Sonntag, 6. Dezember 2015

The Usual Suspects - Die üblichen Verdächtigen (1995)

http://www.imdb.com/title/tt0114814/

Eine Schießerei nebst anschließender Explosion fordert im Hafen von Los Angeles dutzende Todesopfer. Die Hintergründe sind für die örtlichen Behörden völlig unklar. Astronomische Geldsummen, schwer bewaffnete Gauner – alles deutet auf einen Drogendeal im großen Stil hin. Alles, bis auf die Tatsache, dass am Tatort keinerlei Drogen gefunden wurden. Zollinspektor Dave Kujan (Chazz Palminteri) erhofft sich von den Vernehmungen der beiden einzigen Überlebenden des Massakers, ein osteuropäischer Koma-Patient und der halbseitig gelähmte Kleinganove Verbal Kint (Kevin Spacey), Informationen zur Lösung des Rätsels. Stück für Stück erschließt sich Kujan bei der Befragung Kints ein komplexes Puzzle aus Verrat, Erpressung, Korruption und Mord, in dessen Mittelpunkt die Verbrecher Dean Keaton (Gabriel Byrne), Todd Hockney (Kevin Pollack), Michael McManus (Stephen Baldwin), Fred Fenster (Benico del Toro) und Kint selbst stehen. Kujan stößt auf heikle Fragen: Wer ist der Auftraggeber des schleimigen Anwalts Kobayashi (Pete Postlethwaite)? Steckt in dem Unterweltmythos vom alles kontrollierenden Obergangster Keyzer Soze vielleicht doch ein Funken Wahrheit...?

"Who is Keyser Soze?"

Genau das ist die Frage. "The Usual Suspects" oder "Die üblichen Verdächtigen" ist zweifelsohne das filmische Meisterwerk von Bryan Singer. Man darf diesen Streifen getrost als großartig beschreiben, in vielerlei Hinsicht, allein stilistisch ist der Film über allen Zweifel erhaben: Inszenierung, Kameraführung, Bilder und Musik sind sicherlich brillant, ein absoluter Genuß. Die schwarze Komödie, der Twist, die Handlung und letztlich die Schauspieler tun ihr übriges. Singer schuf mit "The Usual Suspects" einen geschickten und perfiden Thriller, der mit den Erwartungen und Seherlebnissen des Zuschauers spielt. Nichts ist so wie es scheint und man muss selbst suchen was stimmt oder nicht. Und hier ist auch gleich die Quintessenz des Films: er spielt mit der Haltung des geneigten Zuschauers und lässt ihn mit Staunen und offenen Augen zurück. Denn die Realität ist nicht die, die sie vorgibt zu sein.

Geprägt durch Sprache, Bilder und möglichen Assoziationen, die nicht das sind was sie zu sein scheinen. Jeder ist anders. Jeder Blick eines jeden Menschen ist anders. Man sieht immer das was man sehen will, und doch ist alles anders. Singer spielt mit dem Blick auf die Dinge und lässt den Zuschauer im Grübeln zurück, ob nicht die Sachen die wir sehen doch anders sind. Selten hat man solch ein Werk gesehen, welches man sich sicher auch in 50 Jahren noch ansehen kann und stets etwas Neues entdeckt. Filme wie diese überdauern die Zeit. Und um das zu schaffen muss man schon ein Könner seines Fachs sein. Als Thriller liefert der Streifen dabei dem Zuschauer zwar bereits alles was man als Konsument nur verlangt oder braucht, denn "The Usual Suspects" bietet nicht nur eine gut konstruierte Geschichte, sondern auch viel Spannung, hervorragende Dialoge und fantastische Schauspieler, allen voran natürlich Kevin Spacey in der tragenden Rolle des behinderter Trickbetrüger Verbal Kint, für die er völlig zu recht den Oscar erhielt. Er spielt seine Figur sehr intensiv und überzeugt in seiner Rolle durch und durch. Dazu sind seine Nebendarsteller Chazz Palminteri, Kevin Pollack, Benicio Del Toro, Gabriel Byrne bis hin zu Pete Postlethwaite durch die Bank weg gut gewählt; allesamt liefern ohne Abstriche eine hervorragende Schauspielkunst ab. Ja man kann sagen, dies ist, obleich er erst 20 Jahre alt ist, ein moderner Klassiker. Weil er viele beeinflusst hat und die Zuschauer bis heute begeistern kann.

Und beim ersten Mal ist der Film auch ganz klar ein absoluter Knaller, herausragendes Ende und besetzt mit den besten Schauspielern, die es zu dieser Zeit gab. Aber was bleibt, wenn man den Ausgang der Geschichte bereits kennt oder man womöglich diesen grandiosen Twist erahnen konnte? Eben leider kein 10 Punkte-Meisterwerk, denn das Ende trägt diesen Film in gewisser Weise und mit dem Wissen, wie er ausgeht, verliert er durchaus eine Winzigkeit an Reiz. Dies mindert natürlich in keinster Weise die guten schauspielerischen Leistungen oder ähnliches, aber eben einer der wichtigsten Sachen an einem Film - den Unterhaltungswert.

9/10