Sonntag, 10. Mai 2015

Million Dollar Baby (2004)

http://www.imdb.com/title/tt0405159/

Frankie Dunn (Clint Eastwood) hat sein Leben lang viele unglaubliche Kämpfer im Ring trainiert. Die wichtigste Regel, die er seine Boxer lehrt, ist die, die sein eigenes Leben bestimmt: Vor allem anderen, schütze dich selbst! Im Zuge einer schmerzvollen Entfremdung von seiner Tochter hat Frankie niemanden mehr an sich herangelassen. Sein einziger Freund ist Scrap (Morgan Freeman), ein ehemaliger Boxer, der sich um das Studio kümmert und weiß, dass unter Frankies rauher Schale ein warmherziger Kerl steckt. Dann taucht eines Tages die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Kellnerin Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) im Hit Pit auf und will Boxen...

"Million Dollar Baby" ist ein sehr bewegendes Sportlerdrama, dass gekonnt die typischen Klischees umschifft, die man eigentlich in so einem Film erwarten würde. Ein großartiger Film, der über Boxsport erzählt und die Gewalt anpragert, aber einen nicht mit der moralischen Keule erschlägt, sondern auf überaus einfühlsame Weise den Zuschauer in eine Welt einführt, die ihn zuerst faszinieren und wegen der sich anbahnenden Vater-Tochter-Beziehung rühren und später erschüttern wird. Zuerst glaubt man an eine Erfolgsstory. Die Parallelen zu "Rocky" sind auch deutlich sicht- und spürbar.

Es geht steil bergauf, nach oben hin scheint es keine Grenzen zu geben, und es trifft genau die Richtige: nämlich eine ambitionierte junge Frau, die sich alles hart erkämpft hat und es nie leicht hatte. Gerade ihr wünscht man alles Glück der Welt. Doch dann schlägt der Film von jetzt auf gleich ins Drama um und fassungslos fragt man sich: Warum passiert guten Menschen nur so viel Schreckliches? Klar, es hat mit der Gewalt zu tun. Mit zu hohen Erwartungen und dem Leichtsinn, der daraus folgt. Aber die Realität will der Zuschauer in diesem Moment nicht wahrhaben. Bis zum Schluss hofft man, dass noch ein Wunder für das Happy End aus dem Ärmel gezogen wird, und als das, wie vorauszusehen, nicht geschieht trifft einen die Hoffnungs- und Trostlosigkeit eines solchen Schicksals mit voller Wucht in die Magengrube. Dazu kommt noch die bedrückende Atmosphäre, die aufgrund des Plots gegen Ende hin immer dichter wird und dank der ruhigen Kameraarbeit von Tom Stern auf den Zuschauer übertragen wird. Der Score, ebenfalls von Clint Eastwood, ist spärlich und bedächtig ruhig kommt der gesamte Film daher.

Auch kommt der Film dankenswerterweise ohne Übertreibungen aus. Keine endlosen Dialoge voller Schmalz. Nur ein alternder Trainer, der seinen Schützling so sehr liebt, dass er ihm den letzten Wunsch erfüllt... und dann sang- und klanglos untertaucht. Nichts weiter. Und das reicht völlig. In diesem Fall zeigt Regisseur und Akteur Clint Eastwood einmal mehr sein ganzes Können, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Er ist einfach ein Meister der Dramaturgie. In Hilary Swank findet man eine überragende Hauptdarstellerin und Sympathieträgerin, die jede Szene, so ernst oder dramatisch sie auch sein mag, hervorragend auszudrücken versteht. Man kauft ihr die Kellnerin aus armen Verhältnissen, die es zur Profisportlerin bringt, einfach ab und fiebert und leidet von Anfang an mit ihr mit.

Der finale Satz im Film bringt dann vermutlich auch den letzten Zuschauer aus der Fassung und ringt jedem eine Träne ab. "Million Dollar Baby" ist schlicht und ergreifend ein Meisterwerk. Ein Drama ohne Kitsch, großartig erzählt und toll gespielt.

9/10