Donnerstag, 31. Dezember 2015

War Horse - Gefährten (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1568911/

Farmersjunge Albert (Jeremy Irvine) hat in seinem jungen Pferd Joey einen wahren Freund gefunden. Als jedoch der Erste Weltkrieg ausbricht, werden die beiden voneinander getrennt. Joey wird an die Armee verkauft und soll an der Front die grausamen Auswüchse des Krieges miterleben. Schnell wird das Fohlen zum Liebling der Soldaten, die jede noch so kleine Ablenkung von den blutigen Kämpfen nur allzu gut vertragen können. Doch Joey sehnt sich nur nach einem - zurück zu seinem Hof in England und seinem geliebten Albert. Welch Glück, dass auch Albert sein Pferd um jeden Preis wiederhaben will: Obwohl er für den Dienst an der Waffe zu jung ist, macht er sich auf nach Frankreich, um seinen Freund zu retten.

Fesselnde Bilder, gute Schauspieler und stimmungsvolle Musik lassen den Zuschauer in eine wunderschöne, berührende Geschichte eintauchen. Wie nicht anders zu erwarten, ist "Gefährten" ein handwerklich einwandfreier Film von Meisterregisseur Steven Spielberg, der ganz genau weiß, wie er eine Geschichte zu erzählen hat. Dennoch wird "Gefährten" in der Vita des großen Regisseurs sicherlich keinen herausragenden Platz einnehmen, weil das Werk doch recht überraschungsarm und konservativ inszeniert wurde, was aber sicherlich auch der literarischen Vorlage geschuldet sein dürfte. Und wer für Pferde wenig übrig hat wird für diesen Film vermutlich ebenso nicht viel übrig haben, wobei es hier ja auch weniger um das Tier selbst, sondern um die Bindung zwischen dem Menschen und selbigem geht.

Positiv hervorzuheben ist, dass sich "Gefährten" viel Zeit nimmt, um der Geschichte eine gewisse Tiefe zu verleihen und die Charaktere sorgsam einzuführen. Hier arbeitet Spielberg sicherlich in der Tradition alter Meister der dreißiger und vierziger Jahre und lies sich offensichtlich auch hinsichtlich der Farbdramaturgie inspirieren. Gerade die Farbgebung am Ende erinnert doch sehr an Victor Flemings "Vom Winde verweht". Abgesehen davon ist die Geschichte recht episodenhaft erzählt und obwohl der Film mit einer Länge von annähernd 150 Minuten recht lang ist, bleiben für die wechselnden Besitzer des Pferdes oftmals nur Minuten, um prägende Charaktereingeschaften und Lebensgewohnheiten herauszuformen. Die Komprimierung von Charakteren ist gemeinhin schwierig und es ist festzustellen, dass dies Spielberg nicht immer gut gelingt. So bleibt manches oberflächlich und zuweilen klischeebeladen wie etwa der herrische Großgrundbesitzer oder die fahnenflüchtigen deutschen Soldaten, über die man nur wenig erfährt. Auch die Kriegsszenen selbst gelingen Spielberg nicht so gut wie etwa in "Der Soldat James Ryan".


Aber auf eine berührende Art und Weise zeigt der Film, wie wichtig Beziehungen bzw. das soziale Umfeld ist - dennoch erreicht "Gefährten" nie die bedrückende Atmosphäre von Filmen wie "Wege zum Ruhm" oder "Im Westen nichts Neues", die den Grabenkrieg auf eindringliche Art und Weise schilderten. Vermutlich war es auch gar nicht Spielbergs Intention, die Aufmerksamkeit zu sehr auf das Kampfzenario zu lenken, um das Zielpublikum nicht zu sehr mit den Gräueln des Krieges zu verschrecken. Folglich setzt sich "Gefährten" natürlich der Gefahr aus, weder als Kriegsfilm noch als Drama richtig überzeugen zu können. Spielberg gelingt somit die schmale Gratwanderung zwischen kitschiger Jugendbuchverfilmung und Kriegsfilm nicht ganz. Vieles bleibt gefällig und weniges nachhaltig in Erinnerung - von Realismus in manchen Szenarien mal ganz zu schweigen. Denn so rührselig ich die Abfolge nach der Flucht Joeys und dessen Verwicklung im Stacheldraht finde, genauso blödsinnig und geradezu albern finde ich die Begegnung der beiden feindlichen Soldaten im Morgennebel, die die Waffen fallen lassen um dem Pferd zu helfen und dann noch mit einer Münze zu knobeln, wer denn nun das Tier mitnehmen darf.

Spielberg versucht nicht nur damit seine ganz einige und bekannte Art Emotionalität zu wecken, aber irgendwie ist ihm dies schon einmal besser gelungen als in "Gefährten", der den Zuschauer spätestens ab dann - obgleich des starken Beginns - erstaunlich kalt lässt.

7/10