Donnerstag, 21. Juli 2016

Candyman - Candymans Fluch (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0103919/

Helen Lyle (Virginia Madsen) ist eine Studentin in Chicago, die an einer Arbeit über urbane Legenden sitzt und bei ihren Nachforschungen auf die Geschichte vom Candyman (Tony Todd) stößt. Er war ein Afroamerikaner, der wegen seiner verbotenen Liebe zu einem weißen Mädchen von einer Gang auf brutale Weise hingerichtet wurde. Die Schergen sägten ihm eine Hand ab und übergossen ihn mit Honig, sodass hunderte Bienen ihn zu Tode stachen. Die Legende besagt, dass der Candyman zurückkehrt, wenn sein Name fünf Mal genannt wird. Helen glaubt der Geschichte kein Wort, bis sie selbst den Namen fünfmal ausgesprochen hat. Daraufhin beginnt eine Serie grausamer Morde. Jetzt muss sich die aufgeklärte Studentin dem Dämonen stellen, der in ihrem Umfeld auf brutale Weise sein Werk verrichtet. Dabei kann sie kaum auf Hilfe hoffen, denn niemand glaubt ihr die Geschichte vom Candyman.

Cabrini-Green Homes in Chicago sind Bezeichnungen, die den wenigsten Deutschen ein Begriff sein dürften, in Amerika hingegen als Synonym dafür steht wie Sozialwohnungen in Gegenden voller Armut und Arbeitslosigkeit, aufgrund ihres Charakters viele Menschen auf wenig Raum zu konzentrieren, zum Nährboden für Bandengewalt und Kriminalität werden lässt. Die Besonderheit ist es hierbei besonders das Chicago eigentlich wirtschaftlich gar nicht so arm ist (wie etwa Detroit) und sich die Cabrini-Green Gebäude inmitten der Stadt, meist nur wenige Meter von den wohlhabenderen Gebieten und nicht in ausgelagerten Ghettos befanden. Ironie hierbei ist es wohl dass der Weiße die Probleme des Schwarzen nur wahrnimmt, wenn diese wirklich in Sichtweite seiner Haustür geschehen und nicht irgendwo am anderen Ende der Stadt.

"Candyman" macht sich diese besonderen Umstände zu Nutze, lässt seine Heldin direkt in einem echten Komplex der Cabrini-Green Homes umherlaufen, spricht eine intensive Sprache zwischen den Gängen, in denen authentische Graffitis die urbane Geschichte des Bandenwesens erzählen. Voller analogischer Bilder erzählt der Film von Mythenerschaffungen der Sozialschwachen, der Projektion und letztendlichen Schuldabweisung eigener Missstände auf eine übergeordnete Figur. Ferner erzählt der Film davon, wie die schwarzen Probleme in die heile Welt der Weißen einbrechen, bis diese Teil des Mythos werden. Ironischerweise strauchelt der Film immer dann wenn er Zugeständnisse an das Slasher-Genre macht. Doch diese hätte der Film überhaupt nicht nötig, denn der Film lebt von vielen starken Bildern, die als Horror vollkommen ausgereicht hätten, als den Candyman zusätzlich in den schwächeren Momenten als Hakenschwingenden Bösewicht in Erscheinung treten zu lassen.

Das ist manchmal etwas unglücklich, schadet dem Film aber auch nicht wirklich. Es kann nur, gerade bei einer wiederholten Sichtung, ärgern. Aber die Bilder und die sehr stimmige Musik bringen einen schnell wieder zurück auf die eigentliche Spur der Geschichte. Trotz dieser inhaltlichen Sogkraft wirkt der Film leider manchmal auf narrativer Ebene unentschlossen. In seiner Ruhe lebt er zudem sehr stark von der Atmosphäre die man als Zuschauer auch zulassen muss. Zudem nagt der Zahn der Zeit an dem Film. In den 90ern wirkte das alles sicher noch um ein vielfaches gruseliger. Dennoch ist "Candyman" ein gelungener Genre-Beitrag, der vor allem an der Bildung von sogenannten urbanen Legenden interessiert ist und eine besondere Kraft aus seinem Setting der Sozialbauwohnungen bezieht. Leider wird der Film von vielen Filmkritikern oft vorschnell in die simple Slasher-Ecke geschoben, aber fairerweise muss man zugeben, dass der Film daran auch teils selber schuld ist.

7/10

Von METEOR|Film kommt der Film in Zusammenarbeit mit SONY endlich auch in Deutschland. Uncut, in HD und im limitierten Mediabook.