Sonntag, 15. März 2015

Valkyrie - Operation Walküre: Das Stauffenberg-Attentat (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0985699/

Nachdem er von der Front in Nordafrika verletzt nach Deutschland zurückgekehrt ist, schließt sich Claus Schenk Graf von Stauffenberg (Tom Cruise) einer Gruppe ranghoher Offiziere an, die planen, Adolf Hitler (David Bamber) zu töten. Unter der Federführung Stauffenbergs wird ein vielversprechender, aber riskanter Plan ausgeheckt: Würde man nur Hitler auslöschen, wäre damit das Naziregime noch lange nicht besiegt. Deshalb soll nicht nur ein Bombenattentat auf Hitler verübt, sondern zugleich auch die Kontrolle über das Militär gewonnen werden. Doch am 20. Juli 1944 geht einiges schief - Hitler überlebt den Anschlag. Stauffenberg und seine Kameraden gehen aber weiterhin davon aus, dass der Führer das Zeitliche gesegnet hat. Sie verbreiten überall die Nachricht vom Tod des Diktators, während dieser ohne Möglichkeit zur Kommunikation in seinem Führerhauptquartier, der Wolfsschlucht, festsitzt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

Bei der damals aufgekommenen fast schon landestypisch aufgeregten Debatte um die Drehgenehmigungen für den Film an den Originalschauplätzen in Berlin stand leider auch der dümmliche Gedanke im Vordergrund, der Scientologe und vermutlich niveaulose Amerikaner Tom Cruise könnte das Ansehen des Nationalhelden Stauffenberg in den Schmutz ziehen. Aber alle, die diese Befürchtung hegten, dürften mit "Operation Walküre" am Ende mehr als glücklich gewesen sein, denn eine Herabwürdigung des nationalkonservativen Widerstands ist sicherlich das letzte, was man dem Film vorwerfen kann. Der Film hätte so wohl auch ganz schön in die Hose gehen können, wenn sich Hollywood an wichtiger deutscher Geschichte versucht und dann auch noch Tom Cruise als Oberst Stauffenberg besetzt. Doch Regisseur Bryan Singer liefert dann doch einen sehr spannenden Film ab, der in den meisten historischen Fakten korrekt ist und dazu auch noch, nicht sehr Hollywoddyblockbustermäßig daher kommt, sondern sich gekonnt auf die Geschichte des Stauffenberg-Attentates im Jahr 1944 konzentriert.

Auch Tom Cruise überzeugt in seiner Darstellung Oberst von Stauffenbergs der mit ein paar Eingeweihten das Attentat auf Adolf Hitler plante. Die Vorbereitungen für das Attentat und seine Ausführung werden spannenden inszeniert und auch für weniger geschichtlich interessierte Zuschauer zudem interessant erzählt. Doch auch wenn dieser Streifen viel zu erzählen hat und seine Darstellung gelungen ist, ab einer bestimmten Stelle zieht sich das Geschehen eine Weile einfach in die Länge. Cruise spielt zwar solide aber einen richtigen Gewissenskonflikt hat er nicht zu bewältigen und auch in seiner Gruppe von Hitlerverrätern gibt es kaum irgendwelche Wiederstände oder große Diskussionen über Hitlers Handeln und Deutschland nach seinem Tod. Es fehlt irgendetwas, was das Geschehen wirklich vorantreibt und an einigen Stellen wirkt der Streifen eher wie eine fade, wenn auch interessante Geschichtsstunde, von dessen erster Hälfte einem nicht so viel im Gedächtnis bleibt.

Was den Film aber dann noch Punkte einbringt ist eine wirklich grandiose Darstellung der Geschenisse ab dem Hitler-Attentat. Jeder Zuschauer mit einem Funken Bildung weiß, wie das Stauffenberg-Attentat endete, doch sobald die Bombe in der Wolfschanze explodiert, kommt eine solch mitreißende Dynamik in den Film, die eine Spannung für ein bekanntes Ende vermittelt, die tatsächlich perfekt ist. Hitlers Ersatzheer wird in Berlin mobilisiert und der Film wird immer spannender, wenn die Lage immer unklarer wird, ob Hitler den nun lebt oder nicht. Wenn man diese amerikanisierte deutsche Heldengeschichte am Ende dann schlecht finden möchte, dann findet man die Gründe eher darin, dass sie zu sehr Heldengeschichte ist. Der wahre Stauffenberg war schließlich nicht nur Widerstandskämpfer, er war auch erzkonservativ bis zur Rückwärtsgewandtheit, ein Nationalist, ein elitärer Antidemokrat und wahrscheinlich, wie die meisten seiner Standesgenossen, Antisemit. Man muss dem Film die einseitig positive Darstellung seiner Hauptfigur allerdings nicht unbedingt nachtragen, denn er interessiert sich für politische Standpunkte und Beweggründe einfach so gut wie gar nicht und behauptet daher auch nicht viel Falsches darüber. Eine richtig gute Verfilmung des Stoffes müsste aber dereinst auch diese Aspekte beleuchten. Somit bleibt "Valkyrie" ein interessanter Film mit einem tollen Finale und einem guten Cruise, der mit seiner ungewohnt zurückhaltenden Darstellung überzeugen kann.

7,5/10