Sonntag, 31. Juli 2016

13 Hours - The Secret Soldiers Of Benghazi (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4172430/

Bengasi im afrikanischen Libyen: 13 Stunden lang werden alle Beteiligten in Atem gehalten, als das abgesicherte Gelände eines US-Diplomatensitzes von libyschen Terror-Milizen angegriffen wird. Als besonders alarmierend empfinden die Wachleute die Tatsache, dass die Attacke am 11. September 2012 stattfindet, also auf den Tag genau elf Jahre nach den Terror-Anschlägen auf das World Trade Center in New York City und das Pentagon. In der direkten Nachbarschaft liegt ein geheimer CIA-Stützpunkt, dem kein Befehl erteilt wird, helfend einzugreifen. Doch der ehemalige Soldat Jack (John Krasinski) und seine Kollegen Tanto (Pablo Schreiber), Boon (David Denman), Rone (James Badge Dale), Glen (Toby Stephens) und Oz (Max Martini) wollen nicht tatenlos zusehen, wie die Botschaft überrannt wird, und sie entschließen sich zu einem 13-stündigen, unautorisierten Einsatz zur Rettung ihrer Landsleute.

Das Kriegsdrama basiert auf dem Buch "Thirteen Hours: The Inside Account Of What Really Happened In Benghazi" von Mitchell Zuckoff und handelt thematisch von dem Bengasi-Anschlag. Dieser war ein Attentat auf das US-amerikanische Konsulat im libyschen Bengasi am 11. September 2012, bei dem u. a. der US-amerikanische Botschafter J. Christopher Stevens ums Leben kam. Als Motiv für den Anschlag wird die Verärgerung über den Film "Innocence Of Muslims" ("Die Unschuld der Muslime") angenommen.

Hillary Clinton, die damalige US-amerikanische Außenministerin wurde nach dem Anschlag dafür kritisiert, dass er gelingen konnte und nicht durch stärkere Sicherheitsvorkehrungen verhindert wurde. Der Angriff in Bengasi dauerte etwa vier Stunden. Zu den vier Todesopfern gehört der Botschafter der Vereinigten Staaten J. Christopher Stevens. Einschätzungen des Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus Mike J. Rogers zufolge kann es sich bei dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi um einen geplanten Terrorangriff und nicht um die spontane Äußerung von Wut und Hass gehandelt haben. Diese Einschätzung war heftig umstritten, wurde zum Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzungen und wurde durch Recherchen der New York Times Ende 2013 widerlegt. Hillary Clinton gestand bei ihrer Abschlussrede Fehler im Bürgerkrieg in Libyen ein und übernahm die Verantwortung für die Folgen des Anschlags. In den USA hat die "Bengasi-Affäre" innenpolitisch Brisanz.

Der Film startete zu Beginn der Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl 2016. Die Kritik an State Department und indirekt der damaligen Außenministerin Hillary Clinton für die zu geringen Sicherheitsvorkehrungen und das Ausbleiben von Verstärkung erfolgt beiläufig. Leider ist der Streifen weniger ein akkurater und auf diesen Begebenheiten beruhendes Werk, sondern vielmehr ein generischer Actionfilm. Auf die eingangs erwähnte politischen Hintergründe wird gar nicht eingegangen, eher stehen militärische Kampftaktiken der Spezialeinheiten im Vordergrund. Auch die Ursachen des Konflikts oder Vorgeschehnisse wie die Beteiligung der NATO durch einen Militäreinsatz mit Luftstreitkräften 2011 werden in keiner Silbe erwähnt. Die Brutalität der Kampfhandlung wird zeitgemäß naturalistisch inszeniert und beschönigt nicht. Die Motive der Angreifer bleiben unklar und sind auch für die Protagonisten nicht weiter von Belang. Im Stile eines Militär-Ego-Shooter werden die angreifenden Wellen anonymer Feinde abgewehrt.

Seit "Pearl Harbor" ist dabei eigentlich hinlänglich bekannt, dass man Michael Bay besser keinen Stoff von historischer Relevanz in die Hand drücken sollte. Aber es herrscht erstaunlich wenig Pathos in seinem Film, womit man aber nicht sagen kann, dass "13 Hours" gänzlich darauf verzichtet. Aber bei Bay hat man sich schon viel mehr und öfter fremdgeschämt. Der Fokus liegt auf den Kampfeinsätzen und den Feuergefechten, die meist ziemlich realistisch wirken und weitestgehend ohne übertriebene Slow-Mo-Shoutouts und heroische Posen auskommen. Optisch ist es mal wieder großartig, was der ausgemachte Krawallbruder dem Zuschauer anbietet: handwerklich top und super Kameraarbeit. Sobald mal etwas Ruhe einkehrt, offenbaren sich die üblichen Schwächen. Entweder labern die austauschbaren testosteronstrotzenden Kerle über ihre Pflichten oder eben über ihre Familien. Es ist ja auch ein eisernes Gesetz, dass wenigstens einer der Helden eine schwangere Frau zuhause haben muss. Geht nicht anders. Das sind eben so die Klischees, mit denen man klarkommen muss.

In erster Linie versteht sich also "13 Hours" als Actionfilm mit wahrem Kern, und dieses Gewand steht ihm auch recht gut. Für den Geschichtsunterricht taugt er wenig. Witzig nurt, dass selbst ein überzeugter und knallharter Patriot wie Bay die CIA-Agenten als ziemlich selbstherrliche und arroganter Arschlöcher darstellt. Diese "Firma" kommt wirklich selten gut weg in Hollywood. Vielleicht nicht ganz zu unrecht.

7,5/10

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