Freitag, 11. September 2015

Aliens - Aliens: Die Rückkehr (Kinofassung) (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0090605/

57 Jahre sind vergangen, als Ripleys Fluchtkapsel, mit der sie von Bord der Nostromo flüchtete, zufällig durch ein Sicherheitssystem der Gesellschaft treibt. Noch immer hat sie Albträume, noch immer den Schrecken im Hinterkopf, als das Alien ihre gesamte Crew vernichtet hat. Und nun, nachdem sie vergeblich versucht hat, die Oberhäupter der Gesellschaft von der Existenz dieser Wesen zu überzeugen und Menschen seit 20 Jahren auf LV-426 leben und arbeiten, bricht der Kontakt just in dem Moment zu dieser Kolonie ab. Ganz schön konstruiert, oder? Passt aber wunderbar, denn nun muss sich Ripley (wieder einmal mehr perfekt als Powerfrau: Sigourney Weaver) erneut den fiesen Säurespuckenden Viechern stellen. Dieses Mal sind aber auch noch ein gutes Dutzend USC Marines dabei, die mit einem ganzen Arsenal an Waffen in den errichteten Komplex von LV-426 gehen.

Nach dem etwas besseren Director's Cut des Films hier nun mal seit langer Zeit die Urform des Horrorepos - die Kinofassung. "Aliens" hat irgendetwas, was einen nicht los lässt und den Film immer und immer wieder sehenswert macht. Sei es das Design der Bodenstation, die grandiosen Hauptcharaktere, allen voran natürlich Ellen Ripley, oder die Horden an Aliens, welche den zum Einsatz gerufenen Marines ans Leder wollen... was soll man da schon schreiben? An Dramaturgie und Spannung kaum zu überbieten ist "Aliens" eben ein filmisches Meisterwerk, welches dem ersten Teil in gewisser Hinsicht locker die Show stiehlt. Natürlich gilt das Geschriebene im Review zum "Director's Cut" uneingeschränkt, aber natürlich ist die Kinofassung als "Ursprungsfassung" einfach besser im Gedächtnis geblieben. Nach wie vor regiert in "Aliens", wie im ersten Teil, eine phänomenale atmosphärische Dichte, welche die Ausweglosigkeit und die klaustrophobische Enge nahezu greifbar macht. Wo sich der erste Teil jedoch durch seine Schockmomente und die langsam aufgebauten Spannungsbögen, hauptsächlich der Methoden des Horrorfilms oder Thrillers bedient, zieht der zweite Teil alle Register des Actionhandwerks. In "Aliens" erwarten Hunderte dieser säurespuckenden Viecher unsere Helden und machen aus dem leise zuschlagendem Mythos eine unbarmherzige Katastrophe, die keiner aufzuhalten vermag. Verfolgungsjagden, Feuergefechte, zynische Oneliner - das alles gibt es hier in Top-Qualität. Wenn man dann noch das nahezu perfekte Ende, mit dem Kampf gegen die Alien-Queenüber mehrere Runden hinzunimmt hat man einen der besten Actionfilme aller Zeiten, den man getrost in einem Atemzug mit "The Terminator" oder "Die Hard" nennen darf.

Was den Streifen jedoch noch großartiger macht, ist die Tatsache, dass der Stilmittel-Bruch und der damit verbundene Genre-Wechsel im Vergleich zum ersten Teil keinesfalls eine Schwäche, sondern vielmehr eine logische Konsequenz darstellt: Gab es im ersten Teil eben "nur" ein Alien (als ob das nicht gereicht hätte) und eine kaum bewaffnete, kleine Crew, gibt es nun zig Aliens und eine kleine, bis an die Zähne bewaffnete Armee. Zugegeben, viele Sequels verfahren nach diesem Muster. Die meisten davon haben jedoch keinen James Cameron in seinen besten Jahren, der genau weiß, was der Kern von Ridley Scotts Vorlage war. Nämlich Atmosphäre und eine alles überragende Ripley, für die der Kampf mit den Aliens immer mehr zur persönlichen Angelegenheit wird. Viele dieser "Höher-Weiter-Schneller-Fortsetzungen" verkommen leider all zu oft zu seelenlosen Materialschlachten ohne Substanz. Nicht so bei "Aliens". Hier gibt es ein solides Drehbuch, welches die Story des ersten Teils konsequent weiterspinnt. Hier gibt es, für einen Actionfilm, interessante Charaktere, wie den Androiden Bishop, der den Gegenpart zu Ash aus dem ersten Teil darstellt. Oder Burke, den profitgierigen, über Leichen gehenden Geschäftsmann. Alles, für Actionkino-Verhältnisse, sehr gut gezeichnete Figuren. Einige kleinere Mankos , welche eine Höchstwertung verhindern, findet man dann aber doch noch. So sind die Schnitte und die Kameraführung bei einigen der Feuergefechte doch etwas unübersichtlich und ungenau, sodass ich es teilweise etwas anstrengend fand dem Ganzen zu folgen.

Insgesamt gilt für den Film, der dem Ersten in nichts nachsteht, nur eben anders ist: bahnbrechend, großartig, genial. Ein sanfter Beginn, fast eine Hommage an die stillen Bilder des Originals, in den Sitz drückende Beschleunigung nach merklich mehr als einer Stunde und ein absolut gelungenes Finale voller Adrenalin. Fesselnd, spannend, mitreissend und nie langweilig. Nahezu perfekt.

9/10

Als exklusive und auf jeweils nur 1000 Stück limitierte Ausgabe erschien 2014 bei Zavvi in Großbritannien der Film in beiden Fassungen (Kinofassung und Special Edition) im geprägten Steelbook mit einem unglaublich schönen, weil schlichtem Artwork.