Sonntag, 22. Mai 2016

Balada Triste De Trompeta - Mad Circus: Eine Ballade von Liebe und Tod (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1572491/

1937: Der spanische Bürgerkrieg tobt und die Republikaner bedienen sich aller Mittel, um den Militäraufstand der Faschisten unter der Führung von Franco zu stoppen. Da wird sogar ein Zirkus rekrutiert, um auf der Seite zu kämpfen. Darunter ein Clown (Santiago Segura), der sich noch in vollem Kostüm seine Machete schwingend durch die faschistischen Scharen metzelt. Doch Franco siegt und lässt den Clown vor den Augen seines Sohnes hinrichten. Rund drei Jahrzehnte später: Der Sohn, Javier (Carlos Areces), ist erwachsen geworden und will als trauriger Clown in die Fußstapfen seines Vaters treten. An der Seite des lustigen Clowns Sergio (Antonio de la Torre) bekommt er eine Chance in einem bunten Wanderzirkus. Schnell wirft er ein Auge auf die schöne Akrobatin Natalia (Carolina Bang). Die ist allerdings mit Sergio liiert, der sie brutal misshandelt. Schnell gerät Javier in Natalies Bann, was er beinahe mit dem Leben bezahlt – der Auftakt zu einem mörderischen Amoklauf, zahlreichen Verwicklungen und einer Geschichte voller Blut und Verderben, die Javier direkt bis zu Diktator Franco (Juan Viadas) führt.

Ein sehr atmosphärischer und eindringlicher Film von Regisseur Álex de la Iglesias aus Spanien, der weit weg von der Komfortzone dem Zuschauer auf Herz und Nieren fühlt, in dem allerlei Absurditäten und Splattereinlagen auf einen einprasseln. Handwerklich sehr gut gemacht, vom bizarren Intro bis zum etwas größenwahnsinnigen Finale. Die Stimmung ist düster und passend, die Figuren schräg und der Film hat eigentlich alles, was es zum Ekel-Movie braucht.

Und doch drängt sich die Frage auf: Was soll das Ganze? Ein trauriger Clown verliebt sich in eine Kollegin, die mit einem schwer gestörten lustigen Clown zusammen ist, sodass der Traurige seine Rachegelüste entdeckt und selbst schwer gestört wird. Der Film ist zwar skurril aber nicht lustig. Kritisch, zynisch, philosophisch, dazu absolut traurig und verstörend, das ja. "Mad Circus" ist eine Metapher, die man verstehen oder zumindest im Ansatz begreifen muss, um die vollkommene Schönheit dieses Filmes erkennen zu können. Es ist ein schwerer, erdrückender Film mit viel inflationär absurder Gewalt, pausenlos dreckiger Atmosphäre, kaputten Charakteren, die zynischer nicht hätten gezeichnet werden können. Es ist eine Rebellion, eine Suche nach Liebe in einer zerrissenen und unsicheren Welt.

Ein Ausnahmefilm, den man sich - als Genrefan - ansehen muss. Allein der Seherfahrung wegen, ganz zu schweigen von der Inszenierung, dem Drehbuch, der Regie und der Kamera, den dystopischen Bildern. Er ist eine detailgenaue, mit Liebe zum Medium Film gemachte Odyssee, durch die schillernde und absolut witzige und bizarre Welt eines Zirkus - eines tief melancholischen und sadomasochistischen Zirkus, ja, eine groteske Metapher. Und vielleicht der aussergewöhnlichste Liebesfilm aller Zeiten.

7/10