Samstag, 9. Mai 2015

The Others (2001)

http://www.imdb.com/title/tt0230600/

Im England des Jahres 1945 bewohnen Grace (Nicole Kidman) und ihre Kinder Anne (Alakina Mann) und Nicolas (James Bentley) einen abgelegenen viktorianischen Landsitz. Die Kinder haben eine mysteriöse Lichtallergie, weswegen kein Tageslicht ins Haus gelangen darf. Lärm ist auch nicht erwünscht, sonst wird die migräneanfällige Hausherrin ungemütlich. Die Finsternis, nur durch Kerzenschein erhellt, vertreibt regelmäßig das Dienstpersonal, doch die neuen Hausangestellten (Fionnula Flanagan, Eric Sykes, Elaine Cassidy) lassen sich davon nicht beeindrucken - auch nicht von Annes Geschichte, ihre Mutter sei wahnsinnig geworden oder ihrer Klage, ein Geist lebe in den Gemäuern...

Es war - glaube ich - George R.R. Martin, der in Bezug auf Horrorgeschichten schrieb: "Horrorgeschichten sind in erster Linie Geschichten und erst in zweiter Linie unheimlich." Gemeint ist damit eine Überzeugung, nach welcher ein Vertreter des Horrorgenres im Kern immer auch eine menschliche Geschichte erzählen sollte, die mit übernatürlichem Spuk oder rasendem Psycho-Terror nicht unbedingt etwas zu tun haben muss. Natürlich ist das eine sehr enge Eingrenzung und man mag nicht unbedingt befürworten, dass jeder Horrorfilm nach diesem Prinzip ablaufen muss. Doch was bei den besten Vertretern in diesem Genre auffällt, ist, dass sie zugleich auch sehr tragische Geschichten erzählen. Und bei "The Others" trifft dieses Prinzip quasi ins Schwarze.

Wenn man den Film zum ersten mal sieht, dann ist es ein ehr effektiver Geisterfilm, der für Dauergänsehaut sorgen kann. Schaut man ihn zwei-, drei- oder mehrmals, dann bemerkt man den perfekten inszenatorischen Aufbau und das Zusammenspiel Spannungsmomenten und Atmosphäre. Doch nicht nur das. Die Handlung ist sozusagen 'geistreich' und geschickt mit allen Mitteln des Genres erzählt worden. Hier stimmt das Prinzip: je weniger man im Vorfeld von dem Film weiß, desto besser. Hier vermischen sich Drama und Haunted-House-Film auf eine erfrischende Art und Weise und man merkt Regisseur und Autor Alejandro Amenábars Handwerk an, dass ihm beide Aspekte enorm wichtig waren. Die Charaktere sind sehr feinfühlig beschrieben und die Themen Krieg, Religion und Aberglaube sind wunderbar miteinander verflochten. Grace (Nicole Kidman) ist, als fromme Mutter, die sich mit dem Aufbegehren ihrer Kinder und der Scheinheiligkeit bzw. Krise ihrer Religiösität zugleich auseinandersetzen muss, eine sehr interessante Figur; und Kidman beeindruckt mit ihrer ungewohnt intensiven Darstellung von der ersten Minute bis zum bitteren Ende.

Auch kommen die Kinder im Film tatsächlich wie Kinder herüber; sie sind rebellisch, laut und schrecklich, und tanzen ihrer Mutter auf der Nase herum. So würde man sich Kinder, welche eine strenge, aber lückenhafte Erziehung erdulden, in etwa vorstellen - und das ist schon sehr real. Abgesehen von einigen leichten Längen leistet sich dieser Film kaum handwerkliche Schnitzer. Je weiter sich das Mysterium um die Geister im Haus entfaltet, umso mehr entfaltet sich auch die tragische Geschichte, die sich im Haus ereignet hat. Und das Ende sowie Graces intensiver und erschütternder Abschlussmonolog machen jede noch so kleine Schwäche des Films wett. "The Others"  besitzt eine Art und Weise, die einfach perfekt innerhalb und außerhalb seines Genres wirkt und funktioniert. Und das wird honoriert.

8/10