Montag, 18. Juli 2016

Bridge Of Spies - Bridge Of Spies: Der Unterhändler (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3682448/

1957, als der Kalte Krieg auf einem Höhepunkt ist, gelingt den USA die Verhaftung des Sowjetagenten Rudolf Abel (Mark Rylance). Er wird vernommen, verweigert aber die Zusammenarbeit. Als Pflichtverteidiger bekommt er jemanden zur Seite gestellt, dessen Fähigkeiten außer Frage stehen, der jedoch als Versicherungsanwalt wenig Expertise für seinen neuen Auftrag mitbringt: James Donovan (Tom Hanks). Der Jurist ist skeptisch, zumal die Verteidigung eines feindlichen Agenten von vielen als Landesverrat angesehen wird und damit sein Leben und vor allem das seiner Frau Mary (Amy Ryan) und das seiner Tochter Jan (Eve Hewson) bedrohen kann. Donovans persönliche Lage spitzt sich zu, als ihn der CIA-Beamte Hoffman (Scott Shepherd), beindruckt von Donovans Auftritten im Gerichtssaal, mit einer neuen Mission betraut. Das U-2-Spionage-Flugzeug des US-Piloten Francis Gary Powers (Austin Stowell) wurde über der Sowjetunion abgeschossen. Donovan soll nach Ost-Berlin, um mit den Sowjets die Freilassung zu verhandeln – und einen Gefangenenaustausch zu initiieren...

Wenn man es schafft "Bridge Of Spies" zu verzeihen, dass er aus seiner priviligierten Stellung der einzig wahren Weltmacht USA mit leicht hämischen Blick auf die rückständige UDSSR und die noch viel lächerlichere DDR herab schaut, die Augenbraue stirnrunzelnd anhebt und mit einem leichten Grinsen seine, niemals auch nur annähernd angefochtene, Dominanz zeigt, dann hat man in ihm einen hervorragenden Film. Es lohnt sich für die rund 141 Minuten alle Vorurteile gegen dererlei Regime ad acta zu legen und sich in eine Zeit entführen zu lassen, welche sich durch huttragende Gentlemen und einer weltweiten Paranoia auszeichnet.

Wo Steven Spielberg und Tom Hanks draufsteht ist auch Steven Spielberg und Tom Hanks drin. Im Guten wie im Schlechten. Inhaltlich erzählt "Bridge Of Spies" die Geschichte eines vermeintlich russischen Spions, der einen Strafverteidiger gestellt bekommt. Die "Agentenbrücke", im ehemaligen West-Berlin gelegen, wurde im Kalten Krieg dazu benutzt, gefangene Spione und politische Gefangene auszutauschen. Eine dieser Tauschaktionen wird in "Bridge Of Spies" zur (leider nur phasenweise fesselnden) Geschichtsstunde. Es wird viel geredet, die Action ist auf ein Minimum beschränkt. Dramaturgisch ist der Streifen auf ansehnlichem Niveau und selten bis nie langweilig. Trotzdem wäre Spielberg ein bisschen mehr Mut zu einem Schritt aus einer Komfortzone gut gestanden. "Bridge Of Spies" bietet dafür zu viel vom Bekannten und zu wenig Innovatives.

Während Tom Hanks, routiniert wie eh und je, den Familienmenschen und Anwalt spielt, so ist Mark Rylances Performance (als russischer Spion) wirklich brilliant, der Sympathieträger des Filmes und verdienter Oscargewinner. Doch auch hier wird, obwohl Rylances‘ Charakter das Herz von "Bridge Of Spies" ist, zu wenig tief gegraben. Der Charakter von Rylance wird wenig durchleuchtet und bleibt bis zum Schluss diffus.

"Bridge Of Spies" ist dennoch ein optimales Zusamenspiel von Regisseur, Schauspielern und einer netten amerikanischen Pathos-Geschichte und damit wohl einer der besten Mainstream-Filme, den die meisten niemals sehen werden, weil er nicht wirklich mit der Aufmerksamkeit vermarktet wurde, die er verdient gehabt hätte. Also für alle Skeptiker: einfach noch einmal den Trailer anschauen und sich anstecken lassen.

8/10