Samstag, 9. April 2016

[KINO FFFnights] The Lobster - The Lobster: Hummer sind auch nur Menschen (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3464902/

In naher Zukunft werden Singles verhaftet und in ein Hotel mit anderen alleinstehenden Menschen gesteckt. Dort haben sie 45 Tage Zeit, um einen Partner zu finden. Gelingt dies nicht, werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt und in den Wald verbannt. Nachdem David (Colin Farrell) von seiner Frau verlassen wurde, muss auch er in das Hotel ziehen und sich auf die Suche nach einer neuen Partnerin begeben. Nach vielen erfolglosen Versuchen gibt David jedoch auf und flüchtet in den Wald, wo Menschen leben, die bewusst Single bleiben wollen. Ausgerechnet dort, einem Ort an dem jede körperliche Nähe untersagt wird, lernt er eine kurzsichtige Frau (Rachel Weisz) kennen, die seine Seelenverwandte zu sein scheint...

Wenn man die Inhaltsangabe von "Lobster" Liest, dann klingt das ziemlich schräg - und ist es zweifelsohne auch. Aber "Lobster" ist ein herrlich grotesker, grandioser und unterschwellig witziger Film, dass es eine Freude ist, diesen zu sehen. Die Prämisse von "The Lobster" wird in wenigen Sätzen erklärt. Und hier schaltet sich bereits eine Narration in Form eines Rückblicks ein, die sich auch erst im Laufe des Films aufklären wird, wer das spricht und warum. Die Grundidee, dass Menschen nur in Paaren zusammenleben dürfen, legt den Verdacht nahe, dass Regisseur und Autor Yorgos Lanthimos wohl eine lange Zeit Single war und von Freunden, Familie und Bekannten wohl regelrecht genervt war mit der Frage: "Und? Wo ist deine Freundin?" Denn genauso kommt einem "The Lobster" vor.

Es ist eine unglaublich geniale Persiflage auf die Gesellschaft, in der jeder der von der Norm abweicht schon mit schiefem Blick angesehen wird. Colin Farrell spielt den kurzsichtigen Mann David, der gerade erst Witwer geworden ist und nun schon im Check-In des Hotels sitzt und nach seiner bevorzugten sexuellen Ausrichtung gefragt wird. Bisexuell gänge seit letzten Jahr nicht mehr, die Behörde hätte sich auf klare Linien geeinigt. Neben ihm, Bob, ein Hund, der früher mal sein Bruder war. Individualität wird gestrichen, im Hotel ist alles genormt und damit die Chancen für jeden gleich sind, werden passenderweise gleich Kleidung und Sportarten vorgegeben. Masturbation ist nicht erlaubt, schließlich müsse man sich aufsparen für den Partner und wenn man schließlich einen Partner gefunden aht geht es ins Doppelzimmer mit Ehebett. Für 2 Wochen. Dann ein Kurzurlaub in der Yacht, die 50 Meter vor der Küste liegt, um auch zu verifizieren, dass die Menschen der Direktion nicht nur etwas vorspielen. Aufkeimende unlösbare Probleme in einer neuen Partnerschaft werden hingegen durch das Zuweisen von Kindern gekittet. Masturbation wird bestraft. Und natürlich kann man seien Aufenthalt auch ohne Partner verlängern - indem man Singles jagt und diese wie Vieh vor die Tore der Hoteldirektion legt.

In einer fast schon "Monty Python"-artigen Zeitupen-Szene spingen Männer in Anzügen, Kitteln und Gummistiefeln, die Frauen in bunten Kleidern und Gummistiefeln aus dem Hotelbus, die Gewehre im Anschlag, bereit um jeden freilaufenden Single ins Land der Träume zu schicken. Überhaupt hat man das Gefühl, einer der Pythons wäre am Drehbuch beteiligt gewesen. Natürlich kommt es wie es kommen muss, und David findet sich im Lager der Singles wieder, wo er - wie sollte es anders sein - die kurzsichtige Frau (Rachel Weisz) trifft. Wo die Liebe hinfällt, darf sie dann aber eben nicht liegenbleiben und so tanzen einsame Menschen zu elektronsicher Musik stumm unter Kopfhörern vor sich hin, schaufeln ihre eigenen Gräber und finden dennoch so etwas wie Zuneigung. Und die ist hier ganz und gar nicht gestattet. Untermalt mit herrlicher Musik, optisch schick eingefangen und unglaublich interessant erzählt und inszeniert.

Es ist ein genialer Film. "The Lobster" wird nur gegen Ende etwas schwerer und verliert seine Art der Erzählung in dem Moment, in der David das Hotel verlässt. Einerseits ein geschickter dramaturgischer Kniff, andererseits ein Herausreißen des Zuschauers aus der warmen Kuscheldecke. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so. "The Lobster" ist auf jeden Fall einer der Filme des Jahres.

8,5/10