Freitag, 6. November 2015

[KINO] Spectre - James Bond 007: Spectre (2015)

http://www.imdb.com/title/tt2379713/

Geheimdienst-Chef M (Ralph Fiennes) gerät unter Druck. Max Denbigh (Andrew Scott), der neue Leiter des Centre for National Security, zweifelt an der Relevanz des MI6 – und an der des besten Mannes im Hause: James Bond (Daniel Craig). 007 ist gerade wieder auf einer nicht genehmigten Solo-Mission unterwegs, in Mexiko City, nachdem er eine kryptische Nachricht aus seiner Vergangenheit erhielt. Danach trifft er in Rom Lucia Sciarra (Monica Bellucci), die hübsche, eiskalte Witwe eines berühmten Kriminellen, mit deren Hilfe er einer finsteren Geheimorganisation namens "Spectre" auf die Spur kommt. Bond bittet Moneypenny (Naomie Harris) und den Technikexperten Q (Ben Wishaw), ihm dabei zu helfen, die Tochter seines alten Erzfeindes Mr. White (Jesper Christensen) aufzuspüren: die Ärztin Madeleine Swann (Léa Seydoux). Nur sie hat die entscheidende Information, das Mysterium hinter Spectre zu lüften und den mysteriösen Mann (Christoph Waltz) dingfest zu machen, der an der Spitze steht…

Zugegeben - nach dem grandiosen "Skyfall" war es tatsächlich sehr schwer für Regisseur Sam Mendes noch einen weiteren bombastischen Craig-Bond-Streifen abzuliefern. Doch "Spectre", der mittlerweile vierte Ausflug von Daniel Craig als Doppelnull-Agent im Geheimdienst ihrer Majestät vereint tatsächlich als erster der neuen Reihe alle klassischen Elemente eines Agentenfilms. Dazu gehören abwechslungsreiche Schauplätze, ein überlebensgroßer Superschurke, dessen physisch beeindruckender Handlanger und eine Geheimbasis am Ende der Welt, ein ansprechendes Bondgirl, beachtlich viel trockener Humor, M plus Q plus Moneypenny, technische Spielerein inklusive einem schicken Auto und natürlich ein Schuss britischer Humor. Dies alles versprüht massenhaft Retro-Charme, während die Action zeitgemäß-furios inszeniert bleibt.

Nach einer wirklich perfekten Anfangs-Sequenz beim "Tag der Toten" in Mexico, die wirkt, als wäre sie aus einem Guss, verflacht "Spectre" aber leider zunehmend aufgrund eines etwas zu holprigen Drehbuchs, welches einmal zu oft den einfachen Ausweg (Die Uhr, wirklich?) wählt, hanebüchener Vergangenheits-Erklärung bzw. -Umdeutung, einem etwas stereotyp aufspielenden Christoph Waltz, der seine gewohnte Dauerrolle mittlerweile im Schlaf spielen und deshalb den Film nicht zu einem Meisterwerk erheben kann, da er auch kaum für Überraschungsmomente sorgt. Dazu kommt ein teilweise ziemlich gelangweilt wirkender Daniel Craig. Die beiden Damen sind dafür gut: Léa Seydoux ist als neues Bondgirl vielleicht kein Supermodel, dafür aber wirklich überzeugend in ihrer Rolle und Naomie Harris ist immer noch eine wirkliche Bereichung in ihrer Rolle als Moneypenny. Lediglich Monica Bellucci war verschenkt. Ralph Fiennes ist ja eigentlich in jeder Rolle top, so auch hier - und Ben Whishaw als Q war wirklich toll, bekam etwas mehr Screentime und konnte so sein Talent unter Beweis stellen - in "Spectre" wirkt er allerdings immer noch etwas unterfordert.

Insgesamt wirkt die ganze Besetzung aber auch zufrieden damit, dass hier alles lediglich bessere solide Kost ist. Den Drang verspüren, einfach etwas mehr geben zu wollen, schimmert nur sehr selten durch. Leider nimmt der Trailer darüber hinaus auch noch viele Handlungsstränge vorweg und lässt den Zuschauer so den Lauf der Handlung in gewisser Weise vorausahnen - schade, denn bei zweieinhalb Stunden Laufzeit hätte man sich dann doch deutlich mehr erhofft. Nicht, dass etwa Langeweile aufkommt - der Film verfliegt geradezu - aber trotzdem fehlt das gewisse Etwas, was einen nach dem Kinobesuch völlig zufrieden aus dem Saal kommen lässt. Was den Mythos James Bond ausmacht ist nämlich  seine Verwundbarkeit, bedingt durch Arroganz oder das gute Herz, er ist seinen Gegnern gleichzeitig einen Schritt voraus und einen hintendran, und hat im Zweifelsfall immer die nötige Portion Glück. Der Inbegriff dessen was ein jeder Mann träumt. Die Couchlandung zu Beginn stellt ebendies unter Beweis und zeigt, dass zwischen einem gelungenen One-Liner und unpassendem Slapstick ein deutlicher Unterschied besteht.

Diese Zwiespältigkeit zieht sich durch die ganze Story. Es ist das alte Dilemma und dieser Teil tut sich damit etwas schwerer als seine direkten Vorgänger, er will sich nicht recht entscheiden, ob er "Bourne" oder "Mission: Impossible" sein will. Entsprechend reicht ein Superschurke alleine nicht mehr als Bedrohung aus, in moderner Manier muss das ganze System hinterfragt werden. Nötig hätte ein Franchise wie das des Doppelnull-Agenten das natürlich kaum, aber um etwas wirklich Beeindruckendes zu erschaffen fehlt es hier merklich an Mut. Was schade ist, denn die Rezeptur funktioniert nach wie vor. Nur der Ton, welchen der starke Trailer anschlägt, wird nicht recht getroffen.

7,5/10

Exklusiv bei MediaMarkt gibt es den Film im limitierten Steelbook. Schlicht, schwarz, mit dem "Spectre"-Logo und ganz geschickt vorn und hinten geprägt. Dazu gibt es nur hier eine Bonus-Blu-ray mit haufenweise Extras.