Samstag, 2. Januar 2016

The Thing - Das Ding aus einer anderen Welt (1982)

http://www.imdb.com/title/tt0084787/

Zwölf Wissenschaftler, darunter R. J. MacReady (Kurt Russell), befinden sich auf Forschungsmission in der Antarktis. Sie entdecken eine zerstörte Forschungsstation und mit ihr einen deformierten Leichnam, den sie zur Untersuchung mitnehmen. Was die Wissenschaftler nicht wissen, ist, dass ein Außerirdischer die Zerstörung zu verantworten hat. Diese Lebensform ist deswegen besonders bedrohlich, weil sie nahezu unbemerkt die Körper anderer Lebewesen übernimmt. Als die Männer einen verängstigten Hund bei sich aufnehmen, denken sie sich zunächst nicht viel dabei. Bald jedoch kann niemand mehr dem anderen trauen...

John Carpenter gilt als Meister des Horrors und diesem Ruf wird er mit dem Remake "Das Ding aus einer anderen Welt" einmal mehr gerecht. Da es zum guten Ton gehört, sei es hier einmal kurz abgehakt: Carpenters "The Thing" ist tatsächlich ein Remake des Films "The Thing From Another World" von Christian Nyby aus dem Jahre 1951 und hat - wie auch das Original - erstaunlich viele Ähnlichkeiten zu Ridley Scotts "Alien" - eine einsame Location, ein unbekanntes Wesen, klaustrophobische Enge - ist aber doch irgendwie anders und vielleicht auch genauso genial. Denn gerade in einer Kategorie lässt Carpenters Film wohl jeden anderen Film dieser Zeit hinter sich: die Visual bzw. Creature Effects. Kein anderer Film bannt so verstörende, brachiale, eklige und gleichwohl faszinierende Bilder in einer solchen Perfektion auf die Leinwand wie Carpenters "Ding aus einer anderen Welt". Carpenter schafft in diesem Film eine außergewöhnliche Atmosphäre. Sie ist bedrückend, fast immer bedrohlich, ja, eigentlich immer irgendwie unangenehm. Es ist kein "The Fog", der sich sehr gefällig und in einigen Momenten sogar recht Mainstreamartig dem Horror hingibt.


Das liegt einerseits an dem langsamen Erzähltempo und andererseits am grandiosen Spiel mit der Unwissenheit des Zuschauers. Bezeichnend hierfür ist, dass dies spannendste Szene des Films fast ohne Schockmoment auskommt. In dieser Szene werden Blutproben der einzelnen Anwesenden überprüft um festzustellen, in welchem sich das Ding eingenistet hat. Diese Szene ist musikalisch brillant untermalt, toll gefilmt und mit einer stoischen Ruhe inszeniert. Und apropos Musik: kaum einer hätte wohl eine solche perfekte Untermalung hinbekommen als Meister Ennio Morricone, der sich auch mit diesem seiner Soundtracks ein Denkmal setzte. Mal ruhig, mal anschwellend und unangenehm, mal stakkato-artig und schnell - immer findet der Meister das richtige Tempo, um die Spannung auch akustisch hoch zu halten.

Inhaltlich mag man dem Film vielleicht etwas Flachheit vorwerfen können und auch die Charakterzeichnung offenbart sich erst mit der Geschichte, denn bis auf ein kurzes Intro weiß man eigentlich gar nicht so recht, warum und weshalb. Aber das ist auch nicht wirklich nötig und wenn man die Story mal außen vor lässt, offenbart der Streifen viel mehr, als es oberflächlich den Anschein hat. Denn der Knackpunkt ist eben nicht die Story; vielmehr geht es um den psychischen Verfall der Protagonisten. Es sind Männer, die abseits der Zivilisation leben, abseits der gewöhnlichen Normen und Rangordnungen. In dieser isolierten Gesellschaft hält der Wahnsinn Einzug und mit ihn kommt eine neue Hierachie. Hier gilt das Recht des Stärkeren, der Mensch wird in den Naturzustand zurückversetzt und diesen inszeniert Carpenter erstaunlich ambivalent. Einerseits zeigen sich faschistoide Ansätze, andererseits erhöht diese neue Hierarchie die Überlebenschancen derjenigen, die sich unterordnen.


"Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf", sagte Machiavelli, und das findet sich auch in diesem Film wieder. "Das Ding aus einer anderen Welt" ist eigentlich nichts anderes als die Verkörperung der schlechtesten Eigenschaften des Menschen: Hass, Zwietracht, Misstrauen. Der Mensch ist sich eben selbst sein schlimmster Feind. An einer Stelle wird ein Unschuldiger getötet, nur weil er sich falsch verhält. Ideologiekritik, aber nicht Ideologieächtung sind Bestandteil von vielen von Carpenters Werken und das findet sich auch hier wieder.

"The Thing" ist ohne Zweifel ein zeitloser Klassiker, der mit jeder weiteren Sichtung besser wird und auch immer wieder für eine eiskalte Atmosphäre sorgt. Grund hierfür ist die doppelte Bedrohung, die von dem ausserirdischen Organismus ausgeht, denn einerseits kann dieser jeder Zeit selbst zuschlagen, sich aber auch in jeden einzelnen der Expeditionsmitglieder einschleichen, was für unglaubliche Spannung sorgt. In der schauderhaften Stimmung und den wunderschönen Bildern innerhalb der Station, wie auch von der Natur des Südpols beweist Carpenter sein ganzes Talent. In Kombination mit dem intensiven Soundtrack, einem Kurt Russell in Bestform und dem perfekten Ende ergibt sich hier ein Leckerbissen, den sich kein Filmfan entgehen lassen sollte.

"The Thing" ist wahrlich einer der wenigen wirklich großartigen Horrorstreifen.

9/10