Samstag, 5. September 2015

Run All Night (2015)

http://www.imdb.com/title/tt2199571/

Unter dem Spitznamen "Totengräber" war er einst eine Legende in der Unterwelt, aber diese glorreichen Tage liegen lange zurück. Profi-Killer Jimmy Conlon (Liam Neeson) ist in die Jahre gekommen, seine enge Freundschaft zum Paten Shawn Maguire (Ed Harris) ein verstaubtes Relikt vergangener Tage – die aktuellen zerfließen im Alkohol. Ein verhängnisvoller Zwischenfall bringt die beiden Männer eines Tages jedoch wieder zusammen. Als Maguires Sohn Danny (Boyd Holbrook) versucht, Conlons Sohn Mike (Joel Kinnaman) zu töten, geht der alte Killer dazwischen, erschießt Danny und macht sich seinen ehemaligen Freund Maguire so zum Feind. Eine Auseinandersetzung nimmt ihren Lauf, die der Polizei nicht verborgen bleiben kann, vor allem nicht dem hartnäckigen Detective Harding (Vincent D'Onofrio). Maguire will Conlon tot sehen, vorher aber dessen Familie ausradieren. Ganz oben auf der Abschussliste steht Sohn Mike. Conlon setzt alles daran, dies zu verhindern und Mike, so gut es geht, aus allem rauszuhalten. Für ihn steht fest: Das Blut, das bald fließen wird, soll nur an seinen Händen kleben – und das Duell mit Maguire in einer Nacht entschieden sein...

Es ist kaum zu glauben, dass Liam Neeson mit diesem Film zum siebten - wenn ich nicht verzählt habe - Mal eine völlig identische Person in einem identischen Szenario spielt. Seine Figur ist meistens bemitleidenswert oder betrunken - oder beides zusammen. Was man selbst auch immer von dieser Karriere/Entwicklung halten soll oder mag. In "Run All Night" wird nun die Geschichte von "Road To Perdition" fast 1:1 aufgegriffen und in die heutige Zeit transportiert. Damit wandelt der Film nicht nur durch die Story auf nahezu durchgehend bekannten Pfaden. Immerhin leistet er sich aber auch auf dem Weg zum offensichtlichen Ziel keine groben Schnitzer. Er macht das richtig, was viele seiner Genrevertreter falsch machen. Die Story ist zwar bekannt, simpel und gradlinig, das Drehbuch bzw. die Dialoge wissen allerdings gut zu gefallen. Erwähnenswert ist noch die Regiearbeit, denn die ist ausgesprochen gut. Die Atmosphäre wird hervorragend eingefangen, garniert mit einigen ziemlich coolen Bildern.

Die Kamera verdient indes ein Sonderlob, eine wirklich starke Arbeit, mit teils grandiosen "Spielereien". Generell ist der Film zumindest optisch über jeden Zweifel erhaben. Und Liam Neeson, der alte Haudegen ist mittlerweile einfach eine Bank für derartige Action-Streifen. Der Cast war im Allgemeinen überdurchschnittlich, sogar kleinste Nebenrollen sind mit Vincent D'Onofrio, Nick Nolte oder Bruce McGill namhaft besetzt. Und Ed Harris ist immer noch in seiner Rolle als fieser, durchtriebener Gauner zu Hause, das hat er einfach drauf.

Und doch fehlt dem Film am Ende irgendetwas. Vielleicht hat man sich an den Darstellungen von Liam Neeson sattgesehen, taucht er doch immer wieder in nahezu identischen Rollen auf der Leinwand auf. Aber sei's drum. "Run All Night" ist ein Film der auf seine Weise sehr gut unterhalten kann, sein namenhafter Cast, sein Noir-Touch und die handgemachte Action retten dem Streifen den Hintern, denn trotz der teils lahmen Geschichte, bleiben Qualität und Unterhaltungswert dadurch erhalten. Meilenweit von einem Meisterwerk entfernt, aber trotz seiner (in erster Linie inhaltlichen) Schwächen immernoch ein guter Actionthriller.

6,5/10

Exklusiv bei Saturn und MediaMarkt gibt es den Film auch im schicken, limitierten Steelbook: