Donnerstag, 7. Mai 2015

El Laberinto Del Fauno - Pans Labyrinth (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0457430/

Spanien 1944: Die kleine Ofelia (Ivana Baquero) und ihre schwangere Mutter Carmen (Adriana Gil) reisen zu deren neuem Mann, Capitán Vidal (Sergi Lopez). Der erbarmungslose Hauptmann ist in den nordspanischen Bergen, wo er mit seiner Truppe Partisanen jagt. Er besteht darauf, dass sein Sohn in seiner Gegenwart geboren wird. Auf dem Weg zum Lager der faschistischen Truppen begegnet Ofelia ein Wesen, das sich als Fee entpuppt und Ofelia zum Pan (Doug Jones) bringt, dem Wächter eines unterirdischen Königreichs. Der Pan erkennt in ihr die verlorene Prinzessin wieder, erlegt ihr aber drei Prüfungen auf, bevor sie in ihr Königreich heimkehren darf. Während sich das Mädchen an die Erledigung dieser schwierigen Aufgaben macht, in denen sie mit Monstern und ekligen Tieren in Berührung kommt, gibt es Komplikationen in der Schwangerschaft ihrer Mutter. Hausmädchen Mercedes (Maribel Verdú), die den Rebellen in den Bergen heimlich Essen bringt, versucht, sich um das kleine Mädchen zu kümmern. Ofelia ihrerseits setzt alles daran, ihrer Mutter zu helfen und die Prüfungen zu bestehen... 

2006 schuf der Meister des Phantastischen Guillermo del Toro ein Märchen. Ein Märchen ausschließlich für Erwachsene. Ein Märchen namens "Pans Labyrinth". Und mit diesem Märchen vermischt er die verschiedensten Genre, wie es wohl kein zweiter Film schafft. Zum einen eine Fantasywelt, die an Filme wie "Alice im Wunderland" oder "Die unendliche Geschichte" erinnert. Eine Märchenwelt, die vordergründig nach einem kindgerechten Familienfilm aussieht. Aber dann kommen Bilder im Stile eines "Silent Hill", Szenen mit teilweise extrem blutigen Folterszenen, kurzen, aber effektiven Gewaltspitzen und Kriegsszenen, die man in einem Märchen wohl so nicht erwarten würde. Und schließlich kommen noch viele Elemente in Richtung Drama und Thriller dazu. Diese heftigen Gewaltszenen stehen in einem unheimlichen Gegensatz zu den märchenhaften Fantasyszenen. Und das ist teilweiße so verrückt, dass man sich schon fragt, was sich der Regisseur dabei gedacht hat. Aber gerade deswegen hinterlässt der Film einen überaus positiven Eindruck.

Zum wird mit richtig tollen und zudem handgemachten Effekten gearbeitet und auch der Pan und die damit im Zusammenhang stehenden Kreaturen können mit ihrem ausgefallenen und herausragenden Design gleichwohl erschrecken und so auch überzeugen. Selbst schauspielerisch wird genug geboten: vor allem der Antagonist Vidal (Sergi López, den man im Verlauf des Films so richtig zu hassen beginnt) besitzt eine solch sadistische und grausame Persönlichkeit, dass man vor ihm scheiend davonlaufen möchte. Aber auch die jungen Ofelia (Ivana Baquero) ist ein kleine beeindruckende Schauspielerin, die man von Anfang an ins herz schließen kann und so mit ihr den Film erlebt. Hin- und hergerissen zwischen Verzweiflung, Traurigkeit und Mut, Phantasie und Wirklichkeit zeigt sie verschiedenste Facetten auf, die einen fesseln und die Geschichte so mit ihr zusammen erlebbar machen.

Bewusst lässt der Regisseur seinem Film einen gewissen Spielraum, in wie weit man für sich selbst die Ereignisse interpretieren mag. Passieren Orfelia diese Dinge wahrhaftig? Trifft sie die Elfen und den Faun in dem Labyrinth, meistert sie ihre Abenteuer tatsächlich und ist sie wirklich die lange vermisste Prinzessin, die am Ende in ihr wundervolles Königreich zurückkehren kann? Oder erleben wir nur den Einblick in einen geschundenen, kindlichen Geist, der um die furchtbare Situation zu verarbeiten einen psychologischen Schutzmechanismus hervorruft? Der die Kraft der Phantasie nutzt, um dem Schrecken zu entfliehen, die Hoffnung aufrecht zu erhalten, dass alles sich zum Guten wenden wird und am Ende die Erlösung in Form eine besseren, warmen, gerechten Existenz wartet? Beides bleibt im Rahmen des Möglichen. Dementsprechend lässt sich auch das Ende in völlig verschiedene Richtung deuten und auch die Gefühle, die es hervorruft. Zwischen tieftraurig und Balsam für das Herz liegt nur die persönliche Sicht der Dinge. Guillermo del Toro überlässt es dem Zuschauer quasi selbst, mit welchen Emotionen, mit welchem Ende er ihn aus seinem Film entlässt. Und zwar voll und ganz. Das ist so schön, nicht im Geringsten bevormundend und absolut selten, eine wahre Glanzleistung. Wie der gesamte Film.

9/10

Die Erstauflage dieses grandiosen Fantasy-Märchens gab es vor langer Zeit einmal im Steelbook. Mittlerweile ausverkauft und nur noch sehr teuer auf einschlägigen Auktionsplattformen zu bekommen: