Donnerstag, 3. September 2015

Ex Machina (2015)

http://www.imdb.com/title/tt0470752/

Der 26-jährige Caleb (Domhnall Gleeson) arbeitet als Web-Programmierer in einem großen Internetkonzern. Als er ein firmeninternes Gewinnspiel mit Bravour meistert, besteht Calebs Preis darin, seinen obersten Vorgesetzten, den öffentlichkeitsscheuen Konzernchef Nathan (Oscar Isaac), auf dessen abgelegenem Grundstück in den Bergen besuchen zu dürfen. Doch Caleb ist nicht der schönen Aussicht wegen in das Refugium eingeladen worden. Schnell wird ihm klar, dass seine Anwesenheit Teil eines faszinierenden Experiments ist. In seinem Domizil beherbergt Nathan nämlich die weltweit erste Künstliche Intelligenz: den weiblichen Roboter Ava (Alicia Vikander), mit dem Caleb kommunizieren und eine Verbindung aufbauen soll. Schon bald geraten er, Nathan und Ava in ein gefährliches Dreieck aus Liebe, Eifersucht und Misstrauen...

"Ex Machina". So schlicht, gleichzeitig visuell berauschend und elegant kann Science-Fiction sein. Und damit sei nicht (nur) das technologische Objekt der Begierde gemeint, sondern ganz allgemein das Regiedebüt des im Genre schon ziemlich bewanderten Alex Garland, der ganz offensichtlich nicht nur das Drehbuchschreiben zu beherrschen scheint. "Ex Machina" ist ein fast schon kammerspielartiges Gedankenspiel ob der Vorzüge und Gefahren einer künstlichen Intelligenz - die allgemeinen Fortschritte in diesem Bereich zeigen, wie aktuell diese Debatte noch werden wird. Das Thema KI selbst ist damit im Kino sicherlich nicht ganz neu hochgekommen, doch zeigt diese hier zusammengeführte, eigenwillige Personenkonstellation einige herausgestellte Aspekte geschlechtskritischer und philosophischer Natur, über die es auch lange nach dem Film noch nachzudenken lohnt. Das fängt an mit dem Silicon-Valley-ähnlichen, klinisch-visionären Unternehmergeist beim Herrn des Hauses Nathan und geht fortan bis in die dunkelsten Grenzbereiche, in denen sich der Mensch noch vom Roboter zu unterscheiden vermag. Man ertappt sich alsbald bei der Frage, 'ist das noch real?' 'Ist er vielleicht nur eine Maschine?'. Dabei trägt das Setting einen nicht unerheblichen Teil zu diesem beim Zuschauer hervorgerufenen Misstrauen bei. Allein das Anwesen an sich ist der Gipfel des Minimalistischen. Die ultrasterile Szenerie gepaart mit der wortwörtlichen Verschmelzung der Natur und den minimalen aber makellosen CGI-Effekten der künstlichen Intelligenz machen den Film nahezu zeitlos. Dazu gesellt sich noch gelegentliche Spielerei mit Licht und Schatten, sowie ein atemberaubender Score.


Auch Schauspielerisch ist dieser Film ein Genuß. Domhnall Gleeson liefert eine grandiose Leistung ab aber vor allem Oscar Isaac ist es, den man hervorheben muss. Er spielt sich langsam aber sicher in die ganz große Charakterschauspieler-Liga eines Christian Bale oder etwa eines Gary Oldman und scheint in die Rollen nur so einzutauchen. Alicia Vikander erinnerte mit ihrer zierlichen Person aber unglaublich ausdrucksstarken Mimik an die bezaubernde und leider fast völlig von der Leinwand verschollene Natalie Portman.

"Ex Machina" wandelt definitiv in den Fußspuren von "Blade Runner", kommt aber wesentlich kompakter daher. Während "Blade Runner" noch als reiner Sci-Fi Film funktioniert, so überschüttet "Ex Machina" den Zuschauer von Anfang bis Ende mit inhaltsgetränkten und philosophischen Dialogen. Lange Kamerafahrten, das Setting und diverse Duellgleiche Dialogszenen der Schauspieler fräsen sich in den Verstand und pflanzen dort Ideen, die zu gewaltigen Gedankenstürmen heran wachsen können. Doch selbst wenn man den geistreichen Subtext des Ganzen außen vor lässt, gelingt es Regisseur Alex Garland mit seinem Erstlingswerk(!!!) ein sehr spannendes, authentisch gespieltes, optisch ansprechendes und mit seinen denkwürdigen Konversationen sehr freches Genrewerk zu kreieren, welches mit seiner überraschend-interessanten Entwicklung den Zuschauer irgendwann genauso um den Finger gewickelt hatte wie manchen Charakter in dieser (hier passt wohl das Modewort umso mehr) 'smarten' Designervilla im idyllisch-grünen Nirgendwo. Eine ganz große Empfehlung.

8,5/10

Auch als "Limited Edition" im geprägtem Steelbook und silberner Lackierung erhältlich.