Samstag, 18. April 2015

Rocky II (1979)

http://www.imdb.com/title/tt0079817/

Die Handlung des Boxerdramas "Rocky II" schließt direkt an den berühmten ersten Teil an. Inszeniert hat ihn Silvester Stallone persönlich. Apollo Creed (Carl Weathers) möchte in einem Revanche-Kampf gegen Rocky (Sylvester Stallone) - dem Weltmeister der Herzen - beweisen, dass er im Ring der Beste ist. Er will nicht hinnehmen, von Boxfans als unverdienter Sieger hingestellt zu werden. Rocky hat zunächst wenig Lust, auf die Herausforderung einzugehen. "The Italian Stallion" ist frisch mit Adrian (Talia Shire) verheiratet und hat ein verletzungsbedingt eingeschränktes Sichtfeld. Doch Creed weiß, wie er den Underdog anpacken muss, damit der einem Rückkampf zusagt. Er provoziert ihn übers Fernsehen - und trifft damit den richtigen Nerv. Die Vorbereitungen auf das Duell aber lässt Rocky schleifen. Seine Frau nämlich lehnt die ganze Unternehmung vollkommen ab...

Die ersten beiden hervorragenden Drittel des zweiten Teils der berühmtesten Boxsaga der Welt knüpfen nahtlos an die dramaturgischen Elemente des ersten Teils an und widmen sich nun stärker den Charakteren und den Auswirkungen des Aufstiegs und Verfalls des plötzlich populären Rockys. Durch die hervorragende schauspielerische leistung Stallones - und anders kann man das einfach nicht nennen - kann man mit der titelgebend Figur mitgehen, mitfühlen, ja sogar den Absturz beinahe selbst spüren, der dem Beinahe-Champion widerfährt. Der sozialkritische Ansatz des ersten Teils geht hier zugunsten von etwas mehr Action und Pathos verloren, obwohl auch hier gezeigt wird, wie ein Mensch von allen verlassen und auf sich allein gestellt, sich wieder aufbaut um seinen Traum zu erfüllen. Hier geht es hauptsächlich um Ehre, Selbstachtung, Liebe und Kampfgeist.

Ein interessanter und zugleich amüsanter Nebenstrang der Handlung ist die in die Gesellschaftskritik hineintendierende Darstellung, wie der rhetorisch unbegabte Boxer als Werbeheld auftritt. Aber was den Film letztlich wieder so gut macht sind seine sympathischen Figuren und seine perfekte Kombination von Bild und Musik/Ton. Ebendie Musik von Bill Conti sollte wohl besondere Erwähnung finden, da sie nicht nur vielseitig, sondern sehr einprägsam ist - besonders bei den Kampf - und Trainingsthemen.

Das letzte Drittel fühlt sich dann aber leider eher wie die Pflicht an, den Erwartungen gerecht zu werden und eben diesen bereits genannten Pathos zu verbreiten, eingeleitet durch die völlig übertriebene und unrealistische Szene, in der Adrian aus dem Koma erwacht und Rocky "Gewinne!" ins Ohr ruft, woraufhin die typischen Trainingsbilder mit Motivationshintergrundmusik folgen. Das wirkt nicht nur aufgesetzt, sondern nach der hervorragenden und absolut würdigen Einleitung eher lächerlich und auch fast schon naiv.

Der finale Kampf wirkt dann irgendwie unspektakulärer als im grandiosen Vorgänger und bedient nun endlich die Klischees des Sieges in letzter Sekunde, welchen der erste Teil größtenteils noch ausweichen konnte. Aber egal, ob überspitzt oder nicht, hier fiebert jeder mit, denn die Choeografie ist brutal, voller Tempo und reißerisch. Und damit schafft "Rocky II" gerade noch den Bogen und wird so auch der ausgeglichenste Teil, als Actionfilm und als Drama. Zwar arbeitet er mit einigen Klischees, aber selten kann man so einen packenden Sportfilm sehen. "Rocky II" dient somit mehr als Übergang zu den Rocky-Actionfilmen und schafft diese Aufgabe allerdings noch ganz gut.

7,5/10