Montag, 1. Februar 2016

Bone Tomahawk (2015)

http://www.imdb.com/title/tt2494362/

Im 19. Jahrhundert, irgendwo im Grenzgebiet zwischen Texas und Mexiko: Nachdem ein Gesetzloser unwissentlich eine Gruppe von Höhlen-Kannibalen in die friedliche Western-Stadt Bright Hope führt, kommt es nach und nach zu Entführungen einzelner Siedler. Als auch Samantha O'Dwyer (Lili Simmons), die Frau des örtlichen Rinderbarons Arthur (Patrick Wilson) verschwindet, besteht ihr Mann trotz eines gebrochenen Beins darauf, sich auf die Suche nach ihr zu begeben. Sheriff Franklin Hunt (Kurt Russell) beruft neben dem verletzten O’Dwyer auch noch den alternden Deputy Chicory (Richard Jenkins) und den  draufgängerischen Revolverhelden John Brooder (Matthew Fox) zu der Gruppe, die sich auf den Weg macht, um die Geiseln zu befreien. Auf ihrer Rettungsmission stoßen sie jedoch auf erheblichen Widerstand.

Wie aus dem Nichts kommt hier Regisseur S. Craig Zahler in seinem Debütfilm "Bone Tomahawk" mit einem Horror-Western daher, der tatsächlich seines Gleichen sucht. Das Genre des Western wird ja gerade in den letzten Jahren mit mal mehr mal weniger interessanten Beiträgen wiederbelebt, doch eine so geschickte Verknüpfung von Horrorfilm und Western gab es wohl noch nie. Gerade deswegen ist "Bone Tomahawk" schon den ersten Blick wert. Auch die Schauspielerriege liest sich mit Kurt Russell, Patrick Wilson und Matthew Fox sehr gut und schon nach den ersten Minuten Film (und einem herrlichen Intro mit Sid Haig und David Arquette) wird klar, dass dies hier kaum ein Film für Freunde des klassischen Westerns ist. Den prägnanten Charakteren sind viele Minuten der Entwicklung zugedachtet, in denen ihre Nuancen nach und nach ausgelotet werden. Diese Zeit, die die Kamera mit den Charakteren verbringt, gibt den Schauspielern eine Menge Raum. Und diese Schauspieler danken es dem Regisseur mit großartigen Leistungen und viel Spielfreude, selbst in den Nebenrollen passt in "Bone Tomahawk" alles zusammen. Mit einer guten Portion unterschwelligem Humors bestückt, einer rohen und brutalen Art und einem dann wieder sehr klassischem Soundtrack vermag der Film zudem zu fesseln und vor allem über seine beachtliche Laufzeit von über 2 Stunden perfekt zu unterhalten.


Aber warum? Weil es herrlich ist, einen Film zu sehen, der in Stil und Ausführung von vorne bis hinten einen ganz eigenen Weg geht und diesen Weg mit absoluter Präzision und Konsequenz beschreitet. Hinter "Bone Tomahawk" scheint ein vollkommen anderes Erzählverständnis zu stecken. Vor allem ein Erzählverständnis, welches das moderne Kino oft vermissen lässt. Zahler kreiert seinen Film aus einer vollendeten Gelassenheit heraus und gibt diese an die Erzählung weiter. "Bone Tomahawk" nimmt sich eine Menge Zeit. Obwohl der Film damit auch etwas behäbig startet und man fast schon das Interesse an diesem auf die Stadt 'Bright Hope' beschränkten Kammerspiel verlieren könnte, findet Zahler exakt den richtigen Punkt für den ersten Frontalangriff aufs Nervenkostüm. Ab dem Zeitpunkt nimmt der Film trotz seiner immer fortwährend, beinahe schon bedächtig anmutenden Art, immer mehr an Fahrt auf und gipfelt in einem blutigen und brutalem Horroszenario, wie man es sich besser kaum wünschen könnte. Ein wenig - und das kann man durchaus interpretieren - erinnert der Film dann an "The Descent" und auch wenn man es hier eher mit Troglodyten zu tun hat, ist dies nicht minder spannend und nervenaufreibend. Auch könnte man dem Streifen die Dialogschnittigkeit eines Tarantino zugute halten, obwohl er nie dessen ganze Genialität erreicht.


Was im letzten Drittel des Films passiert ist dann schier unbegreiflich und Zahler tanzt förmlich in stetiger Balance auf dem schmalen Grat zwischen charakteristischem Western und bösartigen Horrorthriller, während er nebenbei dem Western als quasi abgestorbenem Genre gehörig huldigt und vergangenen Mythen dabei gleichzeitig durch den Kakao zieht. Man fragt sich insgeheim, wann jemand zu einer derartigen Genrekreuzung zuletzt im Stande war. Was unterm Strich übrig bleibt, ist ein absolut geradliniger Western mit perfekt getimten Horroreinschub, bei dem man vorher vielleicht so etwas Trashiges wie "From Dusk Till Dawn" erwartet hätte, aber besonders zum Schluss hin ein nervenzerreißendes Spannungsspektakel geboten bekommt, dass einem färmlich die Luft abschnürt. Ein mutiger Streifen mit tollen Schauspielern, dem es völlig egal ist, wenn die breite Masse sich langweilt.

8/10