Sonntag, 2. August 2015

Poseidon (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0409182/

Der Luxusliner "Poseidon" wird auf der Fahrt nach New York von einer riesigen, fünfzig Meter hohen Monsterwelle überrollt. Das als unsinkbar geltende Schiff kippt zur Seite und treibt mit dem Kiel nach oben auf dem Meer. Einige hundert Menschen, die sich im abgeschotteten Ballsaal des Schiffes aufgehalten haben, überleben die Katastrophe. Obwohl der erste Offizier (Gabriel Jarret) die Passagiere bittet Ruhe zu bewahren und auf Hilfe zu warten, will der professionelle Glücksspieler Dylan (Josh Lucas) auf eigene Faust einen Ausweg suchen. Zusammen mit dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister Ramsey (Kurt Russell), seiner Tochter Jennifer (Emmy Rossum), ihrem Verlobten Christian (Mike Vogel), dem Architekten Richard Nelson (Richard Dreyfuss) und einigen anderen versucht Dylan der Todesfalle zu entkommen…

Erst ein dramaturgisch nachvollziehbarer, aber bescheidener Digitalshot, der das gesamte Schiff in seiner Größe und Schwere vorstellt, dann die egale Einführung von Reißbrettfiguren. Danach klatscht und knallt dann die fette Welle gegen das riesige Passagierschiff und Petersens Film gibt sich überraschend düster, zynisch, unpathetisch und aussichtslos. Nein, diesen Abgang hätte er nicht verdient gehabt. Und damit ist keineswegs so mancher Charakter in diesem Katastrophenfilm-Remake gemeint, sondern eher der Regisseur hinter diesem Projekt, der nach "Poseidon" bis heute noch keinen weiteren Film veröffentlicht hat. Dies sticht bei Betrachtung der Filmografie von Wolfgang Petersen, welche neben seinen bekannten Filme aus seiner späteren US-Zeit sogar bis in die Frühphase der Karriere zurückreicht, in der er für einige noch heute sehens- und entdeckenswerte Tatort-Episoden verantwortlich war erst recht ins Auge. "Poseidon" ist ein weiteres Abenteuer im tödlichen Nass nach "Das Boot" und "Der Sturm". Wieso er überhaupt diesen Stoff angerührt hat, nachdem das Original aus den 70ern absolut in Ordnung geht, kann entweder nur mit einer cineastischen Hochsee-Vorliebe oder der Demonstration von moderner CGI-Gewalt gedeutet werden.

Letztere gelingt zar ganz ordentlich, wenngleich sie eine gewisse Sterilität in den Bildern nicht kaschieren kann. Viel schlimmer sind jedoch die Figuren, die hier sich zum Überlebenskampf im gekenterten Luxusliner treffen. Sympathie zu entwickeln wirkt schwer bei einer solchen Haudrauf-Konstellation. Genau dies war jedoch eine große Stärke im Original, man denke nur an Gene Hackmans Rolle. Das ist dann wohl Schicksal, mit wem man in dieser Extremsituation eine Zweckgemeinschaft bilden muss. Da sich kein Schauspieler in diesem Fall mit Ruhm bekleckert hat, bleiben sie blass und nur wenig im Gedächtnis. Lediglich Josh Lucas und Kurt Russell geben dem 160 Mio. Dollar Spektakel dann aber doch die nötige Physis und bestechen in den dramatischen Tauchszenen. Und immerhin passiert auch ständig irgendwas, droht jederzeit das Ertrinken, womit das Pacing nie ganz Baden geht. Es bleibt beim wirklich blöden Finale, einem schalen Beigeschmack und der Erkenntnis, dass es keine Sünde war, diesem Film trotz seines Staraufgebots und des namhaften Regisseurs viele Jahre wenig Beachtung geschenkt zu haben.

5,5/10