Sonntag, 9. August 2015

Under The Skin - Under The Skin: Tödliche Verführung (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1441395/

Eine außerirdische Lebensform kommt auf die Erde und nimmt das Aussehen einer jungen, verführerischen Frau (Scarlett Johansson) an, die sich fortan Laura nennt. Das geheimnisvolle Alien ist aus einem bestimmten Grund dort gelandet: Menschenfleisch gilt auf ihrem Heimatplaneten als Delikatesse und sie hat den Auftrag, für Nachschub zu sorgen. Zu diesen Zweck fährt sie mit einem Lieferwagen quer durch die schottischen Highlands und Städe, wo sie einsamen Männern auf Parkplätzen, in schmierigen Bars und dunklen Seitenstraßen auflauert, diese verführt und anschließend ermordet. Wenn die Herren realisieren, wie ihnen geschieht, ist es bereits zu spät. Allerdings kommen auch dem Alien in Gestalt der kühlen Schönheit irgendwann Zweifel an seinem Tun...

Regisseur Jonathan Glazer, dessen surreale Machart durch diverse Massive Attack und Radiohead-Musikvideos bekannt sein dürfte, liefert mit "Under The Skin" ein ganz in seinem Stile seltsames Werk ab. Und er serviert es dem Zuschauer mit roher Gewalt, nimmt sich einen Baseballschläger, schreibt klar und deutlich "Das ist Kunst!" darauf und knallt es dem Zuschauer vor den Schädel. Entweder man geht dann K.O. oder aber man bleibt etwas beschädigt stehen und schaut sich gespannt sein Sci-Fi-Irgendwas-Drama an. Gewagt, anders, minimalistisch still und realistisch, verstörend, sprachlos.

Schon der Anfang ist etwas ganz Besonderes, aber auch insgsamt ist "Under The Skin" ein wahrlich, sowohl visuell und akustisch, berauschender Trip. Unheimlich faszinierend, wie Scarlett Johannson hier ein männermordendes Alien in Menschengestalt spielt. Doch wie das gemacht wurde hat man so sicherlich noch nicht gesehen. Absolut befremdlich und einnehmend entwickelt der Film eine soghafte Wirkung, der man sich auf Dauer nur schwer entziehen kann. Erzählt wird hier... nichts. Doch wirklich verschlüsselt kommt der Film im Gegensatz zu vielen selbsternannten Arthaus-Filmen auch nicht daher. Ganz im Gegenteil. Am Ende ergibt alles Sinn und wirft unbewusst viele Fragen über uns Menschen auf. Das ist schon stark. Klar ist aber auch, dass der Film sicherlich nicht jeden ansprechen wird. Die Erzählweise des Films ist sehr langsam, nahezu behäbig und beinahelangatmig und man wird als Zuschauer oft im Regen stehengelassen, den man aber hier - wenn man sich darauf eingealssen hat - gerne erträgt.

Ein verstörender und komischer Psycho-Trip in die Tiefen der humaniden Bedürfnisse. Der Mensch ein entfremdetes Wesen das sich kaum noch von einem Alien unterscheidet. Und dabei so einfach gestrickt, das er auf eine originelle cinematographische Art, wieder rum einfach genial erzählt wird. Eine Poesie gegen die Oberflächlichkeit und über den spröden, leeren Hedonismus.

8/10