ist, weil hier jedes Wort die brutale Wendung provozieren kann. Erst im furiosen Finale werden schließlich die großen Geschütze aufgefahren und der Zuschauer wird zum verstörten, irritierten Zeuge eines bizzaren Body-Horror-Fests, an dessen Ende die Frage steht, inwieweit bei einem Ehe-Krieg womöglich die Kinder die größten Leidtragenden sind. Am Ende ist der Zuschauer in jedem Fall um eine Erfahrung reicher: wenn man seinen Hass herauslässt, ist er nicht verschwunden - er wird zu Fleisch und nimmt sich Fleisch.

7/10

Von WICKED VISION Media erschien der Film erstmals in Deutschland ungeschnitten, komplett digital restauriert und in HD im Mediabook mit einer ganzen Fülle an Bonusmaterial: