Dienstag, 19. Mai 2015

The Grand Budapest Hotel (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2278388/

Gustave H. (Ralph Fiennes) ist der legendäre Concierge des Grand Budapest Hotels im Alpenstaat Zubrowka. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts baut er eine enge Freundschaft zu dem jungen Hotelangestellten Zéro Moustafa (Tony Revolori) auf, der sein engster Vertrauter und Protégé wird. Als Gustaves Geliebte, die reiche 84-jährige Madame D. (Tilda Swinton), eines Tages stirbt und ihm ein wertvolles Renaissance-Gemälde hinterlässt, wird dem Concierge Mord unterstellt. Er weiß sich schließlich nicht mehr anders zu helfen und flieht mitsamt dem Bild. Nun verfolgen ihn nicht nur die Männer von Polizist Henckels (Edward Norton), sondern auch die Verwandten der Toten, allen voran der hinterlistige Dmitri (Adrien Brody) mit seinem finsteren Handlanger Jopling (Willem Dafoe), denen jedes Mittel recht ist, um ihr Ziel zu erreichen...

Mein erster Wes Anderson-Film ist völlig anders, als ich es erwartet hatte. Dabei dachte ich, dass ich nach den vielen Clips und Trailern (vor allem bei den großen Preisverleihungen) eigentlich wüsste, um was es hier geht...

Doch "The Grand Budapest Hotel" ist etwas ganz anderes. Der Film erzählt eine Rahmenhandlung in einer Rahmenhandlung in einer Rahmenhandlung und sorgt dadurch zu Beginn etwas für Verwirrung. Einblendungen der Jahreszahlen und Sätze wie "Drei Monate vorher", "24 Stunden später" etc. helfen da nur bedingt beim Verständnis. Aber wenn man sich nach den ersten zwanzig Minuten auf das Setting und seine skurrilen Figuren eingelassen hat, dass wird man blendend unterhalten.


Die Geschichte an sich ist dabei sicherlich nichts Bahnbrechendes, doch die Art und Weise ihrer Erzählung und Inszenierung macht sie dann doch irgendwie besonders. Anderson jagt seine Charaktere von einer Szene zu nächsten, liefert dabei immer sehr extravagante Sets und wählt dafür ganz bestimmte Kamerawinkel und -positionen. So ist "The Grand Budapest Hotel" schon allein von der optischen Seite her einen Blick wert. Technisch kann man "perfekt" sprechen - Kameraführung, Bildaufbau, Ton, Schnitt und Pacing: alles ist so einfallsreich, eindrucksvoll, aufeinander abgestimmt, passend - perfekt. Man hat teilweise das Gefühl, ein Puppenhaus zu beobachten, ein lebedig gewordenes kleines Häuslein, mit vielen skurrilen Charakteren, die teilweise auch im Tilt-Shift-Modus aufgenommen wurden, was den beschriebenen Puppenhaus-Effekt sogar noch verstärkt. Doch auch die Dramatik passt in dieser Geschichte. Die Figuren, ihre Handlungen und die Dialoge sind einfach richtig unterhaltsam. Dabei ist es oft Ralph Fiennes, der mit seinen Sprüchen und Zitaten für lustige Momente sorgt und ganz klar oscarwürdig spielt.


Er ist einfach sagenhaft gut in seiner Titlerolle als Gustave H. und bildet ein sehr gutes Team mit Tony Revolori, der als Lobby Boy eine ebenfalls ausgezeichnete Figur abgibt. Revolori liefert als Neuling auch wirklich eine einwandfreie Leistung. Das Staraufgebot ist aber insgesamt äusserst beeindruckend - mit dem Ensemble kann eigentlich ohnehin nichts schiefgehen, dennoch muss ich mal erwähnen: Ich liebe Ralph Fiennes. Ich liebe Jeff Goldblum. Ich liebe Edward Norton. Und nicht zu vergessen Tilda Swinton. Und die spielen wie jeder einzelne andere Darsteller hier auch einfach klasse mit, selbst wenn manche Rollen recht klein ausfallen. Die Charaktere sind schrullig-verschroben und transportieren die verrückte Handlung dabei angenehm locker leicht. Es ist 1932, aber der Krieg bleibt im Hintergrund, wird aber nicht irgendwie verniedlicht, sondern steht immer als drohende Gefahr hinter den Figuren.


Wes Andeson's "The Grand Budapest Hotel" ist eine kunstvolle Liebeserklärung an jeden Filmliebhaber und macht mit liebevollen Charakteren und wundervollen Details vieles richtig. Kulissen, Dialoge und Handlung ergeben darüber hinaus eine überzeugend gute Mischung. Anderson beweist ein Händchen für ein old-schooliges Filmerlebnis mit viel (teilweise schwarzem) Humor. "The Grand Budapest Hotel" ist schlichtweg etwas komplett anderes. Aber es ist ein Stück echte Filmkunst, bei der mindestens eine Zweitsichtung empfehlenswert ist - es gibt so viele Details zu entdecken! Ein Film, auf den man sich wirklich einlassen muss. Aber dafür wird man dann auch mit 100 Minuten tollem Kino belohnt und zurück bleibt irgendwie ein gutes Gefühl. Einer dieser Filme, die eventuell helfen könnten, wenn es einem mal schlecht geht.

8,5/10