Sonntag, 10. April 2016

[KINO FFFnights] The Survivalist (2015)

http://www.imdb.com/title/tt2580382/

Die Welt hat sich verändert: Die Ressourcen zum Überleben sind knapp, jeder einzelne kämpft für sich allein, das Misstrauen Fremden gegenüber ist groß. Der Survivalist (Martin McCann) lebt zurückgezogen in einem Waldstück, wo er abseits vom großen Trubel der Großstadt versucht zu überleben. Eines Tages stehen Kathryn (Olwen Fouere) und ihre Teenagertochter Milja (Mia Goth) auf dem Landstück des Selbstversorgers, die ihn um einen Tausch bitten: Kathryn bietet ihm Milja im Gegenzug für etwas Essen und eine Unterkunft an. Der junge Mann, der sich nach körperlicher Nähe sehnt, geht zögerlich auf den Deal ein. Doch das von Misstrauen geprägte Zusammenleben verkompliziert sich zunehmend...

Es ist ein Debütfilm. Irgendwo zwischen den dystopischen Träumen von Andrei Tarkovskys "Stalker", dem Western-Drama "The Beguiled" von Don Siegel und der Low-Budget-Überraschung "Primer" von Shane Carruth liegt dieser eindrucksvoll unversöhnliche Erstling des Autors/Regisseurs Stephen Fingleton. Den Einstieg markieren zwei Linien, eine rot für die Bevölkerung, die andere blau für die Ölproduktion. Sie umreißen nur sehr rudimentär den katastrophalen Ausgang einer heute bereits absehbaren möglichen Entwicklung. In einer nicht näher spezifizierten Zukunft, in der die natürlichen Öl-Ressourcen erschöpft sind, ist der Mensch auf seine Existenzebene zurückgekehrt. Es ist die düstere Parabel über den Preis der Nahrung, Sex und Schutz in einer post-zivilisierten Welt. Der Protagonist, "The Survivalist", der namenlose Mann, gespielt von Martin McCann bildet zusammen mit Milja (großartig: Mia Goth) den dramatischen Kern der Geschichte. Diese wird viel eher durch Gestik und Mimik, Taten und Aktionen, als durch das gesprochene Wort vorangetrieben. "The Survivalist" ist eine abgespeckte Übung der filmischen Darstellung einer solchen Szenerie, die auf großes Talent sowohl bei den Schauspielern, als auch bei Regisseur schließen lässt.


Mit einem Hauch von Terrence Malicks "The Thin Red Line", in der die Aneinanderreihung menschlicher Brutalität und natürlicher Vitalität gezeigt wird, einem Gefühl, welches später verstärkt wird, wenn Damien Elliotts Kamera zwischen zwei Männern über einem grünen Feld aus Gras driftet. Es ist eine der wenigen Szenen, die farbenfroh und prächtig wirkt, während andere in dystopischen und dunklen Bildern ihr Dasein fristen. In dieses unwirkliche Paradies kommen Kathryn (Olwen Fouere) und Milja (Mia Goth). Mutter und Tochter, die ihr eigenes Überleben über alles andere stellen und die Tochter, die mit Sex für Nahrung bezahlt.

Ein Handel wird nur sehr bedächtig akzeptiert, Momente der Verletzlichkeit werden dargeboten, in denen das Gleichgewicht der Macht heftig ins Wanken gerät. Ist es geschickt, das Messer zu nehmen um den Mann zu rasieren? Wird ihm die Kehle durchtrennt? Ist die physische Transaktion zwischen Milja und dem Mann etwas mehr als sie nur sein scheint? Fingleton weist darauf hin. Jeder seiner drei Protagonisten ist, durch die Natur des Überlebens, ein Mörder. Umgeben von der allgegenwärtigen Bedrohung des Angriffs von opportunistischen Plünderern ist die Gefahr auch innerhalb des Trios allgegenwärtig. Selbst bei der Gartenarbeit sieht man als Zuschauer plötzlich in jedem Gegenstand eine Waffe, alles wirkt austauschbar bedrohlich.

Es gibt nur wenige physische Rohheit. Die Abwesenheit des Dialogs ist das Hauptmerkmal und die Vertonung gleichzeitig das beeindruckendste Stilmittel. Mit dem Klang von aufeinanderschlagenden Blechdosen, ein diegetisches Keuchen in eine alte Mundharmonika, Wind, Rauschen, Knacken. Ein Film ohne viele Worte, dafür mit umso mehr Optik, Geräusch und Aussage. Großartig.

8/10