Montag, 15. August 2016

Kajaki - Kilo Two Bravo (2014)

http://www.imdb.com/title/tt3622120/

September 2006, Afghanistan: Eine Einheit junger britischer Soldaten um Corporal Mark Wright (David Elliot) wird auf Patrouille geschickt. Die Gruppe macht sich von ihrem Außenposten zur Kajaki-Talsperre im Süden des Landes in der Provinz Helmand auf, um die Taliban dort von einer Straßensperre zu vertreiben und die Umgebung zu überwachen. Als die Männer auf dem Weg ein ausgetrocknetes Flussbett passieren, tritt einer von ihnen auf eine Landmine - übriggeblieben von der russischen Besatzung 1979/80. Seine Kameraden eilen ihm zu Hilfe, nur um herauszufinden, dass auch sie von Minen umgeben sind und jeder Schritt ernsthafte Verletzungen oder gar den Tod zur Folge haben könnte. Der Trupp sitzt in der Falle...

"Kajaki", oder "Kilo Two Bravo" ist der erste abendfüllende Spielfilm des Regisseurs Paul Katis. Katis, der zuvor ausschließlich Shorts und Dokumentationen verfilmte, zeigt aber gleich in der Eröffnungsszene, worauf es beim Film ankommt: das Spiel mit der Kamera und den Protagonisten. Sein Film "Kilo Two Bravo" erzählt die Ereignisse vom 6. September 2006 in Afghanistan nach. Ereignisse, die später als "Kajaki Minenfeld Vorfall" bekannt wurden. "Kilo Two Bravo" ist ein Kriegsfilm, ein Film über einen langen Tag im Leben einer kleinen Einsatztruppe und gleichzeitig ein Streifen, der eindrucksvoll beweist, dass es eben kein horrendes Budget und Mega-Superstars braucht, um einen spannenden Streifen zu inszenieren. 

Wer aber glaubt, dass es hier satte Action alá "The Hurt Locker" oder "Black Hawk Down" gibt, der irrt. "Kilo Two Bravo" bleibt bodenständig und begleitet eine Handvoll britischer Ranger auf einer Erkundungstour - und wie diese mitten in ein Minenfeld tappen. Soll heißen: im ganzen Film wird (zumindest von den britischen Militärs) kein einziger Schuss abgefeuert. Hier geht es ums nackte Überleben, um Angst, Panik und vor allem aber um die Rettung von Kameraden aus einer brenzligen Situation. Dass dies ungemein spannend sein kann, beweist "Kilo Two Bravo" mehr als eindrucksvoll. Nach einem etwas behäbigen, aber dennoch interessantem Start kommt die Geschichte dann doch relativ schnell ins Rollen und plötzlich findet man sich als Zuschauer inmitten der Panik eines schief gelaufenen Einsatzes wieder. Authentizität ist hierbei und beständig das große Stichwort. Keine übermässigen Explosionen oder wildes hirnloses Herumgeballer mit Wackelkamera, nein. Mit eindrucksvoller Wucht wurde Realismus auf die Leinwand gezimmert: schwitzend, dreckig, blutig. Was nicht heißen soll, dass "Kilo Two Bravo" gänzlich auf Action verzichtet. Diese beschränkt sich aber auf die verzweifelte Rettung der Kameraden und gepaart mit der ständigen Furcht vor einer weiteren unentdeckten Mine ergibt sich daraus eine extrem spannende Mischung.

"Kilo Two Bravo" ist eben kein typischer Hollywood-"Over-the-Top"-Actionfilm. Er bleibt beständig am Boden der Tatsachen und konzentriert sich mit seiner Riege an überwiegend noch namenlosen Schauspielern auf das Wesentliche. Einzig David Elliot aus "The Club" und Mark Stanley dürfte ein paar Zuschauern aus der aktuellen Staffel von "Game Of Thrones" ein Begriff sein. Sie alle machen aber einen sehr guten Job und spielen glaubwürdig in Katis nervenaufreibendem Drama. Ist der nächste Schritt zu viel? Kann ich doch noch einen Fuß nach vorn schieben? Irgendwann kommt der Punkt, an dem der Zuschauer völlig gebannt den Film verfolgt und kaum noch blinzeln mag, so ungeheuer hoch ist die Spannung. Dabei kommt der Film ohne viele Schauplatzwechsel aus und bleibt am Geschehen. Ein weiterer Pluspunkt. Selbst der minimalistische Score schwingt nur im Hintergrund beiläufig mit.
 
Ja, "Kilo Two Bravo" ist eine Geschichte über Heldentum im Angesicht extremer Widrigkeiten und überdies ein absolutes Muss für jeden, der wissen will, was "Moderner Krieg" wirklich bedeutet. Intensiv und absolut fesselnd, ist "Kilo Two Bravo" vielleicht der beste und dramatischste britische Kriegs-Thriller seit Jahren.


7,5/10