Freitag, 11. März 2016

American Psycho (2000)

http://www.imdb.com/title/tt0144084/

Der New Yorker Yuppie Patrick Bateman (Christian Bale) hat zwei Lebensfreuden: Zum einen liebt er den Luxus der 80er Jahre. Immer die neuesten Anzüge, immer die exklusivste Visitenkarte, immer eine Reservierung im besten Lokal der Stadt. Zum anderen erfreut er sich - und das wissen seine ebenso oberflächlichen Kollegen nicht - an sadistischen Morde, um die Leere in seinem Leben zu füllen. Hierfür bevorzugt er hübsche Frauen...

Oberflächlichkeit ist bestialisch. Und wenn er nicht gerade dabei ist Phil Collins' Werke inhaltlich bis ins Mark zu interpretieren und diese gefühlvollen Werke in Emotionen und Erlebtes aufzuspalten, nur um Oberflächlichkeit als etwas darzustellen, dass ihm nicht innewohnt, dann ist er in der Tat der saftloseste Typ, der durch die Straßen New Yorks wandelt: maßgeschneiderte Designeranzüge, fein gemaserte Visitenkarten mit gold-glänzenden Lettern, eine Dauerwelle, wie sie im Friseurhandbuch steht. Das ist die Welt von Patrick Bateman (Christian Bale in Bestform), dessen Leben ein Hohlraum darstellt, der sich mit nichts füllen lässt, außer rauem Gerede über Nichts. Frauen sind in seiner Welt nur fleischgewordene Befriedigung und selbst im Extasepunkt des sexuellen Aktes, besinnt sich Bateman mit grinsend-böser Fratze darauf, wie gerade seine Muskeln im Spiegel aussehen. Am Morgen danach werden dann 1000 Sit-Ups gemacht und im Fernseher daneben wird mit der Kettensäge massakriert in "Texas Chainsaw Massacre"/"Blutgericht in Texas". Narzismus und Wahnsinn in Reinform.

Diejenigen, die sich nach dem Nichts sehnen, welches sich hinter den ganzen gestählten Muskeln, den stilvollen Einrichtungen und all dem sinnlosen Schnickschnack befindet, den er besitzt, werden emotional niedergeschmettert oder direkt mit der Axt gespalten. Regisseurin Mary Harron malt ein übertriebenes Abbild einer Welt, die John Doe in "Sieben" schon verteufelt und abgestraft hat, als wäre sie selbst einer dieser emotionalen Menschen, die schon von der harten Hand des Pragmatismus geohrfeigt wurden. Dabei kehrt sie die abscheulichen Gedanken eines von außen glänzenden, makellosen Schönlings, der innerlich so verrucht wie nur irgend möglich ist, immer mehr nach außen und offenbart dem Zuschauer damit die dreckigen, versteckten Seiten unserer Welt und unseres Kapitalsystems. Das Einzige, was den in diesem System eingesperrten und darauf selbst reduzierten Patrick Bateman etwas anhaben kann, ist das er darin mit noch größeren Apartments, noch schöneren Visitenkarten und einem noch besseren Standing konfrontiert wird, das irgendwem anders gehören könnte, was in ihm einen grenzenlosen Hass auslöst, bis er schließlich dafür sorgt, dass die in seinen Augen niederen Menschen sterben müssen. Denn er will der Beste sein. Er will unfehlbar sein. Und dies ist Gesellschaftskritik auf oberstem Niveau.

"American Psycho" ist ein wahres Kleinod und findet seinen finalen Höhepunkt, wenn das System und sein ganzes Konstrukt in sich zusammenfällt und Patrick Bateman als Produkt dessen in seinem Selbstzweifel mitreißt - denn der Mensch ist alles andere als unfehlbar.
Wenn die tolle, glänzende Fassade in Form seiner morgendlichen Schönheitsmasken abbröckelt und eine widerliche, unwürdige Welt dahinter zum Vorschein kommt, an der wir uns als Zuschauer alle beteiligen, dann wissen wir, dass "American Psycho" mehr ist als nur einfache Unterhaltung. Der Film funktioniert als Spiegel unserer Gesellschaft, den man sich entweder vors Gesicht halten kann oder vor dem man die Augen verschließt. Letztlich ist es egal, denn diese Welt existiert, ob in abgeschwächter Form oder nicht.

8/10