Donnerstag, 4. August 2016

Batman v Superman: Dawn Of Justice (Extended Cut) (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2975590/

Zwei Wesen des zerstörten Planeten Krypton brachten im Finale von "Man Of Steel" Zerstörung auf die Erde: Die Kontrahenten Superman (Henry Cavill) und General Zod (Michael Shannon). Der böse Zod wurde geschlagen und der Mann aus Stahl wird fortan entweder als Gott verehrt oder – ob seiner Macht – als Bedrohung für die Menschheit verdammt. Ein gewichtiger Wortführer im globalen Shitstorm gegen Superman ist Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck). Der sorgt – moralisch unterstützt von Butler Alfred (Jeremy Irons) – für Ordnung in Gotham City und ist von den tödlichen Auswirkungen des Gigantenkampfes in der Nachbarstadt Metropolis auch persönlich betroffen. Er stellt sich gegen seinen rot bemäntelten Kollegen, verbal und mit Körpereinsatz. Doch während Batman und Superman kämpfen, taucht eine neue Bedrohung auf, die beide zusammenschweißen könnte und an der das junge Unternehmer-Genie Lex Luthor (Jesse Eisenberg) alles andere als unschuldig ist. Zeit, dass sich die Mitglieder der Heldengruppe "Justice League" formieren...

Wenn man sich den Werdegang der beiden großen Comic-Studios betrachtet fällt eines sofort ins Auge. Nämlich, dass DC Comics im Vergleich zu den Marvel Studios den Einstieg in ein DC Cinematic Universe nicht nur ein wenig verschlafen hat. Während Marvel bereits im Jahr 1998 mit kleinen, vorsichtigen Schritten ihre Comiccharaktere nach und nach auf die Leinwand brachte, verpasste DC Comics diesen Zug nicht nur einmal. Im Jahr 2003 hatte Marvel schon 5 Filme auf den Markt geworfen und damit auch mehr oder weniger 5 Treffer gelandet. Währenddessen dümpelte man im DC Universum ein wenig vor sich hin und hielt sich mit der (gleichwohl sehr guten Serie) "Smallville" über Wasser. Erst 2 Jahre später, im Jahr 2005, bekam DC mit "Batman Begins" endlich einen Fuß in die Tür und landete auf Anhieb einen großen Erfolg. Da war es aber schon fast zu spät. Mit dem 2006er "Superman Returns" von Bryan Singer vergraulte man aufgrund der für einen Superman-Film unwürdigen Story schon wieder viele Fans und hätte 2008 nicht Christopher Nolan mit seinem "The Dark Knight" seinen Erfolg von 2005 übertrumpft, wer weiß dann schon, was aus DC geworden wäre? 2008 war zudem die Sternstunde von Marvel Enterprises, die mit ihrem "Iron Man" nun erst so richtig ins "Marvel Cinematic Universe" einstiegen. Und was hatte DC? Einen Helden quasi schon zu den Akten gelegt und einen zweiten, der nun auf dem Höhepunkt seines Schaffens nur noch einen Film vor sich hatte, denn Nolan hatte zu dem Zeitpunkt bereits angekündigt, dass er maximal eine Trilogie unter seiner Regie veröffentlichen würde.

Erst im Jahr 2013 und mit dem Erfolg von Zack Snyders "Man Of Steel" kündigte man plötzlich und - wohl für viele unerwartet - ein eigenes DC Cinematic Universe und in diesem Zusammenhang eine ganze Wagenladung Filme an. Viele Zweifel gab es wohl nicht, dass man bei DC krampfhaft versucht, das von Marvel mittlerweile komplett etablierte Konzept zu kopieren. Von daher wirkte gerade diese Aussage reichlich holprig, fast sogar schon aufgesetzt und als Versuch, auf den fahrenden Zug noch aufzuspringen. Da Nolans "Batman"-Trilogie nicht zum Repertoire des neuen DC-Universums gehören sollte benötigte man also wieder eine Neuinterpretation des Charakters inklusive neuen Hauptdarstellers. Als bekannt wurde, dass die Wahl hierbei auf Ben Affleck fiel, war die Skepsis bei Fans wie auch distanzierteren Betrachtern gleichermaßen ausgeprägt. Affleck hatte nicht zuletzt im Jahr 2004 noch den Marvel-Charakter "Daredevil" kinotechnisch vorläufig zu Grabe getragen. Dass darüber hinaus direkt ein Duell zwischen Batman und Superman ausgetragen werden sollte, wirkte für viele erst mal als zu unausgegorene und hektische Entscheidung seitens DC und dem produzierenden Studio Warner Bros. Es wirkte nicht sonderlich planvoll, was da in die Realität umgesetzt werden sollte, zumal es keine so strenge inhaltliche Steuerung wie bei Marvel mit CEO Kevin Feige geben sollte.

Nun kam im März 2016 das finale Produkt in die Lichtspielhäuser und spaltete erneut die Gemüter. Marvel hatte zu diesem Zeitpunkt bereits über 30(!) Filme in die Kinos gebracht, von denen der überwiegende Teil dem Zuschauer großartige Unterhaltung und dem Studio entsprechende Einspielergebnisse brachte. Aber nun hatte man erst mal "Batman v Superman: Dawn of Justice", der auf der Ankunft von und den Zerstörungen durch Superman in "Man Of Steel" aufbaut. Stilistisch sieht man ganz klar, dass der bereits in jenem Film angeschlagene Ton seine Weiterführung findet. DC will als grimmige, düstere und ernsthaftere Comicwelt im Vergleich zum häufig als Popcornkino auftretenden Marvel-Universum wahrgenommen werden. Das gelingt zweifellos, doch wirklich neu sind die Grabenkämpfe um die Allmächtigkeit von Superhelden nicht, ist dies doch beispielsweise das zentrale Thema der "X-Men". Und dadurch, dass "Batman v Superman" den Spagat schaffen muss, einerseits einen neuen Batman einzuführen (der von einem angegrauten Affleck übrigens durchaus ansprechend dargestellt wird), den Konflikt mit Superman zu kreieren, Wonder Woman vorzustellen, um irgendwie auch das Grundgerüst für den ersten Kombifilm "Justice League" zu legen und gleichzeitig noch dafür zu sorgen, dass die Feindschaft am Ende in einem Bündnis mündet, wirkte das Werk in der Kinofassung doch reichlich gestopft und überladen, zugleich aber auch elendig lückenhaft. Die Kritiken waren dementsprechend auch lauwarm, genauso wie der Umsatz an den Kinokassen. Mit einem Budget von ca. 250 Millionen Dollar spielte man in den USA um die 330 Millionen ein, weltweit erreichte man 873 Millionen. Man holte die Kosten also zwar wieder herein, aber im Vergleich mit anderen Kassenschlagern war es für DC ein kleines Desaster. Zur Einordnung: "The Dark Knight" und "The Dark Knight Rises" erreichten jeweils über eine Milliarde in den weltweiten Kinos, eine Summe, die man sich zweifellos auch für das Aufeinandertreffen der beiden Ikonen gewünscht hätte. Dass man in den USA am Ende sogar vom R-Rated-Funfilm "Deadpool" (363 Mio.) und – wohl noch viel schmerzvoller – vom anderen "Held gegen Held"-Titel "The First Avenger: Civil War" (407 Mio. USA, 1,15 Mrd. weltweit) des großen Konkurrenten Marvel geschlagen wurde, dürfte die CEOs bei DC und Warner auch nicht gerade in Feierstimmung versetzt haben.

Um die Grundhaltung der Kinogänger, die schon vor Erscheinen des Streifens eifrig diskutierten, zu besänftigen und (was viel wahrscheinlicher ist) den in "Deadpool" angeschlagenen raueren und beim Publikum mehr als gut angekommenenen Ton einzuflechten, gab Warner schon vor dem Kinorelease bekannt, dass es für die Heimkinoauswertung eine erweiterte Fassung (die hier besprochene "Ultimate EditioN") mit zirka 30 Minuten zusätzlichem Material geben würde. Daraufhin lies Regisseur Zack Snyder verkünden, dass dies eigentlich seine Kinofassung gewesen wäre, was auch durchaus glaubhaft ist, denn viele der Erweiterungen wirken einfach nicht wie nachträglich eingefügtes Bildmaterial vom Boden des Schneideraumes, sondern wie teils schmerzliche Verluste in erzählerischer Hinsicht, die zugunsten einer fürs Kinositzfleisch erträglicheren Laufzeit von immer noch saftigen 151 Minuten weichen mussten. Wie an den zahlreichen Änderungen zu erkennen ist, stellt der "Extended Cut" ohne Frage die bessere Version des Films dar, verschlechtert die oft kritisierte Struktur des Films aber dabei auch zwangsläufig.

Durch viele Erweiterungen in der ersten Filmhälfte kommt die eigentliche Story von "Batman v Superman" erst nach knapp 90 Minuten mit der Capitol-Szene ins Rollen. Und hier bleibt dann - ebenfalls von vielen kritisiert - wirklich nicht genug Zeit für das Duell der beiden Giganten, bevor es zum gemeinsamen Finale gegen 'Doomsday' kommt. Wenn auch im Verhältnis zum Rest viel zu lang, wird die Aufwärmphase im "Extended Cut" nun aber wesentlich nachvollziehbarer und für den Zuschauer befriedigender präsentiert. Die Verschwörung, wie Superman durch den Afrikavorfall ins Kreuzfeuer geriet und Clark Kents Nachforschungen kamen in der Kinofassung viel zu kurz. Auch spätere Dinge wie die kurze, mysteriöse Einführung von 'Steppenwolf' als Fingerzeig zur "Justice League" oder auch die rückgängig gemachte Zensur, die dem Extended Cut das amerikanische R-Rating zurecht einbringt, ohne aber einen übermäßig brutalen Film aus ihm zu machen, machen das hier vorliegende Endprodukt zu einer weitaus runderen Sache. Dabei finden sich nun knapp 100 Unterschiede im Vergleich zur Kinofassung, davon ca. 60 erweiterte Szenen, ca. 40 zusätzliche Szenen oder Szenen mit alternativem Bildmaterial und tatsächlich eine rückgängig gemachte Tonzensur (Als Superman den ersten von Batmans Söldnern mit seinem Laserblick tötet, geschieht dies in der Kinofassung völlig geräuschlos. In der erweiterten Fassung hört man den Mann qualvoll schreien.). Der "Extended Cut" läuft final 29 Minuten und 54 Sekunden länger als die Kinofassung. Einen ausführlichen und bebilderten Schnittbericht gibt es wie immer hier: schnittberichte.com.

7,5/10

In der "ULTIMATE EDITION" erschien der Film in der Kinofassung und der Extended Fassung im Steelbook. Exklusiv bei amazon.de erhältlich.