Sonntag, 19. April 2015

A Bug's Life - Das große Krabbeln (1998)

http://www.imdb.com/title/tt0120623/

In der Ameisenkolonie des Erfinders Flick (Dave Foley) geht die Angst um, weil jedes Jahr im Sommer die Grashüpfer unter Führung des bösen Hopper (Kevin Spacey) auftauchen und von den Ameisen einen Nahrungsmitteltribut fordern. Die Ameise Flick, die sich mit nutzlosen Erfindungen und ihrem individuellen Verhalten schon immer unbeliebt gemacht hat, schießt nun aber den Vogel ab. Mit einem unglücklichen Unfall sorgt Erfinder Flick für die Vernichtung der bisher gesammelten Nahrungsmittel, so dass die Forderungen der Grashüpfer nicht erfüllt werden können. Um seinen Fehler wieder gut zu machen, möchte Flick Hilfe von auswärts holen, mit der die Grashüpfer in die Schranken gewiesen werden sollen. Aber die untröstliche Ameise musst feststellen, dass es gar nicht so leicht ist, eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen. Flick und seinen Artgenossen droht eine schlimme Strafe durch die Grashüpfer.

In Pixars zweitem Geniestreich (nach "Toy Story") zeigt sich eine der größten Stärken des Animationsstudios: sie zeigen uns die Welt mit den Augen von etwas anderem als Menschen. Im Fall von "Das große Krabbeln" wird gezeigt wie die Welt der Insekten aussieht. Obendrein vermenschlichen sie die Charaktere so sehr, dass man zu den Charakteren sofort Sympathie aufbaut. Die Welt von "Das große Krabbeln" gehört zu meinen persönlichen Pixar-Favoriten. Die Landschaften sind überaus detailverliebt. Hier sehen wir wie Insekten die Welt wahrnehmen: Sandkörner sind Steine, Regen ist wie eine große Flut, ein Grashalm wirkt wie ein Baum und ein Vogel ist eines der gefährlichsten Wesen, die es gibt. Weil das ja noch nicht genug ist, müssen die armen Ameisen in diesem Film Futter für eine Bande Grashüpfer sammeln.

Die Story ist herrlich schräg und mit sehr viel Humor auf liebevolle Weise erzählt. Man lernt hier Charaktere kennen, die sofort sympathisch sind, da sie alle mit Problemen aufgrund ihrer Spezies zu tun haben. Marienkäfer Franzi wird immer für eine Frau gehalten, einfach weil er ein Marienkäfer ist und Stabheuschrecke Slim bekommt immer nur Zirkus-Rollen als Besen oder Stock. Die Zirkustruppe sorgt zweifellos für die größten Lacher - und die bayrisch synchronisierte Raupe Gustl landet mit jedem Spruch einen Treffer. Jeder hat seine eigenen kleinen Macken, daher sorgt jede Nebenrolle für Humor.

Mit Grashüpfer-Boss Hopper hat man einen der charismatischsten Fieslinge überhaupt. Er ist clever, er ist gemein, er ist bedrohlich, er ist ein brillanter Anführer und auch noch extrem gut synchronisiert. Ein großes Vergnügen mit kleinen Helden und einem eindrucksvollem Finale, das bei mir für reichlich Gänsehaut gesorgt hat. Komponist Randy Newman hat da einen großen Teil zu beigetragen. Die Schönheit und die Größe dieser Welt fängt er mit seiner Musik sehr gut ein. Doch gerade die rebellische Ader des Films, die zum Ende hin stark aufkommt, erfasst er perfekt. Die Oscarnominierung für die Filmmusik war mehr als verdient. Ein kleines Meisterwerk - wie man es von Pixar erwartet.

8,5/10