Freitag, 26. Juni 2015

American Sniper (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2179136/

US-Navy-SEAL und Scharfschütze Chris Kyle (Bradley Cooper) wird mit nur einem Auftrag in den Irak geschickt: Er soll seine Kameraden beschützen. Seine punktgenauen tödlichen Schüsse retten unzählige Leben von US-Soldaten auf dem Schlachtfeld. Als sich die Geschichten seiner unvergleichlichen Treffsicherheit verbreiten, bekommt er den Spitznamen „Legend“. Doch seine Reputation bleibt auch dem Feind nicht verborgen, die Iraker setzen ein Kopfgeld auf ihn aus. Und der Krieg ist nicht Kyles einziger Kampf. Der Scharfschütze versucht, seiner Frau Taya (Sienna Miller) ein guter Ehemann zu sein und gründet schließlich auch eine Familie. Aber trotzdem zieht es Kyle immer wieder in das Kriegsgebiet zurück: Er nimmt an insgesamt vier Einsätzen im Irak teil, die bei ihm deutliche seelische Spuren hinterlassen.

"American Sniper" kann in vielerlei Hinsicht interpretiert werden, genug politischer Stoff über Sinn und Unsinn amerikanischer geopolitischer-weltpolizeilichen Rohstoffsicherungen ist im Überfluss im aktuellen Politikgeschehen zu finden. Aber hier geht es um die autobiographische Geschichte des Menschen Chris Kyle. Ein Sniper der Seals. Einhundertsechzig tödliche Treffer. Ein Krieger, nahezu der perfekte Soldat, nie zögernd und immer im Einsatz. Gleichzeitige Faszination dieser militärischen Perfektion paart sich mit gloriosem Heldentum. Aber Helden, Opfer, Sadisten und Folterknechte gibt es immer auf beiden Seiten in Kriegen und dies wird in diesem amerikanischen Film weitgehend ausgeblendet. Aber wenn man auch nur ein wenig von Kyles Biographie gelesen hat, stellt man da schnell fest, dass eigentlich die komplette dunkle Seite von Chris Kyle weggelassen wurde, denn aufgrund seiner Biographie wurde ihm unter anderem Sadismus, ergötzen am Todeskampf anderer und "Lust und Drang" am Töten unterstellt.

Das kann man aus ziviler Sicht ganz gemütlich aus dem heimischen Fernsehsessel nun ganz genau so sehen. Oder man ist mit sich selbst einig und weiß, dass Krieg einfach die Hölle ist und keiner mit moralischen Verurteilungen um sich werfen sollte der von der Materie keine Ahnung hat - so wie ich. Wer also "American Sniper" hassen möchte, weil der Film Amerika glorifiziert (wer hätte das gedacht bei der Wahl des Titels?), für den muss es sich anfühlen wie ein gefundenes Fressen. Doch eben diese Einstellung erfordert, nicht genau hinzuschauen, nicht mitdenken zu wollen und nicht zu hinterfragen. Ist man allerdings dazu in der Lage, wird man schnell erkennen dass es Clint Eastwood mit "American Sniper" nicht darum ging, einen Krieg weder zu rechtfertigen noch zu verurteilen. Stattdessen konzentriert er sich auf den emotionalen Tribut, den Chris Kyle zahlt, auf die Konsequenzen seiner eigenen Handlungen. Dies gelingt dank einer beeindruckenden und tiefgehenden Performance von Bradley Cooper, der tapfer gegen ein paar Schwächen im Drehbuch anspielt und erstmalig allein und mit einer gut durchdachten handwerklichen Herangehensweise einen ganzen Film trägt.

"American Sniper" ist sicher nicht Eastwoods bester, dafür aber ein sehr guter und gleichzeitg bedrückender Film, welcher vom Zuschauer verlangt, mit offenen Augen und freiem Geist an das Thema heranzugehen. Mehr Kritik am Irakkrieg als solchen wäre zwar wünschenswert gewesen, denn gefühlt bleibt hier doch eine gute Prise Moral auf der Strecke, doch als Portrait einer Figur, die an den Komplikationen eines Krieges zerbricht, taugt "American Sniper" allemal. Wer mehr erwartet, der dürfte enttäuscht werden. Aller Pathos und amerikanische Glorifizierung beiseite ist es ein Film über einen Mann der seinen Weg gegangen ist, der seine Berufung fand, ausführte und überzeugend gespielt den Zuschauer zu erreichen vermag.

8/10

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