Dienstag, 12. April 2016

A Few Good Men - Eine Frage der Ehre (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0104257/

Auf dem US-Militärstützpunkt in Guantanamo Bay wird Pfc. William T. Santiago (Michael DeLorenzo) von Lance Cpl. Harold W. Dawson (Wolfgang Bodison) und Pfc. Louden Downey (James Marshall) eine Abreibung verpasst. Die beiden Soldaten fesseln ihren Kameraden an einen Stuhl und stopfen ihm ein Tuch in den Mund. Plötzlich beginnt Santiago aus dem Mund zu bluten und verstirbt. Die beiden Täter werden angeklagt und der unmotivierte Navy-Offizier und Militäranwalt Lt. Daniel Kaffee (Tom Cruise) als Verteidiger beigeordnet. Er hält den aktuellen Rekord in Sachen außergerichtlichen Deals und hat noch keinen Gerichtssaal von innen gesehen. Die unerfahrene, aber engagierte Lt. Cdr. JoAnne Galloway (Demi Moore) vermutet hinter der Tat jedoch einen so genannten Code Red. Das ist eine von Offizieren angeordnete Strafaktion - bei den alten Hasen immer noch beliebt, aber mittlerweile verboten. Sie wollte den Fall, bekam ihn nicht, lässt sich aber von Pfc. Louden Downeys Tante als dessen Verteidigerin einsetzen. Nach einem Treffen mit dem diensthabenden Kommandanten in Guantanamo, Col. Nathan Jessep (Jack Nicholson), beginnt auch Kaffee, an einen Code Red und somit seinen Mandanten zu glauben. Beharrt er aber auf diesem Punkt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich mit dem hoch dekorierten Colonel Jessep anzulegen und seine eigene Karriere zu gefährden...

Es gibt gewisse Filme, die man immer und immer wieder ansehen kann und die ihre Faszination auch dann nicht verlieren, selbst wenn man mittlerweile fast jede einzelne Zeile mitsprechen kann. Zu diesen Filmen zählt zweifelsfrei auch "Eine Frage der Ehre" - ein Gerichtsfilm über militärische Hierarchien und blinden Gehorsam, der durchaus kritisch auf die Praktiken des US-Militärs schaut und die Hierarchie und den uneingeschränkten Gehorsam, der oft über der Moral steht, in Frage stellt. Die Geschichte, die ursprünglich ein Theaterstück war, wurde von Regisseur Rob Reiner grandios inszeniert und liefert dank dem gelungenen Drehbuch von Aaron Sorkin auch hervorragende Dialoge. Unvergessen ist hier Jack Nicholsons wild gebrülltes "You can't handle the truth!", welches sicher zu den ikonischsten Zitaten der neunziger Jahre gehört.

Der Film punktet allerdings vor allem mit seiner starken Darstellerriege, die sich wirklich sehen lassen kann. Neben Tom Cruise als arroganten Sonnyboy, Demi Moore als etwas naive, aber sehr leidenschaftliche Militäranwältin oder Kiefer Sutherland als arrogantes Ekelpaket, ragt insbesondere Jack Nicholson als barscher Kommandeur Col. Nathan R. Jessup heraus. Seine Rolle kauft man ihm nur zu gerne ab, da sie ihm regelrecht wie auf den Leib geschneidert scheint. So weiß er seine begrenzte Leinwandzeit gerade im herausragenden Finale perfekt zu nutzen und liefert dort eine erinnerungswürdige Meisterleistung ab. Weitere große Pluspunkte sind die fantastische Ausstattung und die anschaulichen Settings, wodurch der Film insgesamt sehr authentisch rüberkommt. Dass "Eine Frage der Ehre" dem sonst so aufdringlichen amerikanischen glorifizierten Patriotismus größtenteils ausweicht, kann man ihm ebenso hoch anrechnen wie den starken Schlusssatz, der von einem der beiden Angeklagten geäußert wird und damit sogar noch zum Nachdenken anregt.

Auch wenn der Film letztlich auch aufgrund von kleineren Längen nicht gänzlich an die ganz großen Klassiker dieses Genres heranreicht, so gehört er doch zumindest zum Kreis der besten Justizfilme. Unbedingt empfehlenswert.

9/10