Mittwoch, 29. Juni 2016

Lucky # Slevin - Lucky Number Slevin (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0425210/

Slevin (Josh Hartnett) hat wahrlich keinen Glückstag erwischt. Kaum steigt er in einer für ihn noch unbekannten Stadt aus dem Zug, nehmen ihm Gangster Geld und Papiere ab. Sein Freund - den er besuchen wollte - ist nicht in seiner Wohnung, dafür aber eine Gruppe Ganoven. Und die wollen einfach nicht glauben, dass sie mit Slevin den falschen Mann erwischt haben. Sie schleifen Slevin vor die lokale Mobster-Größe, den "Boss" (Morgan Freeman). Dieser erinnert ihn freundlich, aber extrem bestimmt an seine Spielschulden (die eigentlich die Spielschulden seines Freundes sind) und besteht darauf, dass Slevin sie abarbeitet - durch einen Mord, begangen am Sohn seines Konkurrenten und Intimfeindes, dem "Rabbi" (Ben Kingsley). Doch damit nicht genug. Kaum aus den Klauen des Bosses entkommen, wird Slevin abermals gekidnapped, diesmal von einer Band hochgerüsteter orthodoxer jüdischer Gangster, die ihn ihrerseits vor den "Rabbi" zerren, der genau auf der anderen Straßenseite vom "Boss" residiert. Auch hier hat Slevins Freund Schulden - und das Geld braucht der Rabbi ziemlich dringend, da sonst seine Vereinbarung mit dem Killer Goodkat (Bruce Willis) gefährdet ist...

Auch wenn man es auf den ersten Blick glauben könnte, so ist Paul McGuigans "Lucky # Slevin" kein gewöhnlicher Action-Thriller und mit Morgan Freeman, Sir Ben Kingsley oder Josh Hartnett hat man mindestens schon drei Gründe, ihn zu sehen. Besonders hervorzuheben ist aber Bruce Willis, der es wunderbar schafft, den gnadenlosen und unberechenbaren Killer darzustellen. Neben den grandiosen namhaften Schauspielern glänzt der Film auch noch durch einen ziemlich tollen End-Twist und eine nicht gerade vorhersehbare Story. "Lucky # Slevin" fängt etwas verwirrend an und man weiß nicht ganz genau, wohin der Weg gehen soll. Der Anfang ist verdammt wichtig. Mann sollte nichts verpassen, denn von hier an wird ein unsichtbares Netz der Verwirrung gesponnen. Reichlich Leichen stapeln sich übereinander und der Zuschauer weiss irgendwann nicht mehr wo hinten und vorne ist. Nachdem sich dann die ganze Rafinesse des 'Kansas City Shuffle' offenbart, ziehen ein paar unsichtbare Fäden mit Hilfe der Gravitationskraft die Kinnlade des Zuschauers bis zum Anschlag nach unten. Leider ist dieser Moment nur einmalig. So raffiniert wie die Auflösung auch ist; die irre Wendung ist trotzdem nur dem Umstand geschuldet, dass man dem Zuschauer allerlei Informationen vorenthält. Dadurch ist es quasi unmöglich den Storyverlauf zu erahnen.

Bei wiederholter Sichtung verliert die Handlung aufgrund der langen Auflösung ein wenig an Reiz. Umso größer ist der Reiz aber, die irrwitzigen Dialoge noch einmal zu genießen. Teilweise - und das ist nicht einmal übertrieben erahnt man Tarantino-eske Rafinesse in den beiläufigen, wenngleich oft zum Handlungsverlauf beitragenden Texten. Allerdings sind auch Parallelen zu seinen Filmen und auch zu "Die üblichen Verdächtigen" unübersehbar. "Lucky # Slevin" ist ein kleines und relativ unbekanntes Beinahe-Meisterwerk, welches beim ersten Mal sehen ein ganz besonderen Charme versprüht. Zwischen den Sichtungen sollte definitiv etwas Zeit vergehen, aber all die Elemente (Dialog, Handlung, Figuren, Action, Twist) machen "Lucky # Slevin" zu einem grandiosen und unvorhersehbaren Film, der durch und durch überzeugen kann.

7,5/10