Freitag, 1. Mai 2015

Found - Found: Mein Bruder ist ein Serienkiller (2012)

http://www.imdb.com/title/tt2149360/

Marty (Gavin Brown) ist ein unscheinbarer Fünftklässler, der gute Noten bekommt, den Lehrern zuhört und auch sonst keinen Ärger macht. Trotzdem stören sich Martys Klassenkameraden an dem schüchternen Jungen, weshalb sie ihn regelmäßig mit Mobbing-Attacken terrorisieren. Um dem quälenden Alltag zu entgehen, flieht der Gemobbte in die Welt der Horrorfilme. Bald darauf verwandelt sich sein Leben in einen echten Horror-Streifen. Denn eines Tages findet Marty in der Toilette seines großen Bruders Steve (Ethan Philbeck) einen Kopf. Das abgetrennte Haupt stellt den Beweis dafür dar, dass Steve ein Serienmörder ist. Aus Angst um seine Familie und sein Leben versucht Marty, die emotionale Verbindung zu seinem Bruder wieder zu verbessern…

"Found". Klingt erst einmal nach Nichts. Und auch der Klappentext lässt einen vorerst im Dunkeln darüber, was einen hier erwartet. Der Film fängt bedächtig ruhig und mit behutsamer Kinderstimme aus dem Off an. Nein, es ist kein brutaler Slasher, der einen hier erwartet (auch wenn man das dem Cover nach vermuten könnte), man bekommt ein gnadenloses, faszinierendes und auch verstörendes Drama serviert. Ein Drama um ein Kind, welches in der Schule gemobbt wird und nebenbei auch herausfindet, dass sein älterer Bruder ein Serienkiller ist. Um mehr geht es meiste Zeit nicht, erst am Ende wird die Rolle des Bruders wichtig. Und das ist gut so. "Found" ist wieder ein gutes Beispiel dafür, wie viel man mit wenig Budget schaffen kann. Man weiss nie wirklich wie sich der Film entwickeln wird und was in der nächsten Szene passiert.

Man fühlt sich zudem ein wenig an den jungen "Dexter" erinnert. Vor allem bei der Plastikfolienszene tauchen sehr starke Gemeinsamkeiten auf. Die Eltern sind auch nicht wirklich vertrauenserweckend. Die Mutter ist oberflächlich und harmoniesüchtig, der Vater ein dumpfer Patriarch, ohne echte Autorität. Die Eltern sind gar nicht mal lieblos, sondern einfach nur schrecklich borniert, ja sogar rassistisch. Das ist Marties großer Bruder Steve auch. Es ist schon eine seltsame Welt, in der Martie heranwächst. Aber man weiß den ganzen Film über auch nicht, ob man Martie trauen kann.

Der Film spielt in einer bürgerlichen Vorstadt. Inmitten idyllischer Parklandschaften, Wiesen und Wäldern. Das kennt man, schafft aber immer wieder eine unheilvolle Atmosphäre. Und er spielt in den Achtzigern, einer Welt vor Internet und Digitalisierung, im "finstersten Mittelalter". Damals schaute man sich Filme noch auf VHS an, und die Horror-Filme waren obertrashig aber verglichen mit heute eher harmlos. Die Atmosphäre an sich passt. Zudem ist "Found", auch wenn er ein paar Längen in der zweiten Hälfte hat, sehr schön ruhig erzählt. Ein wenig Straffung und Drastik in der Erzählung hätten dem Film gut getan, dafür ist das Finale so sehr verstörend, vor allem weil das Blutbad keinen Sinn ergibt und für Marty und den Zuschauer nicht gezeigt wird, sondern nur akkustisch und hilflos miterlebt werden muss.

Der Film ist seltsam und doch niemals langweilig. Die bis dato unbekannten Darsteller machen ihre Sache gut und treiben dieses intensive Sozialdrama bis an die Spitze der unerträglichen Grausamkeit. Auch wenn in diesem Film verhältnismäßig wenig Blut fließt, nimmt er mich weitaus mehr mit als so mancher Gore-Streifen. Einfach ein - doch, ja - sehenswerter und gleichzeitig heftiger Film.

6/10

Exklusiv im Vertrieb von ILLUSIONS, Ultd. und METEORFilm erschien der Film ungekürzt im Mediabook: Cover B bietet das meiner Ansicht nach etwas stimmigere Cover, wenngleich es nur wenig mit dem Thema gemein hat.