Donnerstag, 9. Juli 2015

김복남 살인사건의 전말 - Kim Bok-nam Salinsageonui Jeonmal - Bedevilled: Zeit der Vergeltung (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1646959/

Hae-won ist eine schöne, alleinstehende Frau in ihren Dreißigern, die in einer Bank in Seoul arbeitet. Sie führt ein hektisches Leben, bevor sie einen Mordversuch beobachtet. Als die Sache aus dem Ruder läuft, macht Hae-won Urlaub auf der Insel "Moo-do". Als Hae-won auf der Insel ankommt, ist sie geschockt, dass alle ihre ehemalige Freundin Bok-nam wie eine Sklavin behandeln. Als einzige junge Frau der Insel dient sie allen Männern als Spielzeug und allen älteren Frauen als kostenlose Arbeitskraft. Bok-nam bittet Haw-won um Hilfe, aber die kann sich nicht dazu entschließen, ihrer Freundin zur Flucht zu verhelfen, weil sie mit ihren Problemen in Seoul schon genug am Hals hat...

Cheol-so Jangs Debütwerk ist eine asiatische Version der Rape and Revenge-Thematik. Rachefilme gibt es ja so einige auf dem Markt und oftmals folgen sie dem gleichen Schema: Das in den meisten Fällen normale Leben einer Person wird durch ungewöhnliche Umstände - eigene Vergewaltigung, Missbrauch eines geliebten Menschen, Entführung, Mord - auf den Kopf gestellt und keiner kann oder will helfen. Als letzte Möglichkeit, Gerechtigkeit zu erfahren, wird die Selbstjustiz gewählt.

"Bedevilled" geht ähnlich vor - und doch anders. Auch hier gibt es ein einschneidendes Erlebnis, das zum Exzess führt, aber das bringt das Fass nur zum Überlaufen, denn schon zuvor ist Bok-nams Leben alles andere als normal oder gar schön. Seit ihrer Kindheit ist sie Opfer von Übergriffen, wird drangsaliert und sexuell reduziert. Regisseur Chul-soo Jang lässt sich Zeit, dieses Drama zu entfalten und stellt Bok-nam nicht einmal in den Mittelpunkt seiner Geschichte, sondern ihre Freundin, Hae-won. Die wohnt in Seoul, macht aber nach ein paar Problemen, unter anderem einem von ihr beobachteten gewaltsamen Übergriff auf ein Mädchen, in den sie nicht reingezogen werden möchte, erst einmal Ferien auf ihrer Heimatinsel, auf der ihre Freundin Bok-nam noch immer lebt. Bok-nam wird von den wenigen Bewohnern, ihrem Ehemann und dessen Verwandtschaft, gedemütigt wo es nur geht. Stoisch erträgt sie es, ist sie doch ihrer kleinen Tochter gegenüber verantwortlich. Als der Verdacht aufkommt, dass das Mädchen missbraucht wird, will Bok-nam flüchten, wird jedoch von ihrem Mann aufgehalten und verprügelt - unter den Augen der Verwandtschaft, die dafür auch noch Verständnis aufbringen. Als durch einen Unfall Bok-nams Tochter ums Leben kommt, bricht der letzte Grund, all das Unglück auf sich zu nehmen, für die misshandelte Frau weg. Während der Kartoffelernte unter der gleißenden Sonne erkaltet Bok-nam zusehends, bis der Punkt gekommen ist, an dem sich alles Unrecht in brutaler Gewalt kanalisiert.

Das klingt zwar bekannt, ist aber von daher besonders, da hier kein typischer Rachefilm vorliegt, sondern zum Großteil ein Drama, das ganz schön aufwühlt und bewegt - und erst nach und nach preisgibt, was alles hinter dem Ausbruch steckt. Dass die Verwandtschaft weg schaut und ihr nicht beisteht, ist für Bok-nam nicht neu. Aber auch Hae-won ist, das zeigt schon ihre Flucht aus Seoul, kein Stück besser. Dass sie schon als Kind zugesehen, aber nicht eingegriffen hat, als Bok-nam zum Opfer wurde, kommt erst viel später ans Licht. Chul-soo Jang reduziert die Geschichte somit nicht auf schlichte Selbstjustiz, sondern stellt Fragen, die von immensem Wert sind: Wie viel Demütigung kann ein Mensch ertragen? Wie ist es um die Zivilcourage bestellt? Wie in Rachefilmen üblich, bringt man als Zuschauer Verständnis für die Taten der misshandelten Person auf, hier sind sie jedoch nur Teil des dahinterstehenden gedanklichen Komplexes. Dass dem Gewaltausbruch, der in einer solchen Radikalität wohl nur in einem asiatischen Film vorkommen kann, nicht der größte Teil der Laufzeit eingeräumt wird, sondern das Finale eines jahrzehntelangen Martyriums darstellt, bestätigt dies noch.

"Bedevilled" ist größtenteils eine schockierende Studie menschlicher Gleichgültigkeit und Grausamkeit, die nicht weniger beinhaltet als die Aufforderung, die Augen nicht zu verschließen und Courage zu zeigen. Gut gefilmt, passend besetzt und packend inszeniert.

7,5/10