Freitag, 30. Oktober 2015

Sweet Home (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3477752/

Alicia (Ingrid García Jonsson) ist eine junge Immobilienmaklerin und als solche inspiziert sie gelegentlich neue Objekte. Bei solch einer Gelegenheit entdeckt sie einen heruntergekommenen Wohnblock, der in Kürze verkauft werden soll. Das alte Gemäuer versetzt sie sogleich in eine romantische Stimmung. Vor dem Hintergrund der morbid-malerischen Atmosphäre kommt ihr eine Idee: Dort könnten sie und ihr Freund Simon (Bruno Sevilla) seinen Geburtstag feiern und sich bei Wein und Kerzenlicht näher kommen. Doch die geplante Liebesnacht der Turteltauben findet ein schnelles Ende, als das Paar den letzten Mieter ermordet vorfindet. Damit wird ein Rad des Schreckens in Gang gesetzt, denn die Mörder sind noch in dem verlassenen Haus und haben die Türen verschlossen. Schnell verfallen die beiden in Panik und suchen fieberhaft nach einem Ausweg aus dem tödlichen Labyrinth voller Treppen, Fluren und Zimmern. Dabei werden Simon und Alicia unerbittlich vom Liquidator verfolgt.

"Sweet Home" ist Zwangsräumung mal auf andere Art und Weise und pure Gentrifizierung mit Axt und Messer. Dass aus Spanien in jüngster Vergangenheit immer wieder mal gute Horrorstreifen in die Kinos kommen liegt nicht etwa an einer neuartigen Story, positiv ist in erster Linie fats immer das atmospherische Setting. Wie schon bei seinem großen Genre-Vorbild "[REC]" ist das Wohnhauses inklusive Keller einfach optimal für so ein blutiges Schauspiel. Zudem gefällt die Hauptdarstellerin und auch die Kritik am Neoliberalismus unserer Zeit klingt durch. All das reicht bereits aus, um die Bewertung ordentlich zu gestalten. Mit zufriedenstellender Spannung, ordentlich Sepia-Filter auf der Linse und funktional-kräftigen Score bringt der spanische Regie-Debütant Rafa Martínez in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm eine geradlinige Fingerübung des Terrorfilms auf die Leinwand. In Ort, Zeit und Handlung glücklicherweise auf das Wesentliche verdichtet, wird standardisiertes, konstruiertes und konzentriertes Horrorkino inszeniert.

Das Katz- und Maus-Spiel gewinnt dabei sicherlich nicht den Innovationspreis aber wie hier brutal, spannend und knackig Inhalt mit Tempo ausgetauscht wird ist auf jeden Fall hübsch anzusehen und dazu noch mit ausdrucksstarken wie wirkungsvollen Bildern garniert. Die Kills sind teilweise äusserst blutig , und sogar der "Hauptkiller" ist gelungen dargestellt, dennoch ärgert erneut der Dilettantismus der ersten drei Hausräumer irgendwann etwas und man wird das Gefühl nicht los, als ob dies extra unfreiwillig so inszeniert war. Auch verliert man etwas die Orientierung (was vielleicht auch so gedacht war), wenn mit etwas verwirrenden (Gesprächs-)Situation rund um Fahrstühle, Türen, Schlüsseln und Stockwerken die Szenerie unterbrochen wird. Trotzdem ist "Sweet Home" alles in allem ein gelungener Beitrag im Home-Invasion-Genre, bei dem gerade Fans gerne mal einen Blick riskieren dürfen.

7/10

Als Limited Mediabook erschien der Film von splendid.