Samstag, 16. April 2016

Dead Alive - Braindead (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0103873/

Im Jahre 1957 wird auf der "Totenkopfinsel" eine neue Spezies entdeckt: Eine Kreuzung aus Affe und Ratte. Dieses Tier gelangt bald in den Zoo einer neuseeländischen Stadt, in der auch Lionel Cosgrove (Timothy Balme) lebt, ein eher zart besaitetes Muttersöhnchen. Der Junge hat sich in die hübsche Paquita (Diana Peñalver) verliebt, doch Lionels eifersüchtige Mutter (Elizabeth Moody) setzt alles daran, die aufkeimende Beziehung zu untergraben. Sie folgt dem Pärchen bei einem Ausflug in den Tierpark und wird dabei von dem äußerst aggressiven "Rattenaffen" gebissen. Kurz darauf stirbt sie, bleibt allerdings nicht lange tot...

Im Jahr 1992, als Peter Jackson noch längst nicht Blockbuster-Geschichte geschrieben hatte, veröffentlichte der Regisseur einen Meilenstein, der die Herzen der Splatter-Fans bis heute höher schlagen lässt. "Braindead" ist mehr als ein Zombiefilm. Er ist mehr als Splatter. Er ist mehr als Komödie. "Braindead" jongliert mit Archetypen und Gesellschaftskritik auf einer im Grundton sehr spaßigen Bühne aus teils absurder, völlig übertrieberner Gewaltdarstellung und skurriler Handlung. "Braindead" ist Kult.

"Braindead", auch bekannt als "Dead Alive", ist das Werk eines leidenschaftlichen Querkopfes, der sich aber mal so richtig austoben durfte. Was anfangs noch wie eine leicht kitschige Romanze beginnt, entwickelt sich schon bald zu einer Parade des schlechten Geschmacks, bei dem Jackson eine wahnwitzige und blutbesudelte Idee an die nächste reiht. Am Anfang steht eine Expedition zum Zwecke des Auffindens eines (unfassbar hässlichen) Affens ("Rattenaffen"), welcher in seiner heimischen Region, dem Outback irgendeines südlichen Inselparadieses, mit einem Tabu belegt ist. Ähnlich einem Fluch wird das Übertreten dieses Tabus mit einer Strafe geahndet, die wie eine Infektion denjenigen befällt, der das Tabu gebrochen hat. Das bekommt Protagonist Lionel (Timothy Balme) am eigenen Leib zu spüren, nachdem seine Mutter Vera Cosgrove (Elizabeth Moody) - unwissentlich, jedoch aus Ignoranz und Boshaftigkeit - dies wortwörtlich mit Füßen tritt.

Die asymmetrische und ungesunde, durch Dominanz und Angst geprägte Mutter-Sohn-Beziehung (wie man sie vielleicht schonaus "Psycho" kennt), aus der es kein Entkommen gibt, ist wohl ein weiteres Tabu, welches es zu brechen gilt. Jegliche Emanzipationsversuche, sämtliche Eigenständigkeit wird im Keim erstickt und entwickelt sich selbst gleichermaßen zu einem Tabu. Diese dysfunktionalen Ketten von Normen und Tabus werden erst durch einen externen Impuls ins wanken gebracht: die Liebe. Auch wenn dies zunächst ebenfalls tabuisiert wird. Doch diese Liebe ist hartnäckig, sie ist irrational, leidenschaftlich und sie widersetzt sich penetrant allen Hindernissen. Dem Neid, der Unmenschlichkeit, sogar dem Tod.

Und der kommt bei Jackson nicht zu kurz. "Braindead" ist vorangig eine slapstickhafte Komödie, mit vielen Stolperern und wahnwitzigem Overacting und vielen absurden Ideen und Szenen, zum Brüllen komischen Dialogen und unvergesslichen Charateren. Zombie-Babies, Zombie-Partygäste, Karate-Pfarrer, ... hier findet mal alles, was der Herz begehrt. Was den Film aber letztlich unvergesslich werden lässt, ist die letzte halbe Stunde, in der sich Lionel, sein schmieriger Onkel LEs (Ian Watkin) und seine Liebe Paquita (Diana Peñalver) einer wahren Zombiearmee zur Wehr setzen müssen. Der Film kulminiert in einem ausgedehnten, äußerst blutigen Rasenmäher-Massaker, für das insgesamt 300 Liter Filmblut verwendet wurden und das immer noch einzigartig in der Filmgeschichte ist. Die Effekte, die Effekte! Man fragt sich, wie Jackson das teilweise (ohne Computer!) gemacht hat. Die mit einem geschätzten Budget von 3 Millionen US-Dollar im Stil der 1950er-Jahre gedrehte Horror-Parodie greift zahlreiche Motive des Horror-Genres auf und übersteigert sie bis zur Absurdität. Ja, "Braindead" bricht Tabus. Er bricht mit fremdinduzierten Normen. Er bricht mit Unmündigkeit. Er ist großartig, er ist lustig, wahnwitzig, genial. Er ist das Werk eines Fans. Er ist zeitlos. Kurz: er ist Kult.

9/10