Mittwoch, 22. Juli 2015

The Fugitive - Auf der Flucht (1993)

http://www.imdb.com/title/tt0106977/

Dr. Richard Kimble (Harrison Ford) ist ein angesehener Chirurg, der wegen angeblichen Mordes an seiner Frau vor Gericht kommt. Obwohl er seine Unschuld beteuert, bekommt er eine Verurteilung. Während des Gefangenentransports gelingt ihm mit Hilfe anderer Häftlinge unfreiwillig eine spektakuläre Flucht nach einem Zugunglück. Fortan jagt Kimble durch Amerikas Nordosten, mit dem Ziel den Mörder seiner Frau zu finden und die eigene Unschuld zu beweisen. Doch der US-Marshal Samuel Gerard (Tommy Lee Jones) ist ihm mit seinem Team unerbittlich auf den Fersen…

"Auf der Flucht" basiert lose auf dem Fall des Sam Sheppard, einem Mediziner, der Opfer eines Justizirrtums wurde und fälschlicherweise wegen Mordes an seiner (schwangeren) Ehefrau angeklagt wurde. Hier ist es Dr. Richard Kimble, perfekt gespielt von Harrison Ford, der "Auf der Flucht" vor U.S. Deputy Marshal Samuel Gerard (nicht minder brilliant: Tommy Lee Jones) ist. Es ist ein nahezu perfektes Katz-und Maus-Spiel; ein geniales Duell zwischen Jäger und Gejagten, Mann gegen Mann, eine perfekte Symbiose zwischen alljenem. Perfekt trifft es vielleicht nicht ganz, aber in diesem Fall mindestens erstklassig.

Er ist zudem der Beweis dafür, dass Serienverfilmungen ihre Daseinsberechtigung haben, denn der ging aus der 60er-Jahre Serie "The Fugitive" hervor.  An "Auf der Flucht" ist vieles bemerkenswert: am auffälligsten ist, dass man mit einem elementaren Rezept für einen guten Thriller gebrochen hat, dem grandiosen Bösewicht. Es braucht nämlich keinen. Denn hier geht es eigentlich nur um einen ständig rennenden und nervös über die eigene Schulter schauenden Harrison Ford und Tommy Lee Jones in der wohl besten Rolle seines Lebens. Seine Figur des Deputy Marshal Samuel Gerard ist eine der großartigsten Ermittlerfiguren, die das Thrillerkino je hervorgebracht hat. Tough, überlegt, knallhart, ironisch und gnadenlos kompetent. Neben ihm bleibt alles andere irgendwie unwichtig. So cool die Verfolgungsjagden auch sind, ist es doch das Psychoduell, das hier die entscheidenden Meter macht.

Zwei Männer. Ein perfektes Duo. Tommy Lee Jones jagt Harrison Ford. Ein Erlebnis. Das ständige Über-die-Schulter-Schauen des Harrison Ford, der so herrlich hilflos schauen kann und das halbe Grinsen einfach genial drauf hat und das bissige Gebahren von Jones, der durch Ronald Nitschke auch noch eine Stimme bekommt, die es absolut in sich hat. Da ist es beinahe nebensächlich, dass sogar Jane Lynch oder Julianne Moore in kleinen Rollen auftreten, dass bei der St. Patrick´s Day Parade die Verfolgungsjagd auf coole Weise entschleunigt wird und das gesamte Marshal-Team einfach grandios zusammengestellt wurde, allen voran Pantoliano und dass der Score von James Newton Howard das Tempo der Geschichte perfekt untermalt. Ein wunderbar stimmiger Thriller. Perfekt zusammengebaut, sehr überlegt besetzt. Davis Regie ist dazu noch grandios, einfach toll, unglaublich packend, sodass man nie von dem Film loskommt. Schön schnörkellos erzählt, ohne Stopps, hier gibt es Action und es wird oft temporeich und rasant. Erstklassig, mit einer passenden Mischung von Intelligenz, Schnelligkeit und Action. Dazu kommt noch eine exzellente Kamera, mit stark gefilmten Actionsequenzen. Zudem gäbe es auch noch recht gut geschriebene Dialoge, ein sehr hübsches Drehbuch, ein paar ordentliche Charaktere, sehr glaubwürdig gestaltet und durchaus auch tiefgründig, eine echte Seltenheit, die man an diesem Werk tatsächlich schätzen kann, noch dazu  gepaart mit ordentlichen Charakterzeichnungen.

"Auf der Flucht" ist sicher einer der besten Action-Thriller, da er alles enthält was für einen Thriller wichtig ist und wirklich bis ins kleinste Detail stimmt, von dem Duell Ford gegen Jones bis zur brillanten Inszenierung, stets hochspannend und fesselnd. Einfach gesagt: Ein Lieblingsfilm, immer wieder toll.

9/10