Samstag, 11. Juni 2016

The Butterfly Effect - Butterfly Effect (2004)

http://www.imdb.com/title/tt0289879/

Weil sein Vater in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht ist, lebt der 7-jährige Evan (Logan Lerman) mit seiner Mutter Andrea Treborn (Melora Walters) alleine. Evan kann sich oft an kurz zurückliegende Ereignisse aus seinem Leben nicht mehr erinnern, nur in gewalttätigen Bildern brechen sich die Dinge ihre Bahn, die in seinem Unterbewusstsein vorhanden sind. Auf Anraten eines erfahrenen Kinderpsychologen soll Evan ein Tagebuch führen, um sein Gedächtnis zu trainieren. Aber die Blackouts hören nicht vollständig auf, weder als er 13 Jahre alt (John Patrick Amedori) ist noch als junger Erwachsener (Ashton Kutcher). Ein tragischer Vorfall, an dem auch Evans Freunde Tommy (William Lee Scott) und Kayleigh Miller (Amy Smart) beteiligt sind, sorgt schließlich dafür, dass Evan mit seiner Mutter in eine andere Stadt umzieht. Nachdem es Evan gelingt, sich an Dinge zu erinnern, die bislang im Verborgenen lagen, will er seine ebenfalls neu erworbene Fähigkeit nutzen, in die Vergangenheit zu reisen. Aber Evans Wunsch nach einer Korrektur tragischer Vorfälle führt zu Konsequenzen, die kaum noch kontrollierbar sind.

"Wenn ich Narben verursachen kann, kann ich sie auch heilen?"

Es ist allseits bekannt, dass jede Veränderung der Vergangenheit zu ungewissen Änderungen der Gegenwart führt. Das wusste schon Robert Zemeckis. Und selbst wenn furchtbare Ereignisse verhindert werden, bedeutet das nicht, dass die Gegenwart für alle Beteiligten besser wird. Und das macht "The Butterlfy Effect" zu einem unheimlich spannenden und packenden Psycho-Thriller mit einer wunderbar ausgeklügelten, wenngleich etwas unlogischen Story. Aber Logik und Zeitreise... das ging noch nie Einhundertprozentig gut. Was "Butterfly Effect" weit, sehr weit, über den Durchschnitt hebt, ist seine deatilverliebte Umsetzung, die spannende, unvorhersehbare Inszenierung und kleine Taschenspielertricks aus der Regisseurschule, die schlicht effektiv sind.

Im Kern ist die Geschichte ein sehr berührendes Liebes-und Lebensdrama, versucht doch Evan Treborn (Ashton Kutcher) durch seine Zeitreisen die Zukunft derer zu verbessern, die er liebt. Eigentlich ein altbekanntes Thema, doch dieses wird mit einer gehörigen Portion des harten Tobaks angereichert: Kindesmissbrauch, Selbstmord, Verstümmelung oder tödliche Streiche bringen "The Butterfly Effect" immer wieder tragisch zur Geltung. Genial, dass das Regie-Duo J. Mackye Gruber\Eric Bress so etwas Düsteres auch noch mit einer sehr stimmigen Atmosphäre verbinden konnte, die einem schon mal eine Gänsehaut über den Rücken jagen kann, denn es steht auch die Frage im Raum, was man mit so einer Fähigkeit in seinem eigenen Leben alles verändern wollen würde. Aber "The Butterfly Effect" lebt vor allem auch durch seine Charaktere. Ashton Kutcher macht einen hervorragenden Job, aber ebenso genial schauspielert Amy Smart, die sogar einen Ticken besser als Kutcher ist.

"Du kannst Menschen nicht verändern, ohne zu zerstören was sie waren."

Das wahrlich schmerzhafte Ende der hier besprochenen Kinofassung (es existiert noch ein "Director's Cut) ist grandios. Wenn Oasis mit "Stop Crying Your Heart Out" aus den Boxen schallt und man so langsam begreift, was der junge Evan als letztes tat, um die ganze Geschichte doch noch zu einem guten Ende zu bringen, dann bildet sich schon ein Kloß im Hals. Und gerade die letzten Blicke der beiden Hauptcharaktere sagen mehr als tausend Worte. Aber bis dahin überrascht "The Butterfly Effect" mit einer spannenden Geschichte, die zwar die Karten schnell auf den Tisch legt, dafür blitzschnell immer irgendwelche Haken schlägt, die aufgrund der Zeit-Änderungs-Thematik nie vorherzusehen sind und gekonnt alle Ereignisse und die damit verbundenen Gedankenspiele verknüpft.

Unterm Strich ist "The Butterfly Effect" ein immer wieder packender Film - auch nach der erneuten Sichtung und  weit über der üblichen Genre-Durchschnittsware. Gerade auch in Sachen Farbgebung und Bildgestaltung bei den verschiedenen Stimmungen gibt es hier einiges zu entdecken. In den (seltenen) Momente, in denen Evan scheinbar alles zum guten gewendet hat, leuchtet und strahlt alles in hellen, prallen Farben, sobald die Stimmung und das Schicksal kippt, verblasst alles, monotone, trisste Farbtöne übernehmen wieder das Geschehen. Ein großartiger Thriller, ein kleines verstörendes Meisterwerk.

8,5/10