Montag, 7. März 2016

Regression (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3319920/

Der Polizist Bruce Kenner (Ethan Hawke) ermittelt im Fall der 17 Jahre alten Angela Gray (Emma Watson). Das völlig verängstigte und verstörte Mädchen wurde von einer satanistischen Sekte entführt und vergewaltigt. Angela glaubt, auch ihren Vater John (David Dencik) unter den Tätern gesehen zu haben, was ihr Trauma noch verstärkt. John gibt jedoch vor, sich an nichts erinnern zu können. Um die Amnesie des Vaters zu untersuchen, wird der Psychologe Prof. Raines (David Thewlis) hinzugezogen. Währenddessen führen Kenners Ermittlungen zu immer unglaublicheren Enthüllungen, die den mit allen Wassern gewaschenen Cop bis an den Rand seines Vorstellungsvermögens treiben. Wie Angela wird auch er bald von Albträumen heimgesucht und die Existenz des Teufels erscheint ihm langsam alles andere als unwahrscheinlich...

Alejandro Amenábar meldet sich zurück im Genre-Kosmos und zeigt, was er am besten kann: Misstrauen schüren. Verunsicherung stiften. Den Zuschauer nach und nach in eine Senkgrube aus Zweifeln absteigen lassen. Und wenn Amenábar sich nach 14 Jahren wieder seinem Kino der ewigen Verunsicherung zuwendet, wird diese Rückkehr irgendwo zuminest spannend. Wie schon bei seinem "The Others" steht dabei eine Figur im Mittelpunkt, die mit einer brüchigen Realität konfrontiert wird und schließlich an ihrem eigenen Geisteszustand zu zweifeln beginnt.

Stimmungsvolle, düstere Bilder und wechselnde Locations rund um die fiktive Stadt Hoyer im Bundestaat Minnesota setzen den Grundton für die Geschichte. Der beklemmende, fast schon geisterhafte Soudtrack tut sein Übriges. Dass ganz viel psychologische Arbeit in diesem Film steckt, das zeigt nicht nur der Fachterminus "Regression" als Titel des Film, was ihn auch für Psychologiestudenten interessant machen könnte. Und das bietet sich bei "Regression" natürlich ganz wunderbar an, der sowohl Okkult-Horror, Psycho-Thriller als auch gesellschaftlicher Querschnitt ist und heute noch genauso funktioniert, wie im Jahre 1990, in dem die Geschichte spielt. Der Film lebt von Emma Watson, Ethan Hawke und David Thewlis und es ist fraglich, ob man ihn sich mehr als 2 mal angucken kann, da die Spannung vor allem durch die Klärung des Falles lebt.

Hawke brilliert einmal mehr als ausgezehrt-gequälter Ermittler, der sich vollkommen in einem Fall um rituellen Missbrauch verstricken lässt, während der nicht minder tolle Thewlis als Vertreter der regressiven Psychoanalyse eine neue Ebene im psychologischen Komplex eröffnet und ganz gezielt die Frage unterbreitet: Wie soll eine solche Methode Früchte tragen, wenn alles nur auf trügerischen (weil subjektiven) Erinnerungen basiert und damit für die forensische Polizeiarbeit nahezu unbrauchbar ist. Oder vielmehr: Weil dadurch erst recht seltsam, infektiöse Blüten getrieben werden, die Ethan Hawke so richtig ins Rotieren bringen. Es gibt sicher bessere Thriller, die über die gesamte Lauflänge die Spannung hoch halten können und vor allem zur Hälfte entsteht hier ein riesiges Fragezeichen.

Das Ende lediglich ist äußerst mäßig geraten, der Abstieg in den Orkus der Verdrängung aber bleibt stilistisch herausragend und pendelt immer wieder äußerst ansprechend zwischen klassischem Spannungskino und einem beinahe schon pulpig anmutenden Film-Noir-Flair. Trotzdem kann der Film einen Blick lohnen. Auch wenn er leicht vorhersehbar ist, zieht einen die Atmosphäre des Films sehr in seinen Bann.

7/10

Auch im limitierten Steelbook erhältlich: