Donnerstag, 23. Juli 2015

Foxcatcher (2014)

http://www.imdb.com/title/tt1100089/

Der Ringer Mark Schultz (Channing Tatum), der 1984 die olympische Goldmedaille gewonnen hat, hat den Höhepunkt seiner Karriere hinter sich. Er ist gefangen in einem Kreislauf aus täglicher Trainingsroutine und gelegentlichen feierlichen Anlässen, bei denen er Ansprachen hält. Doch dann trifft er den sportbegeisterten Multimillionär John du Pont (Steve Carell). Dieser lädt den Sportler ein, bei ihm unter perfekten Bedingungen das Vorbereitungstraining für die Olympischen Spiele 1988 zu absolvieren. Schultz nimmt das Angebot an und zieht auf du Ponts Farm, wo dessen Team Foxcatcher trainiert. Er wird vom exzentrischen Mäzen mit Luxus umgeben und zu unaufhörlichem Training getrieben. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelingt es Schultz schließlich, auch seinen Bruder und Mentor Dave (Mark Ruffalo) zu überreden, dem Team beizutreten. Als jedoch der Druck auf alle Beteiligten immer weiter zunimmt, drohen sich die aufgebauten Spannungen in einer Katastrophe zu entladen...

Bennett Miller macht es einem als Zuschauer mit seinem Film "Foxcatcher" nicht immer leicht, denn der ganze Film ist wie seine Figuren ziemlich unnahbar, trist und wortkarg. Zudem werden viele Sachen immer wieder nur angedeutet und oberflächlich von außen beleuchtet. Man will zwar mehr über die Charaktere und ihre Beweggründe erfahren, dringt aber nie so richtig zu ihnen durch. Zwar kann man Miller anrechnen dass er den Film komplett ohne Schnickschnack, Effekthascherei oder Pathos inzeniert und dabei ein sehr realistisches und ruhiges Sportdrama abliefert, was aber teilweise einfach zu steril ist um komplett zu fesseln. Was den Film vor der totaler Langeweile rettet sind die drei Hauptdarsteller Carell, Tatum und Ruffalo die so intensiv agieren dass man ihnen förmlich an den Lippen hängt.

Denn obwohl der Film recht spannungsarm über den Bildschirm flimmert, bekommt man dank der vorgenannten Personen doch noch ein sehr intensives, wenn auch stilles Schauspiel geboten. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie Steve Carrel abseits altbekannter Pfade wandelt und dabei wirklich zu überzeugen weiß. Seine Darstellung des einsamen und exzentrischen Unternehmers John du Pont ist wirklich große Klasse. Doch auch Channing Tatum macht seine Sache als wortkarger kleiner Bruder ziemlich gut. Die drei interessanten Protagonisten sind praktisch Gegensätze, Ruffalo ist rational, Tatum emotional, Carell machthaberisch. Dank der nicht überzeichneten Charakteren ist der Film eine Charakterstudie, die Handlungen der Personen versteht man nicht, ihre Gedanken werden nicht gezeigt, aber dies ist kein Fehler, sondern die Realität, warum gibt es so viele Konflikte? Genau aus diesem Grund, man kann der Mitmensch nicht durschauen, obwohl die Ziele der Menschen die Gleichen sind. Es ist nicht das Ziel des Filmes, seine Charakteren zu verstehen, sondern sich vorzustellen, was ihre Dränge, Nöte und ihre Vorstellungen vom Leben sind. Der Skript ist für mich das grösste Problem des Filmes, es hat fast keinen Inhalt, natürlich sollte der Film ein Biopic sein, aber da eh nur die wichtigsten Fakten mit dem Geschehenen überreinstimmen, hätte man schon mehr Story reinpacken können.

Aber dank der genialen, dichten Atmosphäre, die auch über irrelevanten Sequenzen und Momenten hinweghalten kann und die Beobachtung der Protagonisten, wie sie auf einzelne Situationen reagieren ist es immer noch ein sehr sehenswerter Film. Wer jedoch einen Sportfilm sucht, der Fall und Aufstieg des Protagonisten rauschend zelebriert bis dem Zuschauer vor lauter Freude das Herz aufgeht, der wird mit dem bedächtigen und nachdenklichen "Foxcatcher" nicht so recht glücklich werden.

7/10

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