Donnerstag, 7. April 2016

In The Heart Of The Sea - Im Herzen der See 3D (2015)

http://www.imdb.com/title/tt1390411/

1820 wird ein Walfängerschiff, die Essex, von einem riesigen Wal angegriffen. Das Ungewöhnliche daran ist, dass das Tier aus einem bisher nur Menschen zugeschriebenen Vergeltungsdrang angetrieben zu sein scheint. Die Essex entgeht nur knapp dem Untergang und ein großer Teil der Besatzung kommt ums Leben. Doch damit ist der Alptraum noch nicht vorbei, denn nun muss es das Schiff erst einmal wieder ans sichere Ufer schaffen. Die Besatzung, zerrüttet durch den Verlust der Kameraden, steht vor einer schwierigen Aufgabe: Der unerfahrene Kapitän George Pollard (Benjamin Walker) versucht, in den tobenden Gewässern einen sicheren Kurs in die Heimat zu bestimmen, während der abgebrühte erste Offizier Owen Chase (Chris Hemsworth) nur auf Rache gegen den Wal sinnt. 30 Jahre nach den Ereignissen recherchiert Autor Herman Melville (Ben Whishaw) das Schicksal der Essex und schreibt ein Buch darüber - den Klassiker "Moby Dick"...

Eins vorweg: die Geschichte die im Film erzählt wird, weicht vom Buchinhalt "Moby Dick" ab. Allerdings wirbt der Film auch nicht damit, eine Buchverfilmung zu sein. Es ist die ursprüngliche Geschichte, die laut den Sagen so oder so ähnlich tatsächlich geschehen ist und den Autor Herman Melville zu seinem Bestseller inspiriert hat. Und Ron Howard ist mit "Im Herzen der See" ohne Zweifel auch ein großes, bildgewaltiges und opulentes Seefahrerabenteuer gelungen, welches sich in Anlehnung an den Stoff um den sagenumwobenen Pottwal "Moby Dick" sehen lassen kann. Aber irgendetwas fehlt und damit wird schnell klar, dass der Name Ron Howard leider auch kein Gütesiegel ist, auf dass man sich trotz bester Voraussetzung immer zu 100% verlassen kann. Zwar hat der Regisseur einige sehr gute Filme in seinem Repertoire, aber oft hat Howard es trotz guter Story und toller Besetzung eben auch oft verfehlt, ein Meisterwerk abzuliefern.

"Im Herzen der See" ergeht es da ähnlich. Es wurde sehr viel Wert auf Optik, Setting und Inzenierung gelegt und das merkt man dem Film bis in letzte Detail an. Nur leider wurde dabei vergessen, den Personen, ja, der gesamten Mannschaft des Essex etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. So bleiben dem Zuschauer die Charaktere irgendwie seltsam fremd, zu gewollt und irgendwie aufs Auge gedrückt. Was natürlich ganz besonders bei Hauptdarsteller Chris Hemsworth der Fall ist der hier mit goldenem Haar, brauner Haut und offenem Hemd als einziges gut aussehen darf. Was noch bei "Rush" in Ordnung ging, da Hemsworth eben dort einen solchen Hallodri, Draufgänger und Weiberheld verkörperte, wirkt hier im dreckigen Geschäft der Walfängerei und in solchen Zeiten einfach nur deplaziert, unecht und zu gewollt. Kein Wunder, dass Benjamin Walker als Kapitän Pollard ihn ohne Probleme in jeder gemeinsamen Szene die Show stielt. Aber auch die übertriebenen Bilder und Farbfilter sind irgendwann zu viel des Guten und lassen das ganze zu wenig realistisch wirken was wiederum auf Kosten des Mitfieberfaktors geht. Auch wenn die weiteren namhaften Charaktere mit Cillian Murphy, Ben Wishaw, Tom Holland, Brendan Gleeson überzeugen, kann das leider nicht die Leere füllen, die besonders in der zweite Filmhälfte vorhanden ist und selbst der Wal ist nicht so unheimlich und mystisch, wie man es vielleicht erwarten würde.

Aber in vereinzelten Momenten blitzt tatsächlich das auf, was der Regisseur womöglich mit dem gesamten Werk im Sinn hatte: der gewaltige Kampf zwischen Mensch und Natur, der dem Betrachter Mitgefühl und Respekt für den unkontrollierbaren Kreislauf der natürlichen Vorgänge abringen soll. Der Wechsel in der zweiten Hälfte des Streifens hin zu einem zermürbenden Überlebenskampf auf offener See verkommt somit zu einer unausgegorenen Angelegenheit, die wirklich mitreißende Emotionen vermissen lässt und aufgrund der Figuren, die oberflächlich gezeichnet wurden, kaum Anteilnahme zulässt. Während "Life Of Pi" beweisen konnte, dass man einen Film sehr unterhaltsam inszenieren kann, obwohl der Held des Films sich 2/3 der Zeit auf einem Rettungsboot befindet oder Redfords "All Is Lost" eine unangenehm spannende und klaustrophobische Stimmung durch einen Survivalthriller auf dem Meer erschaffen konnte, versagt "Im Herzen der See" in all diesen Punkten, die die vorgenannten Filme so besonders machte. Dennoch ist der Film kein totaler Reinfall, viel mehr eine verpasste Gelegenheit.

7/10

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