Donnerstag, 30. Juni 2016

Jerry Maguire - Jerry Maguire: Spiel des Lebens (1996)

http://www.imdb.com/title/tt0116695/

Sportagenten bewegen sich in einem knallharten Geschäft. Es herrscht der reine Kapitalismus, nur die Stärksten überleben. Jerry Maguire (Tom Cruise) hat sich ganz nach oben aufs Treppchen geboxt. Neben ihm steht seine Freundin Avery Bishop (Kelly Preston), die selbst beim Sex zu Höhenflügen à la Leistungssport neigt, und Bob Sugar (Jay Mohr). Der jagt Jerry fast alle Kunden ab, als der Zweifel an den Methoden des Geschäfts in einem „Wegweiser“ zu Papier bringt. Er heißt "The Things We Think and Do Not Say: The Future of Our Business" und bedeutet Jerrys Kündigung, weil da zu viel die Rede ist von Moral und Emotion. Jetzt kann sich Jerry nur noch an Footballer Rod (Cuba Gooding, Jr.) und die Ex-Buchhalterin Dorothy (Renée Zellweger) halten - und mit ihrer Unterstützung unverdrossen daran arbeiten, wieder nach oben zu kommen...

Das "Spiel des Lebens" gleicht eigentlich einer Runde Monopoly: hart umkämpft, kapitalistisch und manchmal eben auch unfair. Nicht jeder kann auf "Frei Parken" kommen und den Jackpot in der Mitte abkassieren. Am Ende, da gewinnt vielleicht nicht der beste, sondern der Spieler mit dem glücklicheren Händchen. Und das Sportgeschäft kann dafür als Paradebeispiel herhalten. Es geht um Millionendeals, um Sponsorenverträge, um die Versorgung der Familie, um Ehrgeiz, Respekt, Ruhm, aber letztlich und eigentlich doch nur um Geld. Ein Mikrokosmos, in dem mit harten Bandagen gekämpft werden muss, in dem Kleinigkeiten über Triumph oder Misserfolg entscheiden und in der schlichtweg kein Platz ist für dünnheutige Menschen und ihre privaten Probleme. Sportagent Jerry Maguire scheint auf den ersten Blick perfekt in dieses Business zu passen. Mit Kalkül und Profitgier hat er es in seinem Beruf weit gebracht, über 70 Klienten aus den Top-Ligen der USA an Land gezogen. Doch auch er merkt, dass der Kunde Wärme, Zuneigung und vor Vertrauen benötigt. Er braucht das, was Maguire selbst immer gefehlt hat: ein offenes Ohr und Mitmenschen, die sich für einen interessieren.

Die Prämisse von Cameron Crowes mehrfach oscarnominiertem Sportdrama ist mehr als brauchbar, stellenweise herzerwärmend umgesetzt, dramatisch und tragisch auf der einen und dann wieder humorvoll auf der anderen Seite, doch fehlen "Jerry Maguire" mindestens 30 Yards, um als wirklicher Ausnahmefilm betrachtet zu werden. Crowe verfällt mit der Zeit schnell dem Kitsch, bauscht die Romanze des Films zu sehr auf (obwohl ihre Existenz natürlich notwendig ist, um den geistigen Wandel von Maguire darzulegen) und gibt am Ende nur einen rudimentären Einblick in das Leben eines Sportagenten. Es ist mehr eine Tragikomödie im Sportlermilieu als ein echtes Sportdrama, das Crowe hier präsentiert und das Ganze breitgewalzt auf nicht immer kurzweilige 133 Minuten.

Mit einer anderen Erwartungshaltung hätte "Jerry Maguire" vielleicht einen Touchdown landen können. Tom Cruise, der eigentlich immer überzeugt, spielt großartig, aber auch Cuba Gooding jr. und Renée Zellweger überzeugen auf ganzer Linie. Der Film hat das Herz einfach am rechten Fleck, ist mit seiner Botschaft und dem Appell an die Menschlichkeit, die Liebe in den Menschen und die kritische Haltung der kapitalistischen Leistungssportgesellschaft gegenüber äußerst charmant, schließlich dann aber doch zu klischeehaft, zu unspektakulär in seiner Handlung und zu weit weg von einem aufschlussreichen Portrait einer Branche, in der der Mensch eine Marke, ein Objekt und somit nicht viel mehr als das ist, was er anstrebt und was er seiner Familie, seinem Agenten und seinem Verein einbringen soll: Geld.

6,5/10