Samstag, 28. Mai 2016

El Cadáver De Anna Fritz - Die Leiche der Anna Fritz (2015)

http://www.imdb.com/title/tt4441280/

Spaniens größter Filmstar Anna Fritz (Alba Ribas) wird plötzlich tot in ihrem Hotelzimmer aufgefunden. Sie gehörte zu den begehrtesten Frauen des Landes und die Trauer über ihren Verlust ist bei Fans groß. Der Körper der Verstorbenen wird in der Leichenhalle des Hospitals aufbewahrt, in dem Pau (Albert Carbó) arbeitet. Der junge Mann ist schüchtern und fasziniert von den sterblichen Überresten der Berühmtheit, die auch im Tod nichts an ihrer Schönheit eingebüßt hat. Einen Blick auf den Leichnam wollen sich auch Paus angetrunkene Freunde Ivan (Cristian Valencia) und Javi (Bernat Saumell) nicht entgehen lassen. Also führt der Krankenhausangestellte die beiden zu ihr. Als sie die Tote schließlich vor sich haben, reicht ihnen das nicht. Sie überschreiten eine Grenze… und plötzlich schlägt Anna ihre Augen auf. 

Bitterböse ist das richtige Attribut für "Die Leiche der Anna Fritz", denn was der spanische Regisseur und Co-Autor Hèctor Hernández Vicens seinen Figuren inklusive und insbesondere der bedauernswerten Anna da abverlangt, ist nicht ohne. Nekrophilie, Eigentum und Ausbeutung des weiblichen Körpers, Auswirkungen von prominenter Vergötterung, Geilheit auf passive und unterwürfige Frauen. Dieser offen gelegte Subtext hätte als pechschwarze Kommentare zu einem Männlichkeitsbild werden können. Handwerklich lässt sich nichts bemängeln. "Die Leiche der Anna Fritz" wirkt von der technischen Inszenierung abgeklärt, nicht unbedingt wie ein Debütfilm, und ist zudem mit relativ unbekannten Gesichtern ordentlich besetzt. Sie wissen ihre Rollen ansprechend auszufüllen, wobei diese natürlich durchsichtigen Stereotypen entsprechen. Damit sind wir bereits beim deutlichsten Kritikpunkt, denn vorhersehbar ist das Ganze von vorne bis hinten, sobald die Handlung richtig ins Rollen kommt.

Lediglich der Charakter von Pau (Albert Carbó) besitzt einen Hauch von Ambivalenz, aber auch die nicht besonders differenziert, was ihn genauso klar berechenbar macht wie seine Freunde, die von Beginn an das Gut- und Böse-Schild auf der Stirn tragen. Das Setting des Films ist verhältnismäßig einfach, denn es spielt fast ausschließlich in der Leichenaufbewahrungshalle eines spanischen Krankenhauses. Leider bleibt der Film aber nicht bei seinen unbequemen und grenzwertigen Themen sondern ruht sich auf der Komfortzone eines herkömmlichen, arg konstruierten und vorhersagbaren Hitchcock-Thrillers aus. Das ist nach dem bitteren Versprechen des ersten Aktes ein wenig enttäuschend. Allerdings erschafft er ein Keller-Kammerspiel aus kalte-blassen Leuchtröhren-Licht und sterilisierter, moralischer Verkommenheit. Den reinen Thrill beherrscht Debütant Hèctor Hernández Vicens solide und nach diesem Film darf man gespannt sein auf die Dinge die da noch kommen.

6/10