Montag, 27. Juni 2016

Superman Returns (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0348150/

Fünf lange Jahre ist Superman alias Clark Kent (Brandon Routh) nicht mehr auf der Erde gewesen, sondern hat stattdessen im All die Trümmer seines Heimtatplaneten Krypton untersucht. Als er zurückkehrt, merkt er, wie sehr sich die Dinge verändert haben. Seine große Liebe Lois Lane (Kate Bosworth) hat mit dem kleinen Jason (Tristan Lake Leabu) mittlerweile einen Ableger in die Welt gesetzt und ist ein Verlöbnis mit Richard White (James Marsden), dem Neffen des Daily-Planet-Chefredakteurs Perry White (Frank Langella), eingegangen. Als ob dies nicht schon genug Herzschmerz wäre, hat Lois ausgerechnet für einen Artikel mit dem Titel "Warum die Welt Superman nicht braucht" den Pulitzer-Preis bekommen. Und zu allem Überfluss ist auch noch Supermans Erzfeind Lex Luthor (Kevin Spacey) dabei, finstere Pläne in die Tat umzusetzen...

Warner hatte jahrelang versucht "Superman" irgendwie wieder auf die Leinwand zu bringen, doch jeglicher Versuch scheiterte bereits im Keim kläglich. Doch nachdem sich Bryan Singer mit "X-Men" und "X-Men 2" erste Lorbeeren im Superheldengenre verdiente und Warner in dieser neuen Erfolgswelle mit "Batman Begins" einen Achtungserfolg verzeichnen konnte, welcher DC Comics' anderer großen Superheldenikone zu einem erfolgreichen Neuanfang verhalf, kehrte nun auch der Urvater und ehemalige Messlatte des Genres nach sage und schreibe 19 Jahren Kinoabstinenz wieder auf die große Leinwand zurück.

Als Singer die Chance erhielt "Superman Returns" zu drehen, verliess er dafür sogar die Produktion des dritten geplanten "X-Men" Filmes. Genaugenommen war der Regisseur von "X-Men 3: The Last Stand", Brett Ratner ursprünglich als Regisseur für "Superman Returns" vorgesehen, doch nur wenige Wochen vor Drehbeginn kam es zum Tausch der Regisseure, da sich Ratner als nicht allzu ideale Wahl für "Superman Returns" herausstellte. Für Singer war das ganze ein Traumprojekt, da dieser seit Jahrzehnten ein Riesenfan von "Superman" und insbesondere Richard Donners "Superman" aus dem Jahre 1978 war (Singer bezeichnet den Film bis heute als seinen allergrößten Einfluss und Lieblingsfilm) und bis heute bereut er es nicht diese Chance wahrgenommen zu haben auch wenn dies für ihn bedeutete sein "Baby" "X-Men" vorübergehend zu verlassen. Die Fans wiederum sind sich heute ziemlich darüber einig das es weitaus besser gewesen wäre wenn Singer Regisseur von "X-Men: The Last Stand" geblieben wäre, da die Arbeit von Brett Ratner als deutlich schlechter angesehen wurde und Singers Abgang für viele ein Hauptgrund dafür war das der dritte Ableger des "X-Men"-Franchise qualitativ nicht an die Vorgänger anschliessen konnte.

Für Singer jedoch war die Verlockung "Superman Returns" zu machen zu groß und er nahm obendrein gleich noch seinen langjährigen Editor und Komponisten John Ottman und sein Autorenteam von "X-Men 2" mit. Auch James Marsden (welcher in den "X-Men" Filmen Cyclops spielte) wurde verpflichtet, was eines der Gründe war warum er im dritten "X-Men" im Grunde nur noch einen Gastauftritt hatte. Singers Verpflichtung änderte zudem die gesamte Richtung des "Superman"-Projektes. Während ursprünglich ein Reboot, ähnlich wie ein Jahr zuvor bei "Batman Begins" geplant war, so entschied sich Singer stattdessen einen Film zu machen der an die ersten beiden "Superman"-Filme anschliesst (die schlechteren Teile III und IV aber ignoriert - sicherlich eine gute Entscheidung) und im Grunde einen einzigen großen Liebesbrief an Donners Superman darstellt. Inklusive CGI-Wiederauferstehung von Marlon Brando, einem Superman der auf den Silver Age-Comics der 60er Jahre basiert und zahlreichen Themes des legendären John Williams Soundtracks des Originalfilms von Donner. Und wenn man "Superman Returns" als das betrachtet, was Singer erschaffen wollte (nämlich eine Huldigung an Donners Superman), dann ist der Film sogar zu großen Teilen ein Erfolg.

Das Ganze wird nur äusserst problematisch wenn man mehr erwartet als ein Liebesbekenntnis an Donners "Superman". Zwar badet der Film regelrecht in Nostalgie und ist handwerklich auch Singer-typisch erstklassig (und hat einen der absolut besten Musik Scores im ganzen Genre), nur leider wirkt sein Film wie ein Anachronismus. Singers "Superman Returns" ist schlicht und ergreifend zu altbacken. Das Jahr 2006 war nun einmal nicht mehr die Zeit der 80er und in der modernen Zeit, zwischen Filmen wie "X-Men", "Spider-Man" und "Batman Begins" funktioniert der alte Superman nicht mehr. Singers "Superman Returns" und die Struktur des Filmes hätte perfekt in die 80er Jahre gepasst und als direktes Sequel zu "Superman II" funktioniert der Film sogar zum Großteil wunderbar - er funktioniert nur nicht als moderner Superheldenfilm. Die Charakterisierungen sind sehr Silver Age-artig und oft recht eindimensional und seltsam altmodisch. Mit einem jungen Christopher Reeve in der Hauptrolle hätte das sogar sehr gut gepasst, nur leider ist eines der größten Probleme des Films das der Cast so ziemlich zum schlechtesten gehört was je in einer Superman-Live-Action-Inkarnation zu sehen war. Brandon Routh sieht zwar Reeve enorm ähnlich, ist aber der schlechteste Clark/Superman den man je gesehen hat. Seinerzeit war Tom Welling in der TV-Serie "Smallville" im Jahre 2006 bereits die weitaus bessere und getreuere Darstellung des Charakters.

Ganz besonders schlecht ist Kate Bosworth als Lois Lane, die nun absolut Nichts von dem Feuer, welches Lois in den Comics auszeichnet, hatte und im Vergleich mit Erica Durance (Lois Lane in "Smallville") oder Teri Hatcher (Lois Lane in der 90er TV-Serie "Lois & Clark"), welche die beiden perfekten Umsetzungen dieses Charakters waren, wirkt Bosworth wie ein schlechter Witz. Routh und Bosworth hatten zudem keine wirkliche Chemie was für einen "Superman"-Film schon fast tödlich ist, denn die Beziehung zwischen Lois und Clark ist das Herz und Seele Supermans und die größte Quelle seiner Kraft. Der einzige der wirklich überzeugen konnte war Kevin Spacey als Lex Luthor der eine großartige Weiterentwicklung von Gene Hackmans Lex aus den 80ern war.

Der größte Kapitalfehler in "Superman Returns", war, Superman einen Sohn zu geben der von Lois mit einem anderen Mann (wtf?!) großgezogen wurde. Das Lois nicht einmal mehr wusste das Clark Superman ist (und auch bei dem typischen Silver Age-Dreieck Lois/Clark/Superman geblieben wird, ohne das sich da irgendwas weiterentwickelt) macht das ganze Konstrukt nur umso schlimmer. In den Comics hatten Lois und Clark auch mal einen Sohn (in der großartigen Story "Last Son Of Krypton", welche übrigens von DC Starautor Geoff Johns und Richard Donner persönlich geschrieben wurde) aber dort wurde dies mit viel mehr Respekt behandelt: Lois und Clark fanden ein kryptonisches Kind, welches sie adoptierten (absichtlich ein Spiegelbild von Martha und Jonathan Kent und wie diese einst Kal gefunden und adoptiert hatten) und nannten ihn Chris Kent (benannt nach Christopher Reeve). Chris stellte sich später allerdings als der leibliche Sohn von General Zod und seiner Gefährtin Ursa heraus und Zod und Co. folgten Chris später auf die Erde und eroberten diese und sperrten Superman in die Phantom Zone (dieses Story-Element wurde später auch für das fünfte Seasonfinale in "Smallville" verwendet). Superman entkam der Zone und schloss sich notgedrungen mit seinen Feinden Lex, Bizarro, Metallo und Parasite zusammen, um Zod und sein Gefolge zu besiegen. Während des finalen Kampfes wendete sich Chris gegen seinen Vater Zod um seine neue Mutter Lois zu beschützen und opfert sich am Ende um Zod mitsamt seinen Schergen wieder in die Phantom Zone zu sperren.

Eine wirklich großartige Story mit genialen Charakteren, viel Herz und Action und einer sehr respektvollen Umsetzung der Story. Im Grunde all das, was "Superman Returns" hätte sein können aber leider nicht ist. Dennoch ist "Superman Returns" kein vollständig verhunzter Film. Er ist definitiv besser als "Superman III" und "Superman IV", hat einen großartigen, emotionalen und nostalgischen Score, sowie einige der besten Actionsequenzen des Genres (allen voran die nach wie vor geniale Flugzeugsequenz). Und als nostalgische Huldigung an Donners "Superman" funktioniert der Film auch größtenteils ganz gut, vor allem wegen Singers Inszenierung und Liebe zur Nostalgie.
Nur leider ist der Cast (bis auf Spacey) ein einziger Reinfall und die Story wird in der zweiten Hälfte des Films nicht nur extrem unglaubwürdig (Superman hebt einen Kryptonite-Kontinenten ins Weltall ohne zu sterben?) sondern auch zu einer Beleidigung für Lois/Clark Fans durch die katastrophale Umsetzung der "Supermans Sohn"-Story. Auch hat der Film einige schmerzhafte Längen, die in einem 80er Jahre "Superman"-Film nicht so ins Gewicht fallen würden, in einem modernem "Superman"-Film zu einem großen Ärgernis werden.

Am Ende bleibt ein Streifen, der ein sehr zweischneidiges Schwert ist. Kein Reinfall wie "Superman IV", aber er schafft es auch nicht "Superman" wieder zu einem großem Kinohelden zu machen, welcher dem Status des "Man Of Steel" würdig ist. Viel Nostalgie, tolle Musik, einige großartige Actionszenen aber zu altbacken, zu flach und zu sehr in die Länge gezogen. So bleibt ein Abschluss für die klassische "Superman"-Reihe die weder schlecht noch super ist und am Ende so ziemlich der Film ist den Singer machen wollte - der in der heutigen Zeit aber etwas seltsam wirkt.

6/10